SAMURAI PIZZA CATS – PRESS START

SAMURAI PIZZA CATS

Titel: PRESS START

Label: Century Media Records

Spieldauer: 29:50 Minuten

VÖ: 27. März 2026

Am Anfang war die Katze, oder so? Auf alle Fälle “entdeckte” ich die SAMURAI PIZZA CATS, als ich in meinem Rolli des Mittags über das Battlefield des Summer Breeze tuckerte und gar liebliche Core-Klänge von der Bühne vernahm. Also lauschte ich den – mir noch fremden – Leuten auf der Bühne und beschäftigte mich fortan näher mit ihrer Mucke und den bisher veröffentlichten Songs aus dem Pizzaversum. Da passt es ja, dass mit “Press Start” ein neuer Dreher am Start ist, der am 27. März 2026 erscheint. Aber von vorne.

Bevor jedoch der Blick nach vorn geht, lohnt sich der Sprung zurück ins Jahr 2023, als mit “You’re Hellcome” das Debütalbum der Ruhrpott-Katzen erschien und direkt klar machte, wohin die Reise geht. Neben der stilistischen Vollbedienung zwischen Metalcore, Deathcore und elektronischen Eskapaden lebte die Platte vor allem von ihren hochkarätigen Features: Nico Sallach (ELECTRIC CALLBOY) verlieh ‘Pizza Homicide’ seine unverkennbare Stimme, Emmy Mack (REDHOOK) sorgte bei ‘Have A G.O.O.D. Day!’ für zusätzlichen Ohrwurmfaktor. Den Schlusspunkt setzte schließlich Alma Alizadeh (FOR I AM KING) auf dem Titeltrack – ein Feature-Reigen, der das Debüt nicht nur abwechslungsreich machte, sondern dem Cat-Core-Universum von Anfang an eine bemerkenswerte Szene-Vernetzung mitgab.

So, jetzt sind alle auf aktuellem Stand, und wir können uns der neuen Platte “Press Start” hingeben, auf der Sebastian Fischer (Vocals), Daniel Haniß (Guitar), Stefan Reufer (Bass) und Robin Scheer (Drums) die Akteure sind, und ja, ihr lest richtig: Stefan Buchwald hat die Cat-Family verlassen, dafür schwingt Robin die Säbel hinter den Drums. “Press Start” wird über Century Media Records erscheinen, und das genau rechtzeitig zum bandeigenen “Samurai Pizza Fest”, das am 28. März in Köln stattfindet – das Festival ist übrigens bereits ausverkauft.

Bevor wir ins Review von “Press Start” einsteigen, muss ich euch noch erzählen, dass die SAMURAI PIZZA CATS aus Castrop-Rauxel stammen – also Ruhrpott – und seit der Veröffentlichung ihrer ersten selbstproduzierten Songs für Furore sorgen. Die Band wurde 2021 von Daniel Haniß (ELECTRIC CALLBOY), Sebastian Fischer und Stefan Buchwald (beide ehemals FALL OF GAIA) gegründet und hat sich recht zügig eine treue Fangemeinde aufgebaut. Seit 2021 ist Stefan Reufer (nicht der Fußballer) Bassist der Pottcats und festes Mitglied. Genretechnisch sind die SPC im Metalcore und Deathcore unterwegs, auch elektronische Vibes lassen sie in ihre Mucke einfließen. Ihr Debüt “You’re Hellcome” stieg in die Top 100 der deutschen Albumcharts (67) ein – ich bin gespannt, ob “Press Start” noch einen draufsetzen kann.

Das Intro ‘Insert Coin’ mutet ein wenig nach 80er-Jahre-Synthwave an, eine kindliche Stimme gibt den finalen Startschuss für die gut 30-minütige Platte, die mit ‘Pandastruck’ eröffnet, und nein, es ist kein abgewandeltes AC/DC-Lied, eher der erwähnte Mix aus Core, Elektro, ein bisschen Rap, unterlegt von knackigen Gitarren und fetten Bässen, zu dem ihr auch moshen könnt, wenn ihr möchtet. Im Brecher ‘T-Rex(plosion)’ ist Jessie Williams von ANKOR zu hören, die der Nummer mit ihrer Stimme noch mehr Abwechslung verleiht, die Clean-Vocals sind ein klasse Kontrast zu den teils sehr heftigen Growls – macht Spaß, das Ding. Deftig knallt ‘Fear No Slice’ euch in die Fresse, die kurzen “poppigen” Parts lockern den Song auf und laden zum Mitsingen ein. Die Synths kommen in ‘Error 808’ erneut zum Einsatz, passen auch hier wie die Ananas auf die Pizza eines deutschen Italien-Touristen und geben der Nummer eben jene DNA aus vergangenen Tagen mit – modern gekonnt mit “Alt” gemixt. ‘Level Up’ dauert ganze 50 Sekunden und hebt uns aufs nächste Level, das mit ‘Ramen-Man’ feat. BABYBEARD beginnt und tatsächlich Next Level ist. Die Japaner von BABYBEARD kommen mit ihrem “zuckersüßen” Gesang aus den Boxen, und ja, in den Kontext dieses Albums und dieses Songs passt das auch, woanders könnte ich mir das wohl auch keine zehn Sekunden anhören. ‘Penguin Supreme’ hingegen ist keine Gefahr für den Langzeitzuckerwert, hier gibt es wieder mehr Core, wenngleich sie auch von poppigen Passagen unterbrochen werden, aber der Breakdown danach lohnt sich. ‘Super Zero’ handelt von Außenseitern, die sich als Helden inszenieren, von Selbstzweifeln und Zugehörigkeit – und davon, dass man auch ohne “Skills” Bedeutung haben kann. Ironisch, selbstreflektiert und superherzlich. In ‘City of Gold’ hat man den SAMURAI PIZZA CATS AOR-Track mit feinen Core-Vibes, ein richtig guter Song, der die Laune hebt und die cleane Stimme von Sebastian hervorhebt. ‘Thanks for Playing’ ist noch nicht das Ende, denn am Ende explodiert die Ente, oder wie war das? Auf alle Fälle haben die Jungs noch eine andere Version von ‘Pizza Homicide’ für euch, und zwar die ‘STVW Version’, in der es einen bunten Mix aus Core, Uffz Uffz und anderen Einflüssen gibt – also genau das Katzenchaos, das man mag, wenn man die SAMURAI PIZZA CATS auflegt.

So, im Fazit kommt der Katzenjammer, denn eigentlich mag ich meinen Metal und Deathcore ganz puristisch. Mit den Rap-, Techno- und Electro-Vibes kann man mich normalerweise jagen, und jetzt kommt das große ABER:

“Press Start” ist definitiv noch ausgeflippter als “You’re Hellcome” und hat einen wesentlich höheren Grad an “Zeugs, das im Genre nichts zu suchen hat” am Start. Würde man einen “True as Steel”-Verfechter damit konfrontieren, er würde wohl in eine Art Schutz-Ohnmacht fallen. Auch auf die Gefahr hin, nie wieder ein OSDM-Album besprechen zu dürfen, sage ich, dass “Press Start” genau das ausgeflippte Album ist, das der Gesellschaft fehlt. Die 30 Minuten sind pure Ablenkung vom Alltag, vom tristen Dasein und der Ernsthaftigkeit, die anno 2026 herrschen. Das hier geht raus an alle “Verrückten” als Einladung, zusammen mit den SAMURAI PIZZA CATS verrückt zu sein und den Panzer der Schwermut fallen zu lassen. Für Fans der Band der Höhepunkt des jungen Jahres: “Press Start” bockt hart.

Tobi Stahl vergibt 8,5 von 10 Punkten