NEVERLAND TRAIN – ALIVE IN HELL

NEVERLAND TRAIN

Titel: ALIVE IN HELL

Label: El Puerto Records

Spieldauer: 67:20 Minuten

VÖ: 27. März 2026

NEVERLAND TRAIN ist das Band-Projekt von Jens Faber, der vielen Melodic-Metal-Fans als Kopf von DAWN OF DESTINY bekannt sein dürfte, und widmet sich mit “Alive In Hell” dem Sound von Jim Steinman, jenem Songwriter und Produzenten, der mit Meat Loaf, Bonnie Tyler oder Fire Inc. Musikgeschichte schrieb. Bereits mit “Legions Of The Night” setzte Faber einem seiner musikalischen Helden – SAVATAGE – ein Denkmal, nun folgt die nächste Herzensangelegenheit des Künstlers. Unterstützt wird er dabei von Marco Pastorino (TEMPERANCE, FALLEN SANCTUARY), der die Lead-Vocals übernimmt, sowie von Patrick Klose (u. a. IRON SAVIOR) am Schlagzeug, sodass hier erfahrene Musiker am Werk sind, die wissen, wie man kraftvollen, melodischen Rock zimmert. Wer wissen möchte, welcher Mucker welche Aufgabe hat, für den haben wir hier das Line-up inklusive Gastmusikerinnen:

Das Line-up von NEVERLAND TRAIN besteht aus Marco Pastorino (Lead- und Backing-Vocals), Jens Faber (Backing-Vocals, Gitarren, Bass, Piano, Keyboards) sowie Patrick Klose (Schlagzeug); als Gäste sind auf ‘Tonight Is What It Means To Be Young’ zudem Jeanette Scherff und Aeva Maurelle zu hören. Sämtliches Songwriting auf “Alive In Hell” stammt aus der Feder von Jens Faber; einzig ‘Tonight Is What It Means To Be Young’ wurde im Original von Jim Steinman geschrieben.

Mit Pianoklängen starten wir ins Album, und was sich so nach Neustart und Aufbruch anhört, ist der Song ‘End Of The Night’ – schön, wenn die Klänge so treffend zum Namen des Liedes passen. Der positive Grundton bleibt über die gesamte Strecke von siebeneinhalb Minuten erhalten, und die genannten Meat Loaf und Bonnie Tyler passen; Fans jener Künstler werden sich ab Minute eins wohlfühlen – und das über die komplette Spielzeit des Albums, so viel Spoiler darf sein. Treibender gehen NEVERLAND TRAIN in ‘Not Alone’ zu Werke, die großen Gesänge werden mit großen Melodien gestützt, man hat die Künstler fast vor Augen, wie sie auf der Bühne mit großen Gesten das Gehörte unterstreichen. ‘Still Alive’ gibt sich kämpferisch und hat teilweise hohes Tempo, sodass sich auch Headbanger freuen dürfen, während Fans des gepflegten Schmachtfetzens die Nummer ‘So Far Away’ lieben werden.

‘Somewhere In This Universe’ reißt mich tempomäßig mit, die Chöre klingen imposant, der Gesang ist wie gehabt hochklassig, und die Geschwindigkeit begeistert – in manchen Passagen denke ich auch an QUEEN, die eventuell unterbewusst ihre Aktien im Song haben. ‘Learn To Live’ kommt mit weniger “Licht” aus den Boxen und ist ein bisschen getragener. Wenn man den Song mit den Vorgängern vergleicht, könnte man fast schon von einem Lied sprechen, das mit einer gewissen Düsternis ausgestattet ist. Auch die Vocals sind nicht mehr ganz so clean, es liegt eine gewisse Schwere und Sehnsucht auf der Stimme des Sängers. ‘Pride’ kommt mit einer Menge Rock’n’Roll-Vibes aus den Boxen, der Song ist definitiv tanzbar, könnte vielleicht sogar aus der damaligen Rock’n’Roll-Ära kommen – let’s rock! ‘Ignorance’ eröffnet mit Piano und klagendem Gesang, steigert sich über seine Laufzeit von mehr als sechs Minuten kontinuierlich und gewinnt in der zweiten Hälfte zwar an Tempo, bleibt jedoch insgesamt im getragenen Bereich verankert. Mit ‘Better’ wird es dann spürbar direkter: Synthesizer leiten das Stück ein, bevor kräftige Gitarren und präsente Drums das Geschehen beherrschen und das Tempo im Verlauf deutlich anziehen – das starke Gitarrensolo am Ende dürfte dabei nicht nur Luftgitarristen auf den Plan rufen. ‘In Heaven Now’ präsentiert sich als fast siebenminütige Ballade, die ganz auf Atmosphäre und Emotion setzt, während ‘Tonight Is What It Means To Be Young’ mit den Gastbeiträgen von Jeanette Scherff und Aeva Maurelle eine zusätzliche stimmliche Facette erhält, sich langsam aufbaut, chorale Unterstützung erfährt und in ein wuchtiges, wenn auch nie wirklich druckvolles Finale mündet.

“Alive In Hell” ist ein Liebhaberprojekt, das den bombastischen, melodramatischen Rock konsequent zelebriert und handwerklich auf einem hohen Niveau umgesetzt wurde. Die Wucht ist vorhanden, die Arrangements sind groß und detailreich, dennoch fehlt mir persönlich stellenweise der letzte Tick an Drive, Kante und unmittelbarem Druck, der Rock wirklich zwingend macht. Wer sich nach großen Gesten, Pathos und Musical-Atmosphäre sehnt, wird hier bestens bedient werden; wer es rauer, direkter und ungeschliffener mag, dürfte sich hingegen schwerer tun.

Tobi Stahl vergibt 8 von 10 Punkten