WALDRUINE
Titel: NACHTMEERFAHRTEN
Label: Fetzner Death Records
Spieldauer: 49:32 Minuten
VÖ: 15. Februar 2026
Mit “Nachtmeerfahrten” legen Waldruine ihr Debütalbum vor, das 2024 erstmals erschienen ist und nun als Tape über Fetzner Death Records eine neue, kultige Underground-Oldschool-Auflage erhält – und das limitiert auf 200 MCs. Gegründet zur Wintersonnenwende 2021 in Niedersachsen, hat sich das Duo um Gitarristin N. N. Libra und Sänger/Bassist Chr. ganz dem traditionellen, okkult durchzogenen Black Metal verschrieben und verzichtet auf moderne Spielereien. Stattdessen regieren schneidende Riffs, frostige Atmosphäre und eine durchgehend finstere Grundstimmung, die sich wie ein kalter Hauch des Fährmannes durch die neun Songs zieht, die sich rund 50 Minuten Spielzeit teilen. Dass sämtliche Stücke in Eigenregie geschrieben, gemischt und gemastert wurden, unterstreicht den kompromisslos erdigen DIY-Geist, der “Nachtmeerfahrten” auszeichnet und tief im Schwarzmetall-Untergrund verwurzelt ist. Hören wir rein – natürlich alles Oldschool mit Kassettenrecorder und Tape – nebst einem Bleistift, ihr wisst schon.
Los geht es mit dem Intro ‘Initiation: Einmarsch’, bei dem Krähen und sakrale Orgelspielereien zu hören sind, danach geht’s mit ‘Totenkopf-Matrix’ los – räudig, madig, verrottet und eiskalt schrammelt der WALDRUINE-Sound aus den Boxen. Die krächzenden Vocals, untermalt von creepy Geflüster, bringen Stimmung ins Geschehen. ‘Das Gesetz des Trapezoeders: Die elektrischen Vorspiele’ bringt ein bisschen Atmosphäre und Melodik ins dunkeldüstere Schwarzmetall, ‘Todes-Fluch: Neidstange’ sowie ‘Septem Passus Draconis Magni: V.I.T.R.I.O.L.’ schwimmen in ähnlich okkultem Gewässer, und die Jungs bringen sogar lateinische Vocals ins Spiel – keine Ahnung, ob das Beschwörungen sind und gleich der Leibhaftige neben mir steht, mein Latein ist nicht vorhanden. ‘Septem Passus Draconis Magni: V.I.T.R.I.O.L.’ schließt Seite A ab – Kassette drehen und weiter in die Tiefen des WALDRUINE Black Metal tauchen ist jetzt angesagt. ‘Das kriechende Chaos’ ist im Gegensatz zu den Tracks auf Seite A allgemeinverträglicher, weil verständlicher, nicht ganz so räudig ins Mikro gekrächzt, das Tempo stark gedrosselt und insgesamt atmosphärischer. Mit lateinischen Lyrics geht es in ‘Ubique Diabolus’ weiter – und das im gewohnten WALDRUINE-Tempo inklusive Passagen zum Matte-Schütteln. Nach ‘Daimon Vortex’ ist ‘Epilog: Eschaton Ritus’ der Schlusspunkt von “Nachtmeerfahrten”.
“Nachtmeerfahrten” ist ein tief im Untergrund verwurzeltes Debüt, das sich kompromisslos an die alte Schwarzmetall-Lehre klammert und genau daraus seine Stärke zieht. Waldruine liefern keine glattpolierte Wohlfühlkost, sondern ein räudiges, okkult aufgeladenes Tape, das mit frostiger Atmosphäre, eigenwilligen Sounddetails und spürbarem DIY-Geist punktet. Die Mischung aus schrammelnder Rohheit, sakralen Momenten und den immer wieder eingestreuten Samples macht das Album für eingefleischte Black-Metal-Puristen zu einer spannenden Reise durch dunkle, ritualhafte Klanglandschaften. Der bewusst sperrige, teilweise anstrengende Grundsound dürfte Gelegenheits-Hörer zwar fordern, gehört aber genau zu diesem Konzept und unterstreicht den kultigen Tape-Charakter. Wer traditionellen, unverfälschten Black Metal mit okkulter Aura und Underground-Attitüde sucht, findet hier ein ungewöhnliches und stimmungsvolles Werk – nichts für nebenbei, sondern für Nächte, in denen der Fährmann schon wartet.
Tobi Stahl vergibt 7 von 10 Punkten


