PRIMAL FEAR – DOMINATION

PRIMAL FEAR

Titel: DOMINATION

Label: Reigning Phönix Music

Spieldauer: 59:57 Minuten

VÖ: 05. September 2025

PRIMAL FEAR veröffentlichten seit ihrer Gründung 1997 eine ganze Reihe kraftvoller Studioalben, die sie zu einer festen Größe im Heavy- und Teutonic-Metal gemacht haben – manche sehen die Band auch im Bereich des Power Metal – ich eher nicht. Den Anfang machte 1997 das selbstbetitelte Debütalbum “Primal Fear”, gefolgt von “Jaws of Death” (1999) und “Nuclear Fire” (2001), das der Band einen weiteren Karriereschub bescherte. Mit “Black Sun” (2002) und “Devil’s Ground” (2004) wurde der Sound härter und druckvoller, bevor “Seven Seals” (2005) mehr epische Elemente integrierte. 2007 erschien “New Religion”, gefolgt von “16.6 (Before the Devil Knows You’re Dead)” (2009) und dem wuchtigen “Unbreakable” (2012). “Delivering the Black” (2014) und “Rulebreaker” (2016) setzten den Kurs kompromissloser Hartstahl-Hymnen fort. 2018 feuerten PRIMAL FEAR mit “Apocalypse” die nächste Abrissbirne raus, bevor 2020 mit “Metal Commando” mein bis dato favorisiertes Studiowerk erschien, das auch nicht vom guten “Code Red” im Jahr 2023 vom Thron gestoßen werden konnte.
Nun, fast drei erfolgreiche Jahrzehnte später, steht die Band um ihre Gründer Mat Sinner (Bass, Gesang) und Ralf Scheepers (Gesang) vor ihrem 15. Studio-Release, das gleichzeitig auch einen Umbruch bedeutet. 2024 gab es in der Fangemeinde einen Aufschrei, als bekannt wurde, dass gleich vier Musiker die PRIMAL-FEAR-Familie verlassen. Die Gitarristen Alex Beyrodt und Tom Naumann, Schlagzeuger Michael Ehré sowie Bassist Alex Jansen (die letzten zwei Jahre als Live-Bassist dabei) waren fortan keine Mitglieder mehr. Zuvor gingen PRIMAL FEAR durch weitere Täler, in Person von Mat Sinner, der mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte. “2021 wurde ich für tot erklärt, aber die Ärzte haben mich wiederbelebt”, erinnert er sich an seine lange Leidenszeit. “Als ich gelähmt im Bett lag, setzte ich mir verschiedene Ziele: Eines davon war, mehr PRIMAL-FEAR-Musik zu schreiben und aufzunehmen.” Mit ihrem 14. Studioalbum “Code Red” schufen sie ein starkes Brett und erreichten einige der höchsten Chartplatzierungen der Bandgeschichte, darunter Platz 6 in Deutschland und der Schweiz.

Kommen wir nochmal auf die Veränderungen im Line-up von PRIMAL FEAR zu sprechen, denn wo Abgänge sind, braucht es auch neue Kräfte. Während man an “Domination” arbeitete, wurden neue Gesichter präsentiert. “Veränderungen kommen oft ungebeten und fühlen sich zunächst wie ein Rückschlag an, aber manchmal ist genau das nötig”, kommentiert Sänger Scheepers. Man holte die Gitarristen Magnus Karlsson und Thalìa Bellazecca ins Line-up sowie den ehemaligen Tour-Schlagzeuger André Hilgers. “Domination” wurde in Dennis Wards Kangaroo Studios aufgenommen, von Sinner produziert und von Scheepers und Karlsson co-produziert. Abgerundet wurde das Album vom Mixing- und Mastering-Engineer Jacob Hansen in seinen Studios in Dänemark. Das Artwork wurde von Death.Milk.Designs gestaltet. Auf geht’s ins Review!

‘The Hunter’ wurde bereits als Single vorgelegt und ist zugleich der Opener von “Domination”, über den Ralf Scheepers verrät: “Ihr findet euch in einer Science-Fiction-Landschaft wieder und das Biest ist hinter euch her. Dies bin ich, DER JÄGER. Also gebt besser Acht, denn ich rieche euer Blut und werde euch kriegen!” Die Story hört sich ein bisschen nach Inspiration eines Actionfilms aus den 80ern mit Arnold Schwarzenegger an, die Gangart ist aber definitiv nicht angestaubt wie diverse VHS-Tapes von damals, denn PRIMAL FEAR legen einen starken Song an den Anfang ihrer Platte, der aufzeigt, in welche Richtung man mit und auf “Domination” geht. Apropos Richtung: ‘Destroyer’ ist ein Lied, das mich in meiner Meinung bekräftigt, dass PRIMAL FEAR aber mal so gar keine Power Metaller sind. Die schweren Gitarren, die satten Drums und Bässe der neuen Mitglieder geben übrigens keinen Anlass zur Kritik – so darf es weitergehen! ‘Far Away’ wurde ebenfalls als Single rausgehauen, ist temporeich und in den richtigen Momenten melodisch, und man ist eingeladen zum Mitträllern, auch wenn ich als “Unter der Dusche”-Sänger niemals in die Höhen komme, in denen Scheepers stimmlich weilt – übrigens sagt er über den Song ‘Far Away’:

“Er ist ein Ausdruck von Treue und bedingungslosem Vertrauen. Wir alle kennen das Gefühl, jemandem schmerzlich zu vermissen und ihn oder sie nicht täglich sehen oder zumindest hören zu können. Eine Situation, mit der man insbesondere als tourender Musiker zurechtkommen muss.”

Mit ‘I Am The Primal Fear’ haben die Esslinger einen stimmungsvollen wie verdammt eingängigen Song aufs Album gepackt, und ich bin froh, dass er sich in der Auswahl der 25 Tracks durchsetzte. Der Stampfer macht brutal Bock, geht in Kopf, Faust, Nacken und Ohr – eine typische teutonische Stahl-Hymne, die in keiner Playlist fehlen darf. ‘Tears Of Fire’ hat die Kraft zu motivieren, aufzubauen und neue Kraft zu geben. Der als Single und Musikvideo veröffentlichte Titel handelt von “Heroische Gedanken gepaart mit Worten, die klarstellen, dass niemand in harten Lebensphasen auf sich allein gestellt ist. Es gibt immer ein paar Menschen an eurer Seite, die mit euch durch dick und dünn gehen.”. Ja, ein paar gibt es immer, wenn alle anderen gegangen sind – das kennen wohl viele, die auf diesem Planeten durch Täler gehen mussten. Schon auf “Code Red” widmete man sich der Mythologie, auch auf “Domination” haben PRIMAL FEAR einen solchen Song gepackt – ‘Heroes And Gods’ heißt die Nummer, deren Refrain ebenfalls sehr catchy ist. Nach der instrumental gehaltenen Nummer ‘Hallucinations’ kommt mit ‘Eden’ ein ‘I Will Be Gone’-gleiches Lied, nur dass hier Melissa Bonny von AD INFINITUM mit von der Partie ist. Der sieben Minuten lange Track lädt ein zum Augen schließen und Genießen – so verdammt stark liefern die drei Vocalisten und die Instrumentalisten hier ab, lediglich einen größeren Solopart hätte man der AD-INFINITUM-Sängerin einräumen können. ‘Scream’, ‘The Dead Don’t Die’ und ‘Crossfire’ sind typische PF-Songs, ‘March Boy March’ “marschiert” da ein bisschen aus der Reihe und fällt schon wegen der Marschgeräusche im Intro auf, aber auch das hohe Tempo und die Aggressivität, die hier aus den Boxen ballern, hat man so auf diesem Album noch nicht gehört. ‘A Tune I Won’t Forget’ entlässt euch mit einer Atmosphäre, die man ebenfalls so noch nicht gehört hat auf einem PRIMAL-FEAR-Album, und einem Mat, der sehr nachdenklich klingt. Den Bonus-Track ‘Bridges Will Burn’ konnten wir nicht anhören, da dieser nur physisch, außer auf Jewel-Case-CD, zur Verfügung steht.

“Domination” kommt mit einer Spielzeit von fast 60 Minuten und hat alles, was ein Fan von PRIMAL FEAR erwartet und liebt: die Stimmen von Ralf und Mat, fette Gitarren und satte Drums, die von neuen Musikern und einer Musikerin gezockt werden. Klar, man hört feine Unterschiede zu dem Spiel von Michael, Tom und Co., aber am Ende des Tages klingen PRIMAL FEAR auch auf “Domination” wie PRIMAL FEAR. “Domination” ist ein paar Prozente kerniger und druckvoller – ob das aber an den ausführenden Muckern liegt oder eher an der neuen Energie von Mat Sinner oder aus beidem, wer weiß das schon außer die Beteiligten. Ich mag die Hymnen ‘I Am The Primal Fear’, ‘Tears Of Fire’, ‘Eden’ oder ‘The Hunter’ sehr und freue mich darauf, die Band in Mannheim auf Tour zu sehen, wo sie mit “Domination” eine geile Platte im Gepäck haben und hoffentlich vieles daraus zocken – aber “Metal Commando” sitzt weiter auf dem Thron – gefolgt vom Debüt “Primal Fear” und “Domination”, die am Stuhl sägen.

Tobi Stahl vergibt 8,5 von 10 Punkten