FUNERAL PILE
Titel: SUMMONING
Label: EIGENPRESSUNG
Spieldauer: 48:06 Minuten
VÖ: 06. März 2026
FUNERAL PILE aus Bayern melden sich fünf Jahre nach ihrem starken Debüt “Evoked In Flames” mit “Summoning” zurück – und zwar in der Besetzung mit Matthias Riedl (Vocals), Annike Schirmann (Gitarre), Ralf Gröger (Gitarre), Mathias Neuwert (Gitarre) sowie Martin Schirmann (Bass, Drum Programming). Schon auf dem Erstling zeigte sich, dass die Band Black-, Death-, Thrash- und Doom-Elemente nicht einfach nur zusammenrührt, sondern daraus einen eigenen, wuchtigen Sound formt, der irgendwo zwischen brachialer Härte und düsterer Atmosphäre sein Zuhause hat – ein Zuhause, in dem ich mich 2021 schon wohlfühlte. “Summoning” erscheint am 6. März 2026, wird von der Band selbst veröffentlicht und läuft somit komplett independent. Die Aufnahmen übernahm Martin Schirmann, während Mixing und Mastering in den Händen von Konst Fischer (Konst Fischer Mixing) lagen.
Das Album erscheint als CD und LP sowie digital über Bandcamp. Ein kleiner, aber feiner Unterschied zwischen den Formaten: Die CD-Version von “Summoning” enthält mit ‘The Unendurable’ einen Bonustrack, der auf der Vinyl-Edition nicht vertreten ist. Inhaltlich widmet sich der Song der zum Scheitern verurteilten Shackleton-Expedition und zeichnet die unvorstellbare körperliche wie mentale Belastung des Überlebens im antarktischen Eis nach. Unerbittlich und trostlos fängt das Stück Ausdauer und Verzweiflung von Menschen ein, die weit über ihre Grenzen hinausgetrieben werden – thematisch wie musikalisch genau dort angesiedelt, wo FUNERAL PILE ihre Stärken ausspielen.
Der Opener ist das instrumentale ‘Cataclysm’, das langsam Spannung aufbaut und wie ein sich langsam hebender, düsterer Vorhang wirkt. Mit ‘Hope Is A Lie’ wird es thematisch wie musikalisch finster: Zukunftsängste, Zweifel, innere Zerrissenheit – das alles verpackt in einem schweren, drückenden Soundgewand. Ruhelos und getrieben wandelt ‘The Ghost Of Orion’ durch die Nacht, getragen von eindringlichen Drums und gnadenlosen Vocals, die sich tief ins Gehör fräsen. Mit ‘Mountains Of Madness’ verneigt sich die Band hörbar vor H. P. Lovecraft, während der bereits angesprochene schwere Nackenbrecher ‘The Unendurable’ die beklemmende Vorstellung des Verlorenseins in der Antarktis vertont – eisig, isoliert, fast klaustrophobisch. ‘Chimera’ greift Motive aus der griechischen Mythologie auf und verbindet diese mit wuchtigen Riffs und intensiver Dynamik, bevor das atmosphärisch dichte Instrumental ‘The Summoning’ als Moment gespannter Ruhe fungiert und zugleich den Boden für ‘The Mill’ bereitet. Basierend auf Otfried Preußlers “Krabat” erzählt der Song die Geschichte einer Mühle, in der schwarze Magie gelehrt wird – allerdings zu einem schrecklichen Preis: Jedes Jahr muss ein Müllerbursche sterben, da der Meister an einen Pakt mit dem Tod gebunden ist. Mit Gastgesang von Winterherz (WALDGEFLÜSTER) ist ‘The Mill’ episch, dramatisch und eindringlich und ein düsterer Horrorsong mit beklemmender Stimmung, der sich langsam in die Gehörgänge frisst. Trotz aller Schwärze setzt das Finale ‘In Eternal Fire’ einen leicht hoffnungsvollen Akzent und rundet das Album stimmig ab, ohne die zuvor aufgebaute Dunkelheit komplett aufzulösen. FUNERAL PILE zeigen hier, dass sie nicht nur brutal können, sondern auch Atmosphäre, Aufbau und erzählerische Tiefe beherrschen.
Im Vergleich zu “Evoked In Flames” ist “Summoning” fokussierter und kommt mit deftigen schwarzmetallischen Anstrichen daher sowie mit einer Portion finnischer Melancholie. Dort, wo das Debüt bereits mit einer Mischung aus Black, Death und Doom überzeugte, gehen FUNERAL PILE hier noch stärker in Richtung Atmosphäre und lyrischer Tiefe. “Summoning” ist wie ein Marsch durch eine kalte, trostlose Welt, den man aber immer wieder antritt, um die bockstarke und dichte Stimmung der Scheibe aufzusaugen, die durchaus auch als Inspiration für fette Videogames à la Diablo dienen könnte. FUNERAL PILE liefern mit “Summoning” eines der geilsten Alben ab, die das Jahr 2026 auf meinen Tisch geweht hat – und das alles in eigener Regie – Chapeau dafür. Legt euch das Album zu, sonst verpasst ihr was: https://funeralpile.bandcamp.com/
Tobi Stahl vergibt 8,5 von 10 Punkten


