FILTH IS ETERNAL
Titel: IMPOSSIBLE WORLD
Label: MNRKheavy
Spieldauer: 29:50 Minuten
VÖ: 17. März 2026
FILTH IS ETERNAL sind eine Post-Hardcore-/Grunge-Band aus Seattle/USA und bei MNRK unter Vertrag. Ihr Sound verbindet die “voll in die Fresse” Vibes des Hardcore-Punk mit schweren, düsteren Gitarren und dem rauen Erbe des lokalen Undergrounds, während ihre Shows weniger wie klassische Konzerte funktionieren, sondern wie körperliche Entladungen in kleinen DIY-Läden, auf durchgetretenen Böden und ohne Distanz zwischen Band und Publikum – laut, chaotisch und mit einem klaren Gemeinschaftsgedanken. Am 17. März 2026 veröffentlichen sie ihr neues Album “Impossible World”, über das wir heute reden. Mit “Impossible World” schlagen FILTH IS ETERNAL das nächste Kapitel nach “Find Out” (2023) auf – jener 28-minütigen Abrissbirne, die der #filthfam mit ihrem Mix aus Grunge, Hardcore und Sludge kaum Luft zum Atmen ließ. Der Neustart von 2020 wirkt weiter nach: Lis DiAngelo (Gesang), Brian McClelland (Gitarre), Logan Miller (Bass) und Josh Pehrson (Schlagzeug) halten an der Energie als Kern fest, rücken die neuen Songs in ihre eigene Gegenwart zwischen Tech-Boom, Gentrifizierung und bröckelnden Szenestrukturen und erweitern den Sound zugleich um mehr Gesang, Harmonien und kollektiv entwickelte Stücke wie ‘Long Way’, während ‘Acetylene’ das Lebensgefühl einer Stadt im permanenten Wandel aufgreift.
Wie sich all das im Detail äußert, hören wir uns in “Impossible World” an, schnallt euch einen Sicherheitsgurt um, wir starten jetzt mit dem Opener ‘Stay Melted’ ins Album. Die zweieinhalb-Minuten-Nummer dreht sich um Heuchelei, die dem Aufstieg des Christofaschismus in den USA zugrunde liegt. ‘Stay Melted’ legt deftig los und knackig nach, genauso wie ‘Long Way’, das FIE gemeinsam aus einem einzigen Riff entwickelten und das der Premierensong mit dem selbstgebauten FILTH EQ+ ist. Das FILTH EQ+ ist ein von der Band selbst entwickeltes Pedal, das zu einem zentralen Bestandteil der klanglichen Ausrichtung des Albums geworden ist.
Über die Single ‘Long Way’ verrät Lis DiAngelo:
Wir leben in einer Zeit, die von Konsumkultur geprägt ist; wir sind hyperfokussiert auf Erwerb und Konsum als Mittel zum Glück. In ‘Long Way’ geht es darum, uns selbst inmitten dieser Kultur wiederzufinden und dann unseren Weg hinaus zu finden.
Wuchtig mit richtig eindrucksvollen Gitarren und geilen Grunge-Momenten feuert ‘Hellfire’ aus den Boxen, genauso geht es in ‘Acetylene’ zur Sache, ein Lied, dessen Riffs inspiriert wurden von Spaziergängen im Morgengrauen durch Seattle und dem Gefühl einer Stadt im unaufhaltsamen Wandel durch Tech-Boom und Gentrifizierung. Im Song steht Seattle auch für zerfallende Szenestrukturen und belastete Beziehungen (“whole scene’s burning in the street”). Mit jeder Menge Punk-Waves kommen ‘Weather & Rose’ und ‘Desire’ (mit Gastgitarristin Gina Gleason von BARONESS) um die Ecke und laden zum Surfen ein. Im härtesten und kürzesten Vorschlaghammer ‘Total War’, der trotz aller Härte melodisch bleibt und absolut moshbar ist, geht es um Klassenkampf und “Gewalt als Fürsorge”, mit Gastperformance von Sänger Johnny Whitney (BLOOD BROTHERS). Nach ‘Bad Faith’ ist ‘Outbreak’ ein weiterer, mit mächtig Druck beladener Song, und bevor ‘So Below’ mit Joe Trohman von FALL OUT BOY durchstartet, hört man, passend zu den PS des Liedes, einen Motor starten. ‘Slipstream’ hat ein paar SANHEDRIN-Vibes, aber wirklich nur minimal, denn hier gibt es ebenfalls die gewohnt fokussierte FIE-Energie auf die Mappe. ‘Skorpio’ ist der zwölfte und finale Track von “Impossible World” und beschließt es mit einer gewissen Hoffnung und einer weiteren erstklassigen Gesangsleistung.
Die #filthfam darf sich auf knapp 30 Minuten und zwölf Tracks freuen, in denen FILTH IS ETERNAL ein Paket aus fetten Abrissbirnen schnüren, das zündet und Kante hat. Der Gesang von Grunge-Röhre Lis DiAngelo ist dabei einmal mehr absolute Klasse – wütend, melodisch und mit genau dem richtigen Maß an Dreck –, während die Instrumentalfraktion dem Hörer ein Riff nach dem anderen um die Ohren feuert, die Drums am Anschlag agieren und der Bass mit voller Wucht einschlägt. Zwischen Moshparts, Grunge-Schwere und Hardcore-Drive zeigen die Songs nicht nur Härte, sie sind auch catchy und fressen sich ins Ohr. ‘Stay Melted’, ‘Desire’ und ‘Hellfire’ sind derzeit meine Favs, während ‘Skorpio’ als starker Abschluss noch einmal die starke Albumleistung unterstreicht. Wer also auf energiegeladene, kompakte und tiefgründige Bands steht, ist bei FILTH IS ETERNAL genau richtig. Wer ohnehin Fan der Kapelle ist, der freut sich auf die Platte, dreht “Impossible World” laut auf und lässt auch den Nachbarn an seiner Freude teilhaben – ob er will oder nicht.
Tobi Stahl vergibt 8 von 10 Punkten


