MAYHEM – LITURGY OF DEATH

MAYHEM

Titel: LITURGY OF DEATH

Label: CENTURY MEDIA

Spieldauer: 48:54 Minuten

VÖ: 06. Februar 2026

Seit nunmehr über 40 Jahren tummeln sich MAYHEM aus Oslo in der Metalszene. Anfänglich nur durch Demos (Pure Fucking Armageddon) oder die Deathcrush EP am Markt präsent, wurden die Norweger insbesondere durch ihre Bühnenpräsenz und die wilden Liveshows ihres Sängers Dead (Per Yngve Ohlin, seit 1988 bis 1991) bekannt. Gitarrist Euronymous, eine Kernfigur der aufkeimenden norwegischen Szene, bündelte die wichtigen Protagonisten und seine Vorstellung einer elitären Bruderschaft. MAYHEM standen durch ihn im Zentrum einer Bewegung, die mit jugendlichem Leichtsinn, ideologischer Desorientierung und einem verstörten Blick auf Rebellion und musikalischer Extreme eine Trademark schufen: den norwegischen Black Metal. Einerseits durch flammende Zerstörung, krude Blasphemie und sogar Mord geprägt, andererseits durch eine neue, ikonische und extrem vielfältige und gleichzeitig wilde Ausdrucksform von Kunst.

Was auch immer die Wahrheiten hinter den Geschichten sein mögen, ohne MAYHEM als Katalysator wäre der Black Metal vielleicht nicht so explodiert, die Markenbotschaft auf der Tour durch den wilden Osten hätte in der Form so nicht stattgefunden. Für alle Interessierten empfehle ich das Buch von Abo Alsleben, der seinerzeit im Jahre 1990 die Mini-Tour durch Sachsen organisierte und vielleicht einen realistisch-kritischen Blick auf die aufkeimende Bewegung und die Band geben konnte (Mayhem Live in Leipzig). 

Nun aber genug der Vergangenheitsbewältigung und wir konzentrieren uns auf die neue Platte der Osloer mit dem Namen „Liturgy of Death“. Der siebte Longplayer der Band wird durch ein kurzes Intro im ersten Song ‚Ephemeral Eternity‘ eröffnet. Schon hier wird ein feierlich-sakraler Sound erkennbar, insbesondere der Beckensound hat einen vorrangigen Slot im Klangbild erhalten. Die Gitarren wirken dicht aber leicht zurückgenommen, Attilas Gesang ist transparent und nicht im Vordergrund. Somit vom Mix her ein kompakter Ansatz, der nicht so stark Necrobutchers Basslinien in den Vordergrund bringt wie der Vorgänger Daemon (2019).

Musikalisch zeigen die Norweger wie man manisches Geknüppel und theatralische Avantgarde zu einem schlüssigen Gesamtkonzept verschmelzen kann. Es sind diese fräsenden Highspeed Stücke, die unaufhaltsam alles vernichten und dann in einer Passage münden wo Attila seinen theatralischen Sprechgesang zum besten gibt. ‚Despair‘ oder ‚Funeral of Existence’ sind hierfür Paradebeispiele. Die Scheibe fasst ungemein viele Elemente des Opus Magnum De Mysteriis Dom Sathanas gekonnt zusammen. Vielleicht war noch kein Album dem Klassiker kompositorisch wie stilistisch so nahe wie „Liturgy of Death“. Direkt, schwarz und dennoch sperrig und vertrackt genug um den Hörer bei der Stange zu halten.

MAYHEM zeigen sich auf „Liturgy of Death“ in sehr guter Verfassung mit einem lässigen Blick auf den unumstößlichen Klassikerstatus des Debütalbums. Dabei bleibt ihr immer vorhandene Anspruch schwarze Kunst auf höchstem Niveau zu bieten. Absolut wertvoll!

Ingo Holzhäuser vergibt 9 von 10 Punkten