MEGADETH – MEGADETH

MEGADETH

Titel: MEGADETH

Label: BLKIIBLK

Spieldauer: 47:13 Minuten

VÖ: 23. Januar 2026

Dave Mustaine und seine kleine Combo hauen in den Sack. Nach 43 Jahren MEGADETH verabschieden sich die Thrasher mit dem selbstbetitelten Abschiedsalbum „Megadeth“. Ich bin ehrlich: das macht mich doch irgendwie wehmütig. Ich weiß es nämlich noch genau wie ich den WOM in München zum ersten Mal betreten habe. Alle geilen Scheiben aus den Achtzigern waren dort recht einfach zu erwerben, im Heavy Metal Bereich prangten die einschlägigen Coverartworks. Slayer, S.O.D., Possessed, Metallica, Dark Angel, Sodom… all das Zeug, dass ich gerade am Entdecken war. Und die damals aktuelle MEGADETH Platte So far, so good… so what! war die Scheibe, die ich mir vom hart ersparten Taschengeld gekauft habe. Auch wenn Rust in Peace das Masterpiece (pun intended) bleibt und für mich das definiert hat wie technischer Thrash Metal zu klingen hat. Streitbar war die Diva Mustaine, der mit seiner Meinung nie hinterm Berg gehalten hat. Sein Trauma war seine erste Band: Metallica. Und sein Dämon waren Drogen und Alkohol – übrigens auf der So far, so good… in dieser Hinsicht in absoluter Höchstform.

Nein, Dave war sicherlich nicht immer in Höchstform, auch ich habe MEGADETH in der zweiten Hälfte der Neunziger mal für ein paar Jährchen aus den Augen oder besser Ohren verloren. Schlechte Platten haben der Rotschopf und seine Musikanten allerdings nie abgeliefert, die Hochzeiten zwischen 1986 und 1992 konnten allerdings kaum wiederholt werden. Bei den Big Four Konzerten 2010 fand ich MEGADETH richtig genial, Dave schaffte es immer erstklassige Musiker um sich zu scharen. Seinen geliebten Bassisten Dave Ellefson (Junior) hatte er 2021 zum zweiten Mal geschasst. Dave war nicht immer für ein stabiles Line up bekannt. MEGADETH ist sein Baby, der Rest darf mitmachen aber bestimmt hat der Maestro himself. 

Auch „Megadeth“ ist des Meisters Handschrift in Reinkultur. Das Songwriting ist ein bunter Strauß aus der Phase 1988-1994, hier höre ich die Rotzigkeit von So far, so good…, die Kreativität von Rust in Peace aber auch die Musikalität und Ausgewogenheit von Countdown to Exctinction sowie Youthanasia. ‚Tapping Point’ bringt zum Einstieg den klassischen speedigen Thrash zum Vorschein. Alle Instrumente stehen für sich im Sound und harmonieren in einer zwar cleanen aber dennoch nicht aufgepumpten modernen Produktion. Dave versprüht Angriffslust und will es nochmal allen zeigen bevor er abtritt. Das gelingt ihm auch mit ‚I don’t care‘, in seiner Rotzigkeit an Liar oder 502 erinnernd. Beachtlich ist natürlich die Instrumentalleistung an allen Geräten: Dirk Verbeuren hinter den Kesseln ist über alle Zweifel erhaben, Teemu Mäntysaari an der Klampfe folgt dem Meister und steht ihm in nichts nach, James LoMenzo klöppelt jedes Soundloch zu. Der Meister himself ist auf seinem Abschlusswerk unglaublich variabel, verspielt, direkt und hart zugleich. Einige typische melancholische Harmonien machen hier ganz große Songs wie zum Beispiel in ‚I am War‘. Aber auch ‚Puppet Parade‘ oder ‚Obey the Call’ zeigen was Mustaine und seine Mannen draufhaben. Musikalisch ist das erste Sahne und bodenständig zugleich. Aber auch Daves über weite Strecken knurriger Gesang ist grandios. Und irgendwie finden MEGADETH im letzten Track ihren Weg zurück in seine Wiege: das Cover von ‚Ride the Lightning‘, ein Song an dem Mustaine noch mitkomponiert hat, ihn aber nicht mehr eingespielt hat. Hier schließt sich der Kreis. Vielleicht konnte er damit seinen Frieden mit James und Co. machen.

Zurück bleibt eine großartige Bandgeschichte mit vielen Klassikern aber auch Kontroversen. Umstritten war und ist Mustaine, ein Wiederborst aber auch ein stückweit musikalisches Genie. Mit „Megadeth“ schafft sie einen mehr als würdigen Abschied. Übertrifft sogar die starke Dystopia und kommt als stärkste Scheibe seit der Countdown to Extiction in die Galerie. Meine Hochachtung vor diesem Longplayer und vorm gesamten Lebenswerk. Farewell, Vic Rattlehead und Dave Mustaine!

Ingo Holzhäuser vergibt 9 von 10 Punkten