DEFACING GOD
Titel: DARKNESS IS MY CROWN
Label: Apostasy Records
Spieldauer: 38:35 Minuten
VÖ: 27. März 2026
Aus Dänemark kommen DEFACING GOD, eine Band, die im Black, Symphonic, Gothic und Death Metal zu Hause ist – damit dürften die vielseitigen Einflüsse des Quintetts aus Aalborg abgedeckt sein. Wer jetzt an einen chaotischen Genremix denkt und sich fragt, ob das alles so zusammenpasst, dem kann ich als Spoiler die bisher veröffentlichten Singles ‘Transition’ sowie ‘Your Presence Lingers Here’ und das Debütalbum “The Resurrection of Lilith” empfehlen. Jenes kraftvolle Debütalbum, das skandinavische Extreme-Metal-Traditionen mit moderner Härte und düsterer Atmosphäre verbindet, wurde 2022 bei Napalm Records veröffentlicht. Wir behandeln heute den Nachfolger “Darkness Is My Crown”, der am 27. März 2026 über das deutsche Underground-Label Apostasy Records erscheinen wird – aber beginnen von vorne, dort, wo alles für DEFACING GOD begann. Gegründet wurde das Abrisskommando 2015 von Sängerin Sandie “The Lilith” Gjørtz und Schlagzeuger Michael Olsson. Die beiden erschufen ein zum Teil pechschwarzes Universum, in dessen Zentrum der Mythos um den weiblichen Dämon Lilith steht. Lilith, die man in der Popkultur unter anderem aus der Serie Supernatural oder dem Videospiel Diablo kennt, ist eine ziemlich “vielseitige” mythologische Figur mit Ursprüngen in Mesopotamien und ist in der jüdischen Tradition als Adams erste, rebellische Frau und mächtige Dämonin bekannt und gefürchtet. Sie verkörpert das dunkle, verführerische Weibliche, ist als “Mutter aller Dämonen” bekannt (in Diablo auch “Mutter des Hasses” und in Supernatural als mordende Dämonin) und wird heute oft als feministische Ikone der Emanzipation umgedeutet.
Während sich DEFACING GOD in “The Resurrection of Lilith” Themen wie Mythologie, Okkultismus, weiblicher Stärke und Widerstand annahmen, gehen die Dänen auf “Darkness Is My Crown” in eine andere Richtung. Man widmet sich Dingen wie inneren Konflikten, Verlust und Selbstfindung. War man beim Debütalbum noch mehr im Melo Death verortet, wird das Zweitwerk im Blackened Death Metal gesehen und kommt mit dichterer, düstererer Atmosphäre, Groove, Dynamik und emotionaler Wirkung. Ich bin der Ansicht, dass man beide Alben gut und gerne in die obige Beschreibung einfassen kann – aber was sind schon Genreschubladen? Was am Ende zählt, ist, ob es ballert, und das tat “The Resurrection of Lilith” auf alle Fälle.
Infokasten:
“Darkness Is My Crown” erscheint als digitales Album für Streaming und Download, als Digipak-CD mit digitalem Album sowie in mehreren Vinyl-Editionen: strictly limited Red Gold Corona Vinyl, limited Black Vinyl und limited Pearl Flip/Horizon Vinyl, jeweils inklusive digitalem Album. Zusätzlich ist eine strictly limited Black Cassette erhältlich, ebenfalls mit digitalem Album.
Für “The Resurrection of Lilith” arbeiteten DEFACING GOD mit Jacob Hansen, für “Darkness Is My Crown” gingen sie für Mix und Master zu Tue Madsen (Antfarm Studios), um von ihm den finalen Schliff für ihr bislang persönlichstes und intensivstes Album zu erhalten. Ich bin sehr gespannt, was die dänischen Extreme-Metal-Visionäre um ihre Sängerin Sandie “The Lilith” Gjørtz, Drummer Michael Olsson, Bassist Rasmus “Kalke” Munch Nielsen, Rhythmusgitarrist Christian Snapholt Nielsen und Leadgitarrist Jakob Batten auf und mit “Darkness Is My Crown” servieren – los geht’s.
Mit ‘Nocturnal Vestige’ startet die Platte in tiefschwarz gefärbter Härte, ohne den melodisch-beschwörerischen Part zu vernachlässigen – der Kontrast von deftigen Growls und Clear Vocals ist ebenso stimmungsfördernd, und so zieht ‘Nocturnal Vestige’ den Hörer lyrisch wie musikalisch ins Dunkel, ein Auftakt nach Maß. Mit Schlagzeugdauerfeuer, fetten Riffs und dezenter Symphonic ist ‘Malediction Manor’ ausgestattet, ein trotz aller Härte emotionaler Song über ein “Sünderdorf”, in dem Wunden nie heilen – Gänsehautalarm auf “Darkness Is My Crown”. ‘It Comes at Night’ nimmt phasenweise das Tempo raus, die symphonischen Untermalungen sind etwas präsenter, steigern die “Bosheit” in der Stimme von Sandie “The Lilith” und verleihen ihrer Wut einen noch finsteren Touch. Creepier können die Glöckchen nie klingen als zu Beginn des wuchtigen Nackenbrechers ‘I See Shadows’, der jedoch zunehmend bedrückender wird, und wenn es euer Kopfkino zulässt, werden auch eure Monster vor euren Augen tanzen. Rasend, tollwütig und infernalisch knallt euch ‘Nefarious Enclave’ weg, in ‘Hymns of the Memoir’ kriechen euch rasselnde Ketten unter die Haut, die Vocals schrammen euch durch eure Eingeweide, und wer weiß – vielleicht steht ja im Verlauf doch ein beschworener Dämon neben euch. Der intensiv-infernalische Auftakt der zweiten Halbzeit hat alles für euer Horrorkopfkino. Danach folgt ‘There Is No Light’, ein weiteres Highlight, diesmal mit noch mehr symphonischen und melodischen Dynamiken ausgestattet und einfach eine geile Nummer. Bis hierhin erinnert mich Sandies Voice ab und zu an die dämonischen Stimmen aus “Evil Dead” – was ich brutal gut finde. Auch in ‘Your Presence Lingers Here’ ist das der Fall.
Über den Hintergrund von ‘Your Presence Lingers Here’ sagt Sandie The Lilith: Dieser Song trifft anders und bedeutet mir alles. Ich habe die Lyrics an einem grauen Tag mit schwerem Herzen geschrieben, als mein Dad noch lebte, aber krank war. Ich wusste, dass die Uhr tickte, obwohl er wegen der Krankheit erst 52 Jahre alt war. Er hat den Song noch hören können, bevor er starb, und er war stolz. Der Song beschreibt unsere tiefe, aber auch komplexe Beziehung, die trotz vieler dunkler Zeiten durch eine starke Liebe und eine Seelenverwandtschaft zusammengehalten wurde. Ich vermisse unsere guten Gespräche und seine Präsenz jeden Tag, aber ich ehre ihn durch Metal – das war seine Kraft im Leben und eine Leidenschaft, die wir geteilt haben. Ruhe in Frieden, Dad.
Ohne großen Spoiler kann ich euch verraten, dass “Darkness Is My Crown” mit ‘Transition’ und ‘The Last Revelation’ genauso stark endet, wie es begonnen hat, und euch unbemerkt die schwärzliche Krone in die Seele gedrückt hat. Lyrisch und musikalisch zieht sich die Dunkelheit wie ein blutroter Faden durch die zehn Songs – ein Konzept, das nicht nur im Titel angekündigt wird, sondern mit bemerkenswerter Konsequenz und Intensität auch umgesetzt wird. Die verschiedenen Facetten dieser Finsternis erscheinen in immer anderen Schattierungen, die Tracks sind stellenweise cineastisch, wodurch im direkten Vergleich zum Debüt eine deutliche Weiterentwicklung hörbar wird. Das alles macht “Darkness Is My Crown” zu einem intensiven Album, das Blackened Death Metal mit symphonischer Düsternis, okkulter Atmosphäre und emotionaler Tiefe verbindet.
Tobi Stahl vergibt 9 von 10 Punkten


