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Interview-Section :: Index: 'L' :: LADY MORPHIA

LADY MORPHIA
Leben um zu hinterlassen ...
... heisst es auf der Homepage Lady Morphias und demzufolge sind Veröffentlichungen von Chris und Nick Nedzynski aufgrund der langen Wartezeit zwischen den einzelnen Veröffentlichungen nicht nur seltene Momente, sondern vor allem unglaublich intensive und interessante Überlegungen vermittelnde Werke von Wert mit philosophischem Hintergrund. So auch „Essence And Infinity“, das aktuelle Album Lady Morphias, das dem Wirken des deutschen Philosophen Oswald Spenglers gewidmet ist und sieben Jahre nach der Veröffentlichung des Vorgängers „Recitals To Renewal“ erscheint. „Essence And Infinity“ ist dabei ein Album wie aus einem Guss, das musikalisch weit über das eng gesteckte, stilistische Konzept des Neofolk hinausgeht und daher dem Motto der Homepage absolut gerecht wird. Doch steigen wir lieber ein in unglaublich interessantes Interview, für das sich Sänger Nick verantwortlich zeichnet und das mit seinen tiefgründigen Antworten reichlich Denkanstösse liefert.
Zwischen der Veröffentlichung von “Recitals To Renewal“ und „Essence And Infinity“ sind sechs Jahre verstrichen. Warum dieser ungewöhnlich lange Zeitraum zwischen den beiden Alben? Würdest du diesen langen Zeitraum als Zeit der Sammlung bezeichnen, eines persönlichen Reifeprozesses, einer Selbstfindung?

>> Gewiß haben wir während dieses langen Zeitraumes in jeder Hinsicht einen Reifeprozeß durchgemacht, sei es als Einzelnen oder als Künstler. Derlei Entwicklungen bilden ja einen wichtigen Teil des Lebens, und es wäre echt merkwürdig gewesen, sogar nicht menschlich, wenn wir sechs Jahre hindurch stillgestanden wären. Dennoch wäre es nicht ganz richtig, von Änderungen zu sprechen. Vielmehr sind wir in diesem Zeitabschnitt mehr wir geworden. Die musikalischen Aspekte dieser Selbstfindung, ein Wort, das meines Erachtens trotz seiner inzwischen fast zur Klischee gewordenen Abgedroschenheit diesen Vorgang mitsamt seinem Ergebnis treffend beschreibt, werde ich weiter unten angehen. Aber auch philosophisch, geistig und seelisch haben wir Selbstbewußtsein erringt. Wenngleich die Erlangung davon eigentlich einer unendlichen Lebensreise gleicht, ist die Wichtigkeit dieser Reifung nicht zu unterschätzen. Unterdessen bin ich bezüglich meiner Ideen, meiner Lebensauffassung und meines Weltbildes sicherer geworden, und infolge jener Bewußtwerdung habe ich eine größere Zuversichtlichkeit, was mein Verhältnis zur Gemeinschaft und Kultur, sowohl zu diesem irdischen Dasein wie seinem innerlich-jenseitigen Gegenstück, und daher zu diesem Erdball und meinem Platz darauf, anbelangt. Das hat sich freilich auf Lady Morphia ausgewirkt, insofern als die Funktion des Projektes mir noch klärer geworden ist, d. h. sein Zweck und seine inneren Ziele haben sich in der Zwischenzeit auf sicherem Boden gefestigt.
Der Wirkungen der Wartezeit zwischen den beiden Alben ungeachtet, waren die Gründe, die sich dahinter steckten, hauptsächlich praktischer Natur. Unter anderem konzentrierte ich mich auf die Forschungen zwecks einer Dissertation sowie auf die Niederschrift derselben. Unnötig zu sagen, daß diese Tätigkeiten meine Zeit immer mehr in Anspruch nahmen, und demzufolge mußte ich die Musik bis nach meiner Promotion zwangsläufig zurückstellen, um der akademischen Arbeit den Vorrang zu geben. Für seinen Teil schloß Chris binnen dieser Zeitspanne seine Tonmeisterausbildung ab. Zu alledem waren wir mit dem Material, das wir für diese Lichtscheibe ursprünglich einspielten, teilweise nicht zufrieden, was zu der wiederholten Aufnahme dreier Lieder führte. Da verloren Eis und Licht Tonträger, die seinerzeit einige dieser Stücke als einen limitierten 10-Zoller herausbringen wollten, die Geduld mit uns, was angesichts unseres schneckenartigen Tempos begreiflich war. Meiner Meinung nach hat dieses Verstreichen gleichwohl eine ausschließlich positive Wirkung auf das Ganze gehabt. Außer dem besagten Werdegang haben die Verbesserungen, die wir damals vornahmen, das Werk qualitativ erheblich bereichert. <<
Musikalisch und stilistisch ist „Essence And Infinity“ ein, wie ich finde, sehr offenes und vielseitiges Album geworden, dass sich in dem eigentlich sehr eng strukturiertem Genre des Neofolk (wenn ich Lady Morphia jetz einfach mal darunter subsummieren würde) sehr vieler unterschiedlicher Einflüsse bedient. War diese Offenheit Teil des Reifeprozesses zwischen den beiden Alben, Teil einer persönlichen Weiterentwicklung im Hinblick auf musikalische Vorlieben oder vielleicht auch bewusst gewählte Vielfalt im Hinblick auf das lyrische Konzept des Albums?

>> Ich bedanke mich bei Dir für das nette Kompliment. Im Allgemeinen trugen jedes der von Dir erwähnten Elemente zu der Offenheit von „Essence and Infinity“ bei. Allerdings ist es zu beachten, daß es sich hierbei weniger um eine Weiterentwicklung hinsichtlich musikalischer Vorlieben handelt als um eine Rückkehr zu der Quelle. Bereits unsere frühesten Kassetten zeugten von einer überaus bunten Mischung vielerlei Stilrichtungen, aus denen die Einflüsse des Gothic-Rock und Post-Punk womöglich am deutlichsten hervortraten. Überdies habe ich seit jeher Tonkunst unzähliger Gattungen genossen, einerlei, ob man diese Folk, Klassik, Rock, Punk, Pop, Gothic, Elektro, Industrial oder was auch immer benennen möchte. Das hat zweifellos das Seine getan, meine Aufgeschlossenheit verschiedenartigen musikalischen Tendenzen gegenüber zu begründen. Hinzu gesellt sich meine Präferenz für grenzüberschreitende Tonkunst schlechthin. Die Musiker, vor den ich die größte Achtung habe, sind stets diejenigen gewesen, die der Stimme des Herzens folgen, und die dabei keine künstlich errichteten Barrieren anerkennen. Für mich ist das Inwendige letztendlich das Wesentliche, und wenn eine innere Geschlossenheit über die Musik herrscht, ist es mir irrelevant, ob man z. B. elektrische oder akustische Gitarre, Schlagzeug oder Pauken, Synthesizer oder Geige in Aktion treten läßt. Wichtig ist, daß die Seele des Komponisten sich darin offenbart. Falls wir wirklich dem sogenannten Neofolk zuzuordnen sind, erfasse ich diese Bezeichnung dann nicht als eine genretypische Abgrenzung, innerhalb deren Grenzen man sich beispielsweise schlicht einer dezenten Klampfe nebst industriellen Klangcollagen bedienen darf, sondern als einen kleinen Hinweis auf eine spezielle geistige Veranlagung. Für mich deutet der Begriff „Neofolk“ auf eine Synthese der Modernität und Tradition oder, um mit Thomas Mann zu reden, der Aufklärung und des Glaubens hin. Unsere Tonkunst verbindet schließlich eine moderne Arbeitsweise mit dem edlen Erbe der Vergangenheit, damit alte, visionäre Vorstellungen zukunftsformend ins Morgen getragen werden können. In diesem Sinne ist das Etikett „Neofolk“ vielleicht angemessen.
Wohlgemerkt: Obgleich das vielgestaltige Wesen Lady Morphias nie auf irgendeinem vorsätzlichen Drang nach Heterogenität beruht, sondern auf der reinen Natürlichkeit, spiegelt die Atmosphäre eines bestimmten Liedes, die durch den Einsatz besonderer Instrumente und Annäherungen kreiert wird, den lyrischen Inhalt jenes Stückes wider. Infolgedessen stellen zum Beispiel die sanften und stürmischen Seiten der Musik den Gegensatz bzw. den Unterschied, den Oswald Spengler zwischen „Kultur“ und „Zivilisation“ als zwei Stadien einer einzigen geschichtlichen Entwicklung macht, dar. (Spengler versteht unter „Zivilisation“ das unentrinnbare Los jeder „Kultur“, in der das, was einst lebendig war, starr und kalt wird. Meine Gedanken zu dieser Überlegung werde ich im Folgenden erläutern.) Deswegen kann bis zu einem gewissen Grade von einer bewußt gewählten Vielfalt unter Berücksichtigung der Thematik der Lichtscheibe die Rede sein. Nichtdestoweniger wäre es korrekter, von einer unterbewußt auserkorenen Vielfältigkeit zu sprechen. Im Grunde genommen hat sich diese stilistische Melange „einfach so“ ergeben, denn bei der Schöpfung eines neuen Opus schenke ich lediglich dem Gemüt Gehör, und demnach haben kühle Berechnungen mit dieser Angelegenheit gar nichts zu tun. Erst im Nachhinein bemerkte ich, wie die Musik jeder Komposition den Schwerpunkt und die Stimmung des Textes, den sie untermalt, vollkommen reflektiert und ergänzt. Dabei wurde mir gewahr, daß bei dieser Aufnahme nichts fehl am Platze war, dieweil sie in ihrer Gesamtheit naturgemäß entstanden war. <<
„Essence And Infinity“ beschäftigt sich auf lyrischer Ebene mit den Theorien des deutschen Philosophen Oswald Spengler, der sich in seiner Arbeit u.a. mit dem Verfall und dem Wiederaufblühen von Kulturen beschäftigt. Wenn du dies auf den Zustand unserer heutigen Gesellschaft beziehst, wo befinden wir uns derzeit? Kurz vor dem Abgrund, oder haben wir die Talsohle vielleicht bereits durchschritten?

>> Obschon Deine Einschätzung von dem Hauptthema des Albums zutrifft, mußt Du bedenken, daß Spengler das Wiederaufblühen einer spezifischen Kultur prinzipiell für unmöglich hielt. Wenn eine Kultur seinen Höhepunkt erreicht hat, gibt es laut ihm keine Chanche, daß sie eine zweite Blütezeit erleben wird. Stattdessen wird eine andere, aufkommende, aufkeimende Kultur in einer anderen geographischen Region der Welt an die Stelle ihres älteren Pendants treten. Selbst damals nahmen etliche Zeitgenossen des Philosophen diesen Bestandteil seines Denkens nicht zur Kenntnis, und folglich findet man zahlreiche Abhandlugen aus der Weimarer Zeit, die die Hoffnung auf eine Neugeburt der europäischen Kultur aus der spenglerschen Lehre zu ersehen glauben, und die dementsprechend von einem „Kreislauf“ schwärmen. In diesem Zusammenhang muß ich zugeben, daß ich als Idealist es ebenfalls nicht über mich bringen kann, mich Spenglers Behauptung, daß die faustische (i. e.: europäische) Kultur unaufhaltsam zugrunde geht, und daß ihr deshalb keine neue Dämmerung zuteil werden wird, anzuschließen. Jene Ausprägung kultureller Resignation sagt mir wenig zu, nicht zuletzt weil sie die Apathie und Trägheit entschuldigt. Nichtsdestominder weicht Spengler selbst von den folgerichtigen Konsequenzen seiner Philosophie fast zurück. Anscheinend enthüllt seine These jene Nietzscheanische Kluft zwischen der Wahrnehmung der Umwälzungen in der Geschichte als das Aufzwingen des einzelnen Willens dem Kreislauf der Kulturen und derselben Änderungen als ewige Wiederkehr. Es kommt dem Leser so vor, als ob Spengler seine Prognose modifiziert, indem er vorschlägt, daß die Überreste von „dynamischer Tradition“ und „altem Adel“ für die Zukunft aufgespart und gehütet werden können. Obwohl der Unheilsprophet keinen Ausweg aus diesem unabänderlichen Abstieg an seine Philosophie anhängt, deutet er dem geneigten Leser an, daß ein Aufstand des Geistes und der Instinkt gegen die Herrschaft des Geldes und der Seelenlosigkeit auch in jener Epoche der Nichtigkeit möglich ist. Diese Ambivalenz ist bezwingend und macht Oswald Spengler als Mensch wie Denker umso faszinierender.
Wie man dem obigen Absatz entnehmen kann, bin ich – ungleich Spengler – der festen Überzeugung, daß eine Erneuerung der Herrlichkeit und der unvergleichbaren Schöpferkraft der abendländischen Kultur völlig möglich, ja, sogar unbedingt notwendig ist, denn die heutige (Un)ordnung, unter deren Flagge die Gehaltlosigkeit, der Materialismus und die Häßlichkeit den Inhaltsreichtum, den Idealismus und die Schönheit augenscheinlich usurpiert haben, erscheint mir auf die Dauer unhaltbar zu sein. Wo wir uns jetzt befinden, vermöchte ich jedoch nicht zu sagen. Eventuell haben wir die Talsohle durchschritten, aber es könnte genauso denkbar sein, daß wir noch Schlimmeres durchmachen müssen, auch wenn es selbstverständlich mein sehnlichstes Verlangen ist, daß wir uns mittlerweile aufwärts bewegen. Egal, in welcher Phase des Ganges der Geschichte wir augenblicklich stehen, ist es durchaus vorstellbar, daß die Traditionen und Religionen aller Kulturen Recht haben, insoweit, als sie implizieren, daß die Menschheit viele Entbehrungen erleiden muß, ehe das goldene Zeitalter anbricht. Allein die Zeit wird zeigen, ob das Schicksal uns nun allmählich emporhebt, oder ob wir das Dunkel weiterhin ertragen müssen. <<
Wie definierst du in diesem Fall den Begriff der Kultur? Als kulturelles Schaffen einer bestimmten Wesensgemeinschaft, eines Volkes, oder als allumfassendes, globales Zusammenwirken unterschiedlicher Völker?

>> Mir dünkt, man kann den Terminus „Kultur“ auf beiderlei Art definieren. Für mich kann „Kultur“ sich gleichzeitig sowohl auf das Schaffen einer bestimmten Wert- oder Wesensgemeinschaft – beispielshalber eines Volkes respektive eines kulturell, geschichtlich oder spirituell verbundenen Erdteiles – als auch auf das allumfassende, globale Zusammenwirken unterschiedlicher Völker, die ihre Kräfte aus der Tiefe schöpfen, um Kunstwerke, Ideen, Kulturdenkmäler und andere Beiträge zum menschlichen Bildungsgut, die Ewigkeitswert besitzen, zu erschaffen, beziehen. Was „Essence and Infinity“ betrifft, ist doch eine weitere Definition von dem Wort „Kultur“ von eminenter Bedeutung. In der (nicht nur) Spenglerschen Terminologie entspricht Kultur dem Frühling und Sommer einer Gemeinschaft, in der pulsierendes Schöpfungsvermögen in ihren Adern fließt und ihre erwachende, traumschwere Seele reifende Bewußtheit erringt. Dieses für unser Album ausschlaggebende Verständnis des Begriffes der „Kultur“ ist nicht mit dem der „Zivilisation“ gleichzusetzen. Die Zivilisation ist hingegen mechanisiert und leer; ein Zustand, in dem die Existenz bar innerer Gestalt ist. In der Zivilisationsphase bleiben die äußeren Zeichen der Kultur übrig, aber die schaffende Vitalität stagniert. <<

Wie steht ihr zu Spenglers Bewunderung von Mussolini und dem Gedanken des „Imperium Romanum“, übrigens vom Grundsatz eine These, die ja auch JK von Von Thronstahl vertritt. Gibt es da Gemeinsamkeiten in der Bewunderung dieser These?

>> Spengler hegte in der Tat eine eigentümliche Bewunderung für Mussolini, was gleichfalls für Persönlichkeiten wie Lenin und Cecil Rhodes galt. Diese Neigung muß zwangsläufig im Kontext seiner Vorhersagen angesehen werden. Anstatt eines neuen Lenzes zu prophezeihen, wie schon umgerissen, war Spengler der Ansicht, daß der Übergang von der Kultur zur Zivilisation sich im faustischen Abendland während des 19. Jahrhunderts vollzogen hatte. Mithin gab es ab diesem Punkt kein Zurück mehr. „Imperialismus“, schreibt der Schöngeist, „ist reine Zivilisation“. Er ist das „typische Symbol des Ausgangs“, dessen „verbrauchter Stoff“ tote Körper, und „amorphe, entseelte Menschenmassen“ seien. Indes der kultivierte Mensch seine Energie nach innen hat, richtet sein zivilisierte Gegenpart seine Tatkraft nach außen. Weil das Geschick des Abendlandes nach Spengler unwiderruflich in dieser Erscheinungsform, die er den „Cäsarismus der Zukunft“ nennt, liegt, erkennt er in Figuren wie die obengenannten die ersten Männer einer neuen Ära. Treu seinem Spruch „Optimismus ist Feigheit“ hat man nach seinem Befinden keine andere Wahl, als die stählerne Strenge dieses werdenden Äons zu akzeptieren. Diese düsteren Vorahnungen gipfeln in der orakelhaften Verkündung, daß die Deutschen es zu einem Goethe nicht wieder bringen werden, sondern zu einem Cäsar. Obzwar diese Omina vermeintlich von dem Einbruch einer „römischen Härte“ in die Welt künden, bin ich mir nicht sicher, ob Spengler langfristig seine Achtung vor dem Duce beibehalten hätte, falls er länger gelebt hätte. Schlußendlich starb er knapp drei Tage nach der endgültigen Eroberung Abessiniens. Meinesteils sehe ich wenig von der Glorie des Imperiums Romanum in jenem grundlosen Angriff auf einen weit unterlegegen Feind samt der Vergasung gegnerischer Zivilisten, unabhängig von der unbestreitbar hehren Ästhetik des italienischen Faschismus oder dem quasi-ständischen Ideal des Stato Corporativo. Wenn dieser Feldzug einen Sinneswandel seitens Spengler nicht verursacht hatte, hätte das spätere Bündnis zwischen Mussolini und Hitler zusammen mit seiner Truppe von „Krüppeln, Schafsgesichtern“ und „Minderbegabten“ so einen unzweifelhalt vollbracht. Ich habe weitaus größeres Interesse an dem Heiligen Römischen Reich als dem sakralen untermauerten Erbe des römischen UnterUnters unter deutscher Führung. <<
Erklärtes Ziel Lady Morphias war und ist den Menschen der Moderne, der Gegenwart, auch und gerade die Werte der Vergangenheit näher zu bringen, ihnen die kulturellen Werte der Vergangenheit ins Bewusstsein zu rufen und sie zu ihren eigenen Wurzeln zu führen. Denkst du, dass solch eine Rückführung in einer Welt, die immer oberflächlicher und konsumorientierter ist überhaupt wahrgenommen wird und dass es überhaupt Menschen gibt, die ein Interesse daran haben, sich ihrer Wurzeln zu besinnen?

>> Natürlich gibt es Menschen, die versuchen, Widerstand gegen unsere oberflächliche, konsumorientierte Gesellschaft zu leisten. Mich deucht trotzdem, daß sie oftmals von Scharlatanen und Ungeistern verlockt und entführt werden, und daß sie daraufhin auf Irrwege geraten. Unter diesen Umständen hat das alles null mit der Rückbesinnung auf die eigenen Wurzeln zu tun, wie das Wachstum der „New-Age“-Spiritualität, des islamischen