Tobias:
Zunächst einmal ein frohes neues Jahr an euch bei DISPYRIA! Ich wünsche euch viel Gesundheit, Erfolg und alles Gute für 2026. Gibt es bei euch bestimmte Neujahrsrituale, oder ist der Jahreswechsel für euch eher ein ruhiger Moment?
Jürgen:
Hi Tobias. Ein gutes und gesundes neues Jahr auch für Dich und Deine Lieben. Der Jahreswechsel ist für mich und meine Frau, inkl. Metalhund Luna (Sturmohr vom Winterfell *lächelt), ruhig und besinnlich und eine Zeit zum Reflektieren.
Tobias:
Jürgen, möchtest du DISPYRIA unseren Leserinnen und Lesern kurz vorstellen?
Jürgen:
Autsch, mit “kurz” tue ich mir immer sehr schwer. Ich würde gerne immer die komplette Story erzählen. Das würde den Rahmen umfänglich mehr als sprengen *lächelt)). DISPYRIA ist ein Projekt von mir, das ich im Jahr 2011 begonnen habe, um meine schweren Depressionen und Lebenskrisen irgendwie in den Griff zu bekommen bzw. damit umzugehen. Für einen Musiker ein wunderbarer Weg. Album 1 (“A Dream Therapy”) und Album 2 (“The Journey to Aelyrea”) waren noch Eigenveröffentlichungen, seit Album 3 (“The Story of Marion Dust”) bin ich bei El Puerto Records. Stilistisch würde ich mich ungern festlegen. Ich schreibe die Songs nach der Story, die ich erfunden habe. Dabei liegt der Fokus 50:50 auf Story/Musik. Meine Musik folgt aber der Story. Dabei füge ich eigentlich den Stil ein, den ich am passendsten finde und der mich emotional am meisten erfasst. Neben den Albumproduktionen gibt es auch ab und zu Auftritte mit meinem Live-Cast (unter anderem auch am 20.02.2026 zum CD-Release-Konzert).
Tobias:
Aus welchen Teilen der Pfalz stammt ihr, und die alles entscheidende Frage: Wein oder Bier?
Jürgen:
Ich und die meisten Musiker aus dem Live-Cast kommen aus Kaiserslautern und Umgebung. Die meisten hier würden Dir mit “Bier” antworten. Ich gehöre dazu, auch wenn die Weinstraße nur einen Katzensprung entfernt ist.
Tobias:
Wie laufen aktuell die Planungen rund um das anstehende Release von “Redemption: Part I – Twisted World”?
Jürgen:
Vieeeeeeeel Verkehr! Produktion von Videos, Musik, Trailern, Werbung etc. erfolgt alles aus meiner Hand. Das heißt, momentan bin ich am Vorbereiten des CD-Release-Konzertes mit dem Erstellen der Video-Visuals und den Proben mit den Gastmusikern des Live-Casts. Da würde ich mir manchmal schon Entlastung wünschen.
Tobias:
Für alle, die DISPYRIA noch nicht kennen: Wo liegt aus deiner Sicht der musikalische Fokus der Band?
Jürgen:
Ich habe es gerne, wenn ich die Leute mit meinen Songs emotional mit auf meine Reise nehmen kann. Der Stil ist da gar nicht so wichtig. Ich liebe es, schöne Melodien mit einzubauen. Ich stehe total auf progressiven Metal, versuche aber bewusst, mich nicht mit den Heroen der Szene zu messen. Dazu gibt es zu viele technisch perfekte Meister der Instrumente (DREAM THEATER, SYMPHONY X etc.). Der Fokus liegt definitiv auf Hooks, die nicht lange brauchen, damit man sie sich merken kann. Da ich ein bekennender SAVATAGE-Fan bin und mir die Dramatik und Wucht der Band wahnsinnig gefällt, kommt wohl auch einiges, was ich schreibe, in diese Richtung. Weiterhin stehe ich sehr auf AYREON und bin ein Fan von Metal-Opern und Musicals. Long story short: Story Metal mit Fokus auf Melodien.

Tobias:
Wie verliefen die Arbeiten an “Redemption: Part I – Twisted World”, und wie haben die Fans bisher auf das reagiert, was ihr bereits vom Album preisgegeben habt?
Jürgen:
Die Arbeiten verliefen nach Corona etwas anders, weil ich nicht nur zu Hause gesessen habe und mir ständig ums Songwriting Gedanken machen konnte. Die Story stand vorher schon fest in meinem Kopf. Deswegen war es relativ klar, wie ich vorgehen wollte. Die Songs sind definitiv straighter als die des Vorgänger-Albums. Das gibt aber auch die Story her, weil alles auf den entscheidenden Höhepunkt zusteuert. Außerdem sind die neuen Songs eine ideale Ergänzung, um die Live-Auftritte auf eine neue Ebene zu heben. Die bisherigen Reaktionen auf den ersten veröffentlichten Song sind super, und ich freue mich sehr über die Bestätigung, bin aber trotzdem sehr gespannt, wie die Fans den Rest des Albums finden werden.
Tobias:
Mit “Redemption” erreicht eure Saga ihr letztes Kapitel, das in zwei Teile aufgeteilt ist. Können neue Hörerinnen und Hörer deiner Meinung nach auch ohne Kenntnis der vorherigen Alben einsteigen, oder setzt das Konzept Vorwissen voraus? Wie gehst du als Bandkopf mit diesem Thema um?
Jürgen:
Ich glaube, es ist wichtig, dass man weiß, was vorher geschah. Ich finde aber, dass man als “quasi” Quereinsteiger durchaus direkt mit Album 4 einsteigen kann. Das weckt Interesse auf die Vorgänger. Es gibt ja auch einige neue Charaktere, die in den vorherigen Alben noch nicht aufgetaucht sind. Es ist relativ einfach für mich, so zu schreiben, da ich ehrlich gesagt gar nicht anders kann. Ich hätte die komplette Story auch gerne in ein Album gepackt, aber dann hätten wir 21 Songs gehabt 😊))).
Tobias:
“Redemption: Part I – Twisted World” enthält zahlreiche Gastbeiträge. Nach welchen Kriterien wählst du die beteiligten Musikerinnen und Musiker aus, und welche Rolle spielen sie für den Gesamtsound von DISPYRIA?
Jürgen:
Der Gesamtsound ist etwa gleich geblieben, würde ich sagen, da ja die meisten Interpreten die gleichen sind wie auf dem vorherigen Album. Zak Stevens mit seinen drei Songs und Carsten “Lizard” Schulz geben den Songs mit ihren markanten Stimmen sowieso eine feste Prägung, auch wenn der Stil ein wenig von ihrer Standard-Richtung abweicht. Carolina Padron, Rob Lundgren, Sabrina Roth sowie Dennis Ohler (letztere beide auch Bestandteil des Live-Casts) vervielfältigen und erweitern den Stil-Umfang und den Sound im sehr positiven Sinne.
Tobias:
Wie beeinflussen die unterschiedlichen Stimmen und musikalischen Hintergründe der Gastmusiker das Songwriting und die Arrangements auf “Redemption: Part I – Twisted World”?
Jürgen:
Naja, bei Zak war das von Anfang an klar, dass hier Melodie und Dramatik im Vordergrund stehen. Da achte ich natürlich darauf, gebe mir aber Mühe, keinen SAVATAGE-Abklatsch zu komponieren. Da die Songs der anderen vorher schon standen und ich in etwa wusste, wohin der Style gehen sollte, war ziemlich klar, wen ich haben wollte.
Tobias:
Auf “Redemption: Part I – Twisted World” wechseln sich atmosphärische, ruhigere Passagen mit schnelleren und druckvolleren Songs ab, zudem prägen verschiedene Gesangsstimmen und mehrstimmige Arrangements das Klangbild. Inwiefern knüpft das Album aus deiner Sicht an die musikalische Ausrichtung der vorherigen DISPYRIA-Alben an, und wo siehst du bewusste Unterschiede oder Weiterentwicklungen im Vergleich zu den früheren Veröffentlichungen?
Jürgen:
Es ist nur Musik, die ich im “Moment” schreibe. Ich habe es mir wirklich abgewöhnt, auf irgendwelche Tipps oder Hinweise diverser Menschen meine Musik zu komponieren. Die Ausrichtung geschieht irgendwie automatisch, da meine Vorlieben gleich geblieben sind. Schwer, emotional, Streicher, Bläser, Chöre – das ist, was mir gefällt. Der Rest kommt automatisch. Ich kann es ehrlich nicht erklären. Vielleicht ist das neue Album mit ein wenig mehr Loops und moderneren Sounds gespickt und geht schneller zur Sache.
Tobias:
Am 20. Februar 2026 erscheint “Redemption: Part I – Twisted World” und wird mit einem CD-Release-Konzert im Kasino der Kammgarn Kaiserslautern vorgestellt. Welche Rolle spielt dieses Konzert für euch im Zusammenhang mit dem Album?
Jürgen:
Ist natürlich wahnsinnig aufregend für mich als Komponist und Erschaffer, wie die Leute die neuen Songs und die neue Story aufnehmen. Deswegen ist das schon ein sehr wichtiger und emotionaler Meilenstein.
Tobias:
Für das Release-Konzert ist eine Verbindung aus Musik, Erzählung und visuellen Elementen angekündigt. Wie wird dieser Ansatz beim Konzert umgesetzt?
