MYRATH – WILDERNESS OF MIRRORS

MYRATH

Titel: WILDERNESS OF MIRRORS

Label: earMusic

Spieldauer: 46:52 Minuten

VÖ: 27. März 2026

Nach ihrem Best-Of-Album “Reflections” (2025) und dem davor veröffentlichten sechsten Studiodreher “Karma” (2024) ist die französisch-tunesische Progressive-Metal-Band MYRATH zurück und hat mit “Wilderness Of Mirrors” Studioalbum #7 dabei, von dem sie u.a. auch schon die sehr starke Single ‘Until The End’ vorab veröffentlichten – ein klanggewaltiges Duett mit Elize Ryd von AMARANTHE, das auf der Grenze zwischen Wahrheit und Illusion wandelt und bei dem orientalische Melodien auf bombastische Metal-Riffs treffen, getragen von mitreißenden Gesangsharmonien und einer spürbaren emotionalen Tiefe. Das Line-up der erfolgreichen Band besteht aus Zaher Zorgati (Lead Vocals), Malek Ben Arbia (Gitarre), Kevin Codfert (Keyboards, Backing Vocals), Anis Jouini (Bass) und Morgan Berthet alias Myror (Drums). Gemeinsam erschaffen sie ihren unverwechselbaren Sound – einen kraftvollen Mix aus Power- und Progressive-Metal, veredelt mit orientalischen Vibes, ganz nach Art des Hauses.

Alle Songs wurden von MYRATH komponiert, mit Ausnahme von ‘Edge of the Night’ (Radhi Chaouali & MYRATH). Die Texte stammen überwiegend von Kevin Codfert und Zaher Zorgati. Zahlreiche Gastmusiker – von zusätzlichen Gitarren über Chorarrangements bis hin zu Saz und Qraqeb – sorgen für weitere Klangfarben auf und in “Wilderness Of Mirrors”. Die Backing Vocals stammen von Kevin Codfert und Zaher Zorgati, während die Violinen- und Bratschensektion vom Myrath Orchestra übernommen wurde. Die akustischen Gitarren wurden von Charly Sahona eingespielt. Für die Arrangements zeichnet sich Kevin Codfert verantwortlich, wobei er bei ‘Edge of the Night’ gemeinsam mit Radhi Chaouali arbeitete. Das gesamte Album wurde von Kevin Codfert aufgenommen, technisch betreut und produziert. Die Schlagzeug- und Gesangsaufnahmen fanden unter der Regie von Mastermind Jacob Hansen in den Hansen Studios statt, wo das Werk anschließend auch von ihm gemischt und gemastert wurde.

Steigen wir ein in “Wilderness Of Mirrors” – ich bin gespannt, ob das Album den über die Jahre gewachsenen, vielfältigen Sound von MYRATH entsprechend auch in seiner DNA zeigt und wie die französisch-tunesischen Musiker 2026 performen.

Orientalisch beginnen MYRATH in ‘The Funeral’, das Intro klingt fast wie ein zauberhafter “Disneytrack”, geht dann in groovige und rockigere Gefilde über, den positiven Grundton beibehaltend, und das, obwohl es in diesem Lied um den Verlust eines geliebten Menschen geht. Mit Elize Ryd und dem angesprochenen ‘Until The End’ geht es weiter, ein Lied, das wahrlich wunderschöne Melodiebögen hat, erzeugt von Streichinstrumenten über E-Gitarren, Schlagzeug und Bass, das alles umschmeichelt von den “zarten” Vocals der AMARANTHE-Sängerin und der etwas raueren Stimme von Zaher. Klangvoll, eingängig und tanzbar ist auch der Gute-Laune-Song ‘Breathing Near the Roar’. ‘Les Enfants Du Soleil’ eröffnet mit wunderbaren Gesängen eines Kinderchores (Glanum Rock School), danach gehen MYRATH treibender und drückender zur Sache, servieren tolle Gitarrenklänge und Momente, in denen man gerne die Pommesgabeln in die Luft heben kann. Zum Ende wird das Lied raumgreifender bis zu seinem leisen Ausklang, bei dem die wunderbaren Kinderstimmen erneut zu hören sind. Zum Start von ‘Still the Dawn Will Come’ wackelt ob der tollen Rhythmen sicher die ein oder andere Hüfte, im weiteren Verlauf werden das wohl eher die Köpfe übernehmen, denn ‘Still the Dawn Will Come’ wird zu einem Modern-Metal-Track, der mit wuchtigen Bässen und ebenso tollen Gitarrensoli aufwartet. Hymnisch klingt ‘The Clown’, traurig ist der lyrische Aspekt des Liedes, der die Hingabe eines Clowns für das Publikum als Mittelpunkt seines Lebens hat und abseits der Manege ein trauriger Mann ist. Inmitten des Liedes haben MYRATH eine leidenschaftliche Gesangspassage gelegt, die dem Lied mehr Dramatik und Tiefgang verleiht – Gänsehaut garantiert. Gefühlvoll und tiefgängig ist auch ‘Soul of My Soul’, die Stimme von Zaher ist so klar und klingt einfach verdammt stark in dieser Ballade, die auch von den tollen Chören und dem Klavier lebt, das am Ende erklingt. Orientalischer als in ‘Edge of the Night’, bei dem Radhi Chaouali (Violins & Qraqeb) mit MYRATH die Musik geschrieben hat, wird es auf “Wilderness Of Mirrors” nicht mehr. ‘Echoes of the Fallen’ gibt sich im Refrain direkt und knackig, während die Strophen ganz nach Art des Hauses geraten sind. Im finalen ‘Through the Seasons’ spielt Fehmi Mbarki das Saz (Langhalslaute, die vom Balkan bis Afghanistan verbreitet ist). Wir bekommen erneut einen groovigen Metal-Song mit Prog-Vibes, der sowohl zum Mitsingen als auch zum dynamischen Mitrocken einlädt.

MYRATH muss man fühlen, darf man fühlen – “Wilderness Of Mirrors” ist Musik zum Tanzen, Träumen und Verweilen, und genau so präsentiert sich auch dieses siebte Studioalbum. Die Tunesier zeigen ihren über die Jahre gewachsenen Sound in voller Pracht, mit gefühlt noch mehr orientalischen Anteilen als auf “Karma”, die sie sehr präsent in den Vordergrund stellen. Dazu kommen diese druckvollen Rockmomente, die dem Proganteil immer wieder die Schwere nehmen und das Ganze herrlich lebendig machen. Wie gewohnt bewegen sich die Gesänge auf einem tollen bis überragenden Niveau, die Melodiebögen setzen sich sofort fest und tragen die Songs. Wirkliche Kritik? Fehlanzeige. MYRATH klingen ausgewogen, selbstbewusst und genau deshalb so besonders – normalen Rock kann jeder zocken, MYRATH liebt man wegen der Wurzeln, die in Tunesien liegen, und genau das macht “Wilderness Of Mirrors” zu einem musikalischen Wirbelwind aus orientalischer Magie, druckvollen Riffs und großen Melodien, die den Hörer tragen.

Tobi Stahl vergibt 9 von 10 Punkten