CLAWFINGER – BEFORE WE ALL DIE

CLAWFINGER

Titel: BEFORE WE ALL DIE

Label: PERCEPTION

Spieldauer: 40:50 Minuten

VÖ: 20. Februar 2026

„Wir sind zurück – nicht um die Welt zu retten, sondern um kompromisslos zu schreien, während sie brennt. Unser neues Album ist ein lauter, wütender und schwarzhumoriger Kommentar zu dem Chaos, das wir aus uns selbst, einander und dem Planeten gemacht haben. Es zeigt uns von unserer brutalsten Ehrlichkeit aus, teils Protest, teils Therapiesitzung und teils Mittelfinger an Apathie und Verleugnung.“

Ja, sie sind zurück, die Crossover Pioniere CLAWFINGER: 18,5 Jahre nach “Life Will Kill You“ steht mit „Before We All Die“ bald endlich wieder ein kompletter Longplayer, das insgesamt achte Studioalbum der schwedisch-norwegischen Rap Metaller, in den Läden.

Klimakollaps, politische Heuchelei und Korruption, doppelte Standards, der gesellschaftliche Zusammenbruch, institutionelle Ignoranz – kein Widerspruch der Moderne, kein sozialer Sprengstoff ist vor der Truppe und ihren neuen Songs sicher.

Musikalisch erwartet uns ein nach wie vor hoch-energetischer Mix aus Gitarrenriffs, Rap/Hip-Hop Vocals, Scratches und diversen Samples, womit die zwölf neuen Nummern für Begeisterung sorgen. `Big Brother´ macht sich über unsere besessene Jagd nach Ruhm und falscher Wirklichkeit lustig, `Environmental Patients´ prangert den menschlichen Egoismus angesichts der drohenden Katastrophe an. Die Prognose fällt erwartbar leider nicht besonders rosig aus.

Stücke wie `A Fucking Disgrace´ und `Ball & Chain´ behandeln aber auch persönlichere Themen, eigene Misserfolge, das Streben nach Perfektion oder die Schwierigkeit, einfach nur über die Runden zu kommen.

Zak Tell rapt, brüllt, spuckt und bellt ehrliche Fragen mit gefletschten Zähnen heraus, begleitet von harten Gitarren und hämmernden Drums. Dabei ist es immer wieder beeindruckend, wie viel Eingängigkeit die Samples, Shouts und Chorusse von Tracks wie `Tear You Down´, `A Fucking Disgrace´ und `Kill The Dream´ trotz aller Wucht und Empörung versprühen.

Allen voran natürlich der entrüstete Opener `Scum´ sowie die packende Vorabsingle `Going Down (Like Titanic)´. Das Schiff geht unter, aber wir feiern weiter oder versuchen verzweifelt unsere Schäfchen ins Trockene zu bringen. Das entspannte, sarkastische `A Perfect Day´ erinnert den Hörer von Sound und Stimmung her dann gar an das chillige `Tag am Meer´ von den Fanta Vier.

Auch wenn ich als langjähriger Fan der Band etwas befangen bin, gibt es wohl keine zwei Meinungen, dass „Before We All Die“ eine intensiv, authentische und ein klein wenig nostalgische, aber vor allem durchweg gelungene Angelegenheit ist. Waren es doch auch und vor allem CLAWFINGER, die mir mit ihrem Debüt “Deaf Dumb Blind“ neben der Grungewelle mit Nirwana, Soundgarden und Pearl Jam und anderen Nu/Rap Metal Acts wie Limp Bizkit, Rage Against The Machine, Dog Eat Dog und Body Count Anfang der 90er den musikalischen Weg zu Metal Acts wie Anthrax, Sepultura oder Pantera eröffnet haben.

CLAWFINGER sind auch im Jahre 2026 eine immer noch wichtige, relevante und kompromisslos ehrliche Truppe, welche die hässliche Wahrheit lautstark und unverblümt herausschreit. Ihre Texte halten uns den Spiegel vor und nehmen kein Blatt vor den Mund, wütend und unmissverständlich, aber auch mit einem Haufen Erfahrung und Reflektion im Hintergrund. Aufgebracht, sarkastisch, kritisch, aber auch persönlich und selbstironisch und ein klein wenig albern wie eh und je – Anklage, Protest und Therapie in einem Abwasch.

Michael Gaspar vergibt 9 von 10 Punkten