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WORM – Mit “Necropalace” ins Dunkel

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Seit ihrer Gründung im Jahr 2012 haben sich WORM mit ihrer unverwechselbaren Mischung aus Black, Death und Doom Metal einen festen Platz in den dunkleren Gefilden des Extreme Metal erarbeitet. Nach Demos, EPs und drei Full-Length-Alben steht nun ihr viertes Album “Necropalace” bereit, entfesselt zu werden – ein Werk, das sowohl konzeptionell als auch musikalisch neue Tiefen auslotet. Zeit für ein Gespräch mit Phantom Slaughter und Wroth Septentrion über “Necropalace”, seine Entstehung und die aktuelle Phase von WORM.

Tobias:
Zunächst einmal möchte ich euch ein frohes neues Jahr wünschen – vor allem Gesundheit, Energie und Inspiration für alles, was 2026 bereithält. Ich denke, das gilt noch bis Mitte Februar. Wie habt ihr das neue Jahr begonnen?

Wroth:
Ich betreibe hier in Québec, Kanada, ein kleines Label, und für mich war es ein geschäftiger Start ins Jahr. Natürlich stecken wir auch mitten in der Planung der Logistik für unsere kommenden WORM-Touren in diesem Jahr und darüber hinaus. Die Dinge sehen gut aus.

Tobias:
“Necropalace” ist aus meiner Sicht ein absolutes Ausnahmealbum und klar im oberen Bewertungsbereich angesiedelt. Wie nehmt ihr die bisherigen Reaktionen wahr, und seid ihr zufrieden mit dem Feedback aus der Szene, der Presse und eurer Fanbasis?

Wroth:
Die Black-Metal-Fanbasis der Band liebt es. Die Death-Metal-Fanbasis der Band mag es nicht. Keine Überraschung. Insgesamt bin ich zufrieden.

Tobias:
Abseits der weiteren Entwicklung eures “Necromantic Black Doom”: Was war eure Hauptambition für “Necropalace”, und was können eure Fans von dem Album erwarten?

Wroth:
Wir wollten mit diesem Album ein cineastisches Erlebnis erschaffen, statt nur eine Sammlung von Songs.

Tobias:
In den Albuminformationen werden WORM als Viererbesetzung mit Phantom Slaughter, Wroth Septentrion, Necreon und CK geführt. Wie ist euer interner Arbeitsprozess organisiert? Entsteht das Songwriting hauptsächlich im Kernteam um Phantom und Wroth, während die komplette Band speziell für die Aufnahmen zusammenkommt?

Wroth:
Phantom und ich haben die Songs auf “Necropalace” gemeinsam geschrieben. Später habe ich die Bass- und Drum-Parts für unseren Session-Bassisten und -Drummer ausgearbeitet, die diese dann im Studio eingespielt haben. Die Songs waren komplett im Voraus ausgearbeitet, daher war dieser Prozess tatsächlich recht einfach.

Tobias:
Wer ist hauptsächlich für das Songwriting innerhalb von WORM verantwortlich, und wie stark bringt jeder von euch seine Ideen in den kreativen Prozess ein?

Phantom:
Bis zu diesem Punkt war ich der Hauptsongwriter, aber “Necropalace” markiert das erste Mal, dass es zu 100 % eine Zusammenarbeit war. Wroth und ich haben den gesamten Inhalt des Albums gleichmäßig aufgeteilt. Für mich ist es auf diese Weise stärker.

Tobias:
Kannst du uns tiefer in die Geschichte und die dunkle Welt von “Necropalace” mitnehmen? Gibt es vielleicht Nebenhandlungen, die es nicht direkt in die Songs geschafft haben?

Phantom:
Das vampirische Konzept stammt hauptsächlich aus dem Tabletop-Spiel Ravenloft aus den 1990ern. Mit dieser Grundlage aus gothic Fantasy war es leicht, der Fantasie freien Lauf zu lassen. “Necropalace” lädt dich in das verfluchte Reich von Graf Nightfang und die zeitlose Festung ein, in der er haust. Die Tracks führen dich immer tiefer in die Krypten und Katakomben des Schlosses.

Tobias:
Du hast erwähnt, dass Horrorfilme der 1980er- und 1990er-Jahre eine große Inspirationsquelle sind. Welche Filme, Regisseure oder Ästhetiken hatten den stärksten Einfluss auf Sound und Atmosphäre von “Necropalace”?

Phantom:
“Requiem for a Vampire”, “Fascination”, “Shiver of the Vampires”, “Two Vampire Orphans”, alle von Jean Rollin. Außerdem “Subspecies”, “Vampire Journals” von Ted Nicolaou und natürlich Coppolas Dracula.

Tobias:
Wie früh war die stilistische Ausrichtung von “Necropalace” definiert, und wächst eure vielschichtige Mischung aus Black, Death, Doom, Goth sowie neoklassischen und barocken Elementen eher organisch, oder folgt sie einem klaren konzeptionellen Rahmen?

