AMARANTHE, EPICA, CHARLOTTE WESSELS – „Arcane Dimensions Tour 2026“
AMARANTHE – EPICA – CHARLOTTE WESSELS
16. Januar 2026
Palladium, Köln
Drei Freundinnen gehen auf Reisen und da trifft es sich gut, dass es sich dabei um drei der besten und bekanntesten Stimmen des europäischen Symphonic Metal handelt und das begnadete Trio seine Bands gleich mit eingepackt hat. Denn Elize Ryd (AMARANTHE) sowie Simone Simons (EPICA) haben ihre Freundin und Ex-Delain Chanteuse Charlotte Wessels eingeladen, den Opener für ihre gemeinsame Co-Headline-Tour zu machen. Und so dürfen wir diese drei Stimmgewalten am ersten Abend der „Arcane Dimensions Tour 2026“ an diesem Freitagabend in Köln erleben.
CHARLOTTE WESSELS
Seit 2021 ist die mega-sympathische Niederländerin mit ihrem Solo-Projekt aktiv, darf heute Abend als Support-Act die Fans anheizen und hat dafür hauptsächlich Tracks ihres 2024er Albums „The Obsession“, dessen Titel sich immer mehr auch zum Namen des Projekts/der Band etabliert, zu der auch live ihre ehemaligen DELAIN-Kollegen Joey Marin de Boer (Schlagzeug), Timo Somers (Lead-Gitarrist und Meister der Posen) und Bassist Otto Schimmelpenninck van der Oije gehören, vorgesehen. Weiterer Blickfang und musikalischer Gewinn ist die jüngst hinzugekommene Keyboarderin und Backgroundstimme Nina van Beelen. Die durchtrainierte Frontfrau aus Zwolle beeindruckt mit ihrer großen Stimme und durchaus hartem Sound mit leicht proggigen, cineastischen und 70s Tendenzen die Anwesenden. Und begeistert mit Songs wie `Dopamine´ (leider ohne Simone Simons), dem grandiosen `The Crying Room´ und dem abschließenden `The Exorcism´ mit gar nicht mehr zarten Growls der Frontfrau. Zudem werden die Anwesenden Augen- und Ohrenzeuge der Welt-Uraufführung der gerade veröffentlichten neuen eindringlichen Single `After Us, The Flood´. Erstmalig wird mit `Tempest´ ein weiterer neuer Song an diesem Abend zum ersten Mal live gespielt. Die eingespielte, homogene Gruppe hat sicht- und hörbar Spaß, liefert einen künstlerisch hochwertigen und unterhaltsamen Auftritt ab und erweist sich als großartiger Support-Act. Durch den ganz normalen freitäglichen Verkehrswahnsinn in NRW und rund um Köln haben wir leider die ersten Songs verpasst und können somit auch keine Fotos des Gigs anbieten.
EPICA
Mit ein wenig Verwunderung hatten wir vernommen, dass EPICA hier und heute den Anfang machen, was aber an dem bei einer Co-Headline-Tour
nicht unüblichen rollierenden Wechsel der Auftrittsreihenfolge begründet scheint, denn dem Vernehmen nach war es am Folgetag in München wieder umgekehrt. Und so legt die „beste Sängerin der Welt“ (O-Ton von Keyboarder Coen Janssen) am Vorabend ihres Geburtstages um zehn vor acht als dunkler Engel in eine Art tiefschwarzes Hochzeitskleid gehüllt mit `Apparition´ vom aktuellen Longplayer “Aspiral“ im hinteren Teil der Bühne los. Sie eröffnet einen 80-minütigen Symphonic Metal Ritt durch eine packende Setliste mit viel aktuellem Material, aber auch der ein oder anderen älteren Nummer, so beispielsweise dem seit mehr als einer Dekade nicht mehr performten „Oldie“ `Never Enough´. Die Band nutzt eine gigantische Video-Leinwand im Hintergrund der Bühne für jederzeit reizvolle und passende Einspieler und auch Pyros gibt es nur in virtueller Form als üppiges Feuerwerk auf den riesigen Bildschirmen. Neue Songs wie `Cross the devide´ und `Eye of the Storm´ im heutigen Live-Debüt fügen sich perfekt ins Gesamtbild ein. Die Sängerin selbst führt mit Ansagen in perfektem Deutsch durch den Abend und wechselt einige Male vom Leder Outfit zur Abendrobe und zurück. Zudem haben EPICA so einige unterhaltsame Gimmicks im Gepäck. So stellt Simone Simons `Sirens – Of Blood and Water´ von der grandiosen 2022er Kollab-EP „The Alchemy Project“ im Duett mit Charlotte Wessels vor und leitet `Tides Of Time´ nur mit Pianobegleitung, naja gut ein paar Streicher kommen noch vom Band, ein. Bei `Cry For The Moon´ wird das bunte Treiben auf und neben der Bühne live und in Echtzeit mit einer Handkamera auf die Leinwände übertragen und Keyboarder Janssen beackert mit seinem portablen Instrument die Bühne. Mit dem bärenstarken Abschlusstriple aus `Fight to Survive´ , `The Last Crusade´ sowie `Beyond the Matrix´ geht das symphonische Spektakel gegen kurz nach neun und damit eigentlich schon viel zu früh fulminant zu Ende.
Setliste EPICA:
Apparition
Cross the Divide
Martyr of the Free Word
Eye of the Storm
Unleashed
Never Enough
Sirens – Of Blood and Water
Tides of Time
The Grand Saga of Existence – A New Age Dawns, Part IX
Cry for the Moon
Fight to Survive
The Last Crusade
Beyond the Matrix
AMARANTHE
Der heutige Headliner geht zwar mit üppiger Licht- und Laser-Technik an den Start, die aber inklusive statischen Old-School-Backdrop doch weit weniger beeindruckend als das vorher Gesehene ausfällt. Dafür hat die dänisch-schwedische Formation das singende Triumvirat aus Sopran-Chanteuse Elize Ryd, Helden-Tenor Nils Molin und Growler Michael Sehlin zu bieten, die mit `Fearless´ und `Viral´ mal direkt in die Vollen gehen. Mir persönlich gefällt die Entwicklung bereits der letzten Alben weg vom Melodic/Symphonic Sound hin zu einem zugegeben höchst energetischen und teilweise harten Mix aus Metal, Metalcore, Rap und Pop Elementen nicht so wirklich und auch der heutige Abend bestätigt mich da ein Stück weit, dass Fans der Band mit Songs wie `Boom!1´ doch eher weniger anfangen können und eher die älteren Nummern wie `Call Out My Name´ oder `Digital World´ abfeiern. Schlag auf Schlag werden insgesamt 18 Songs abgespult, darunter das Live-Debüt des neuen Stücks `Chaos Theory´. Beim emotionalen Piano-Intro vom Bandhit `Amaranthine´ präsentiert sich die Sängerin zu Tränen gerührt, einer der wenigen gefühligen, menschelnden Momente einer ansonsten ziemlich glatten Show, die mit drei Zugaben und dem abschließenden Gassenhauer `Drop Dead Cynical´ ihren Abschluss findet und in einem deutlichen niederländischen Punktsieg endet.
Setliste AMARANTHE:
Fearless
Viral
Digital World
Damnation Flame
Maximize
Strong
PvP
Crystalline
Boom!1
The Catalyst
Re-Vision
Chaos Theory
Amaranthine
The Nexus
Call Out My Name
Encore:
Archangel
That Song
Drop Dead Cynical
Text: Michael Gaspar
Phot Credits: Sven Bernhardt


