Jürgen:
Bei den meisten Konzerten, die wir vorher gespielt hatten, lief das “coronabedingt” noch als konzertante Veranstaltung. Das heißt, die Leute saßen und hatten quasi eine Lesung mit Live-Metal-Music im Stile von AYREONs “Inside the Electric Castle”. Also mit Narrator, der zwischen den Songs immer wieder erzählte, worum es in den einzelnen Kapiteln ging. Gepaart mit den Background-Visuals (die Bilder kamen von dem bekannten Illustrator Timo Wuerz) war das schon eine emotionale Macht. Das kommende Konzert wird definitiv den Fokus auf das “Abgehen” haben. Keine Bestuhlung, volle Bühnenpower. Da wir jetzt aus dem Fundus von vier Alben wählen können, wird es definitiv heiß. Zum ersten Mal gibt es auch Video-Visuals mit allen Charakteren, die mit KI erzeugt wurden. Das heißt, parallel gibt es zu jedem Song auch einen Mini-Movie mit den Charakteren. Das wird richtig multimedial *lächelt. Ich freue mich sehr darauf.
Tobias:
Im Rahmen des Gigs sollen Songs aus den vorherigen Alben sowie neue Stücke von “Redemption: Part I – Twisted World” gespielt werden. Nach welchen Kriterien wurde die Setliste gestaltet?
Jürgen:
Habe ich oben, glaube ich, schon weitgehend beantwortet. Es gibt keine Struktur, also aufbauen von Album 1 bis 4. Es ist abwechslungsreich gestaltet, sodass man von der einen Welt in die andere und wieder zurückreisen kann. Es gibt auch noch die eine oder andere “Song-Überraschung”.
Tobias:
Welche Bedeutung hat das Live-Setting für DISPYRIA, insbesondere im Hinblick auf die Präsentation von “Redemption: Part I – Twisted World”, und werden denn auch einige Gastmusiker auftreten?
Jürgen:
Sabrina Roth und Dennis Ohler werden vom Album-Cast dabei sein.
Tobias:
Gibt’s neben eurem Heimspiel in Lautern auch eine DE-Tour?

Jürgen:
Das würde ich mir sehr wünschen. Der finanzielle Aufwand ist aber definitiv für mich nicht stemmbar. Wenn ich nur mit minimaler Crew und Sängern spielen würde, dann würde ich mich aufgrund der Größe der Besetzung (neun Musiker inkl. Sänger/innen) finanziell schnell ruinieren. Aber ich bin für Möglichkeiten offen, das nicht nur regional umzusetzen.
Tobias:
Wird es denn irgendwann ein Boxset aus allen Alben geben – ich fände so etwas hochinteressant gegenüber dem Einzelkauf der verschiedenen Teile?
Jürgen:
Da musst Du mein Label fragen *lächelt. Ohne Zweifel ist die Idee eines Boxsets super und wirklich wünschenswert. Das zweite Album ist momentan vergriffen und müsste eh neu aufgesetzt werden. Also bis zum Erscheinen von “Redemption Part 2” mache ich mir definitiv Gedanken dazu. Versprochen.
Tobias:
Zum Abschluss natürlich noch die Frage, die viele umtreibt: Wann erscheint der zweite Teil von “Redemption – Twisted World” – und ist das wirklich das endgültige Finale der DISPYRIA-Saga? Du kannst es mir ruhig sagen, wir sind ja unter uns. – zwinker –
Jürgen:
Who knows *lächelt. Da wir ja unter uns sind: Mit “Redemption: Part 2” endet definitiv der Zyklus “Josh Devon – Marion Dust (aka Aelyrea)”. Allerdings sind so viele neue Welten und Charaktere dazu gekommen, dass ich nicht versprechen kann, nichts mehr zu schreiben *zwinkert.

Tobias:
Gibt es etwas zu DISPYRIA oder zu “Redemption: Part I – Twisted World”, das wir bisher noch nicht angesprochen haben und das dir musikalisch, textlich oder persönlich besonders wichtig ist?
Jürgen:
Persönlich wichtig ist mir DISPYRIA, weil es immer noch ein Ventil ist, um meine emotionale Welt auf einem normalen Stand zu halten. Allen, die das verstehen und mich dabei unterstützt haben, gilt mein unendlicher Dank.
Tobias:
Ich bin durch mit meinen Fragen, lieber Jürgen. Hast du zum Abschluss noch ein paar Worte an die Leserinnen und Leser oder an die Fans von DISPYRIA?
Jürgen:
Viele liebe und melancholische Grüße aus dem kalten Kaiserslautern. Ich hoffe, dass euch Musik – ob sie von mir ist oder nicht – durch diese wilden Zeiten, die wir momentan alle erleben, ein wenig mehr leuchten lassen kann. Unterstützt alle Bands und Künstler, indem ihr auf Konzerte geht und die mit viel Liebe und Aufwand produzierten Alben und Songs kauft. An alle, die DISPYRIA-Fans (Dispyrians) werden wollen: Kommt am 20.02.2026 in die Kammgarn zum CD-Release-Konzert und feiert mit uns. Wir würden uns wahnsinnig freuen.
Interview: Tobias Stahl
Photocredit: Jürgen Walzer