Wroth:
“Bluenothing” war der Punkt, an dem dieser Wandel stattfand, insbesondere der Song ‘Shadowside Kingdom’. Dieser Song war unser Versuchskaninchen. Die Songs auf “Starpath” halfen uns, diese Formel weiter zu erproben, indem wir sie live gespielt haben. Mit “Necropalace” sind wir dann voll in diese Richtung gegangen und haben bestimmte Elemente korrigiert, die diesen Sound zuvor live schwer umsetzbar gemacht haben. Dass wir mehr Zeit hatten, diese Ideen auszubauen und ausgefeiltere, zusammenhängende Kompositionen zu schaffen, hat enorm geholfen. Wir haben darauf geachtet, dass jeder Song ein zentrales, wiederkehrendes Thema hat, und die Riffs so geschrieben, dass sie sich wie eine Fortsetzung dieses Themas anfühlen und nicht wie eine bloße Sammlung von Riffs. Dadurch wirkt der Sound der Band noch stärker klassisch beeinflusst und cineastischer als zuvor.

Tobias:
Die Produktion von “Necropalace” klingt kraftvoll, zugleich organisch und roh. Wie verlief die Zusammenarbeit mit Charlie Koryn sowie Arthur Rizk, und wie wichtig ist euch ein authentischer Sound jenseits von “klinischer” Perfektion?

Wroth:
Ich kenne Charlie seit Jahren, da wir früher gemeinsam bei FUNEBRARUM und VOIDCEREMONY gespielt haben. Wir haben ihn gebeten, auf einem Song von “Bluenothing” zu spielen, und hatten das Gefühl, dass er die richtige Wahl für die Songs auf “Necropalace” ist, da das Album sowohl schnelle Parts als auch langsamere, schwere Beats mit schnellen Bassdrums enthält. Er kann einfach alles. Arthur war tatsächlich nicht unsere erste Wahl für den Mix des Albums. Er hat später einen Testmix für uns gemacht und war der erste, der den Sound getroffen hat, den wir gesucht haben. Der schwierigste Teil war, die richtige Balance zwischen den Synths und den Rhythmusgitarren zu finden. Nachdem wir seinen Testmix gehört hatten, entschieden wir uns für die Zusammenarbeit, und es war eine fantastische Erfahrung.

Tobias:
Mit Marty Friedman habt ihr einen hochkarätigen Gast auf dem finalen Track. Wie kam diese Zusammenarbeit zustande, und welchen konkreten Einfluss hatte er auf “Witchmoon – The Infernal Masquerade”?

Wroth:
Er kannte uns bereits. Als “Bluenothing” erschien, schrieb er uns, um uns zur Veröffentlichung zu gratulieren. Wir waren geschockt. Die Wahrheit ist, dass alle WORM-Songs auf “Necropalace” stark von CACOPHONY und insbesondere von Marty Friedmans Soloalben beeinflusst sind. Seine DNA ist auf dem gesamten Album spürbar, daher ergab es Sinn, ihn für ein Solo-Duell zu fragen.

Tobias:
Wenn ich eure atmosphärischen Videos sehe, verspüre ich sofort den Drang, euch live zu erleben. Können europäische Fans auf Konzerte oder sogar eine Tour hoffen?

Wroth:
Wir haben einige europäische Tourdaten in Planung. Wir brennen darauf, nach unserem Auftritt beim BRUTAL ASSAULT 2024 wieder dorthin zurückzukehren.

Tobias:
Das Cover-Artwork von “Necropalace” ist herausragend und fängt die unheimliche Gesamtstimmung perfekt ein. Wer ist für das Artwork verantwortlich, und wie kam die Zusammenarbeit zustande?

Phantom:
Andreas Marschall hat dieses großartige umlaufende Artwork gemalt. Ich wusste, dass er eine Legende ist, aber als mir klar wurde, dass er “Nexus Polaris” und “Godless Savage Garden” gemalt hatte, war es ein Selbstläufer.

Tobias:
Die Geschichte und das gesamte Konzept hinter “Necropalace” schreien förmlich nach einer visuellen Adaption. Wärt ihr daran interessiert, diese Welt irgendwann in Form einer Kurzgeschichte, eines Comics oder eines Artbooks zu erweitern?

Phantom:
Die Musikvideos, die wir veröffentlicht haben, waren fast wie kurze Filme, die alle miteinander verbunden sind. Das dritte Video zu ‘Witchmoon’ habe ich selbst inszeniert, und das ist etwas, das ich gern weiter für die Band machen würde. Ich hätte Interesse daran, eine Art erweitertes Spielhandbuch zum Album zu erstellen, zusammen mit einer Karte und natürlich noch mehr Bildmaterial.

Tobias:
Wo seht ihr WORM in der Zukunft? Noch tiefer im Horror-Themenbereich, neue stilistische Experimente oder einfach euren eigenen Weg weitergehen, ohne euch durch Genres und Grenzen einzuschränken?

Wroth:
Wo ich die Band in der Zukunft sehe? Auf Bühnen auf der ganzen Welt.

Tobias:
Zum Abschluss: Gibt es etwas über WORM und “Necropalace”, das wir noch nicht angesprochen haben, das euch aber besonders wichtig ist oder euch aktuell beschäftigt?

Phantom:
Du hast so ziemlich alles abgedeckt, vielen Dank!

Tobias:
Möchtet ihr unseren Lesern und euren Fans noch eine letzte Botschaft mit auf den Weg geben? Die letzten Worte gehören euch.

Wroth:
Santé!

Interview: Tobias Stahl
Photocredit: WORM, Doomvana