GAEREA – LOSS

GAEREA

Titel: LOSS

Label: Century Media Records

Spieldauer: 46:00 Minuten

VÖ: 20. März 2026

Aus dem schönen Portugal, genauer gesagt aus der Hafenstadt Porto, kommen GAEREA. Die portugiesische Band widmete sich in ihren frühen Tagen dem Black Metal, später dann dem Post-Black Metal. Die Extreme-Metal-Band gibt es seit 2016, und bisher veröffentlichten sie vier Studioalben; ihr letzter Output war “Coma” (2024). Bei GAEREA handelt es sich um eine vollständig maskierte Band, wie beispielsweise auch bei KANONENFIEBER oder SLEEP TOKEN. Am 20. März veröffentlichen GAEREA ihren mittlerweile fünften Langspieler “Loss” über Century Media, und der anonyme Sänger sagt über das Album:

Wir haben das getan, was wir immer getan haben – wir sind unserem Instinkt gefolgt. Doch etwas sagt mir, dass dieses neue Album Elemente hat, die sowohl unsere neuen als auch unsere alten Fans lieben werden – aber es ist nicht gerade genau das, was sie von uns erwarten.

Die Masken sind bei GAEREA kein reines Bühnenaccessoire, sondern fester Teil ihres Gesamtkonzepts. Die einheitlichen Gewänder wirken wie eine gesichtslose, androgyne Leinwand, auf der sich die Band vollkommen in ihrer Performance verlieren kann – körperlich intensiv und emotional greifbar. Mit und auf “Loss” gehen GAEREA ihren eingeschlagenen Weg weiter und lassen Extreme Metal auf Post-Rock treffen, die Emotionen als bindenden Kern. Spannend beginnt ‛Luminary’, der Opener von “Loss”, geht aber nur wenige Sekunden nach dem ruhigen Beginn in die Vollen, bricht mit fetten Gitarren, Drums und Vocals heraus und beeindruckt anschließend mit viel Melodie und etwas cleanen Vocals. Komplett cleanen Gesang bringen GAEREA in ‛Submerged’ mit, einem Song, der vom Ertrinken in den eigenen Erinnerungen und Traumata handelt – vom Gefühl, keinen Ausweg zu haben, obwohl man verzweifelt nach Luft sucht. Das Wasser steht für die Vergangenheit, die einen immer wieder nach unten zieht. Dementsprechend gibt es emotionale und tiefgründige Musik, die trotzdem kraftvoll, wuchtig und imposant klingt, aber zum Klargesang und den Emotionen passt. ‛Hellbound’ bleibt zunächst im Flow des Vorgängers, knallt dann aber verdammt großartige Blasts, Gitarren und den typischen Gesang im Black-Metal-Fahrwasser raus. Über ihre Single ‘Hellbound’ verraten GAEREA:

‘Hellbound’ ist ein intensiver und kathartischer Track, der sich tief mit Themen wie Schuld, Herzschmerz und Selbstzerstörung auseinandersetzt. Mit sengenden Riffs und viszeralem Gesang fängt er die Spannung zwischen Verletzlichkeit und Aggression, Liebe und Verrat ein. Lebendige Bilder von Feuer, Dornen und ruhelosen Geistern verstärken seine rohe emotionale Kraft und machen ihn sowohl eindringlich als auch kraftvoll.

Rasant, kämpferisch und verdammt kraftvoll kommen ‛Uncontrolled’ und vor allem ‛Phoenix’ rüber; letztere Nummer ist für mich zusammen mit ‘Hellbound’ das Beste, was auf “Loss” in Sachen Brachialität vorhanden ist. ‛Cyclone’ lädt über fünf Minuten ein, die Augen zu schließen und sich von einer zarten Wucht treiben zu lassen, die Melodien zu genießen und die Atmosphäre aufzusaugen. ‛LBRNTH’ ist das überraschende Vorspiel für ‛Nomad’; mit dem Song und dem sehenswerten Video entführen GAEREA euch in eine Welt aus Eis und Kälte.

Die Band sagt über das Highlight von “Loss”, das Klanggewalt, Vielfalt und Intensität zu einem sehr bildgewaltigen Song vereint:

Der Nomade ist jemand, der sein Leben in ständiger Bewegung verbringt, nur um sich nicht mit sich selbst auseinandersetzen zu müssen. Physisch driftet er dahin, emotional jedoch flieht er vor Schuldgefühlen, Selbstzweifeln und der Angst, zu etwas zu werden, das er verachtet. Im Kern ist es ein Bekenntnis zur Entfremdung: ein Nomade nicht aus freier Wahl, sondern aus Selbstbestrafung und innerem Zusammenbruch.

‛Stardust’ ist das epische Acht-Minuten-Finale, das auch SLEEP TOKEN geschrieben haben könnte, doch nach der melodischen Sanftheit kommen die so bockstarken und ins Mark dringenden Ausbrüche der Band – um dann erneut in ruhigere Klangwelten einzutauchen. Der markante Songname “Stardust” wird dem Hörer einige Male tief in den Gehörgang geballert und danach umschmeichelt – diesen Song muss man fühlen, denn zu erklären, was in den acht Minuten passiert, wird dem Lied nicht gerecht.

“Loss” ist die konsequente nächste Stufe von GAEREA – mehr Tiefe, mehr Melodie, mehr Emotion, ohne auch nur einen Deut von ihrer Wucht zu verlieren.

Mit “Loss” bringen die Portugiesen ein Album raus, das die Grenzen zwischen Black und Post Black Metal noch mehr verschwimmen lässt und gleichzeitig all das bündelt, was GAEREA aktuell ausmacht. Die verdammt unter die Haut gehenden Growls werden herrlich von den Gänsehaut erzeugenden Clearvocals ergänzt, ohne dass die Wucht auch nur eine Sekunde leidet. Genau so funktioniert die Balance zwischen brachialer Black-Metal-Gewalt und sanft-verspielten Melodiebögen – ein intensiver, atmosphärisch dichter Mix, bei dem die extreme Seite klar dominiert. “Loss” definiert GAEREA damit nicht nur weiter, sondern zeigt eine Band, die ihre eigene Klangsprache gefunden hat und sie mit jeder Veröffentlichung noch tiefer auslotet.

Tobi Stahl vergibt 8,5 von 10 Punkten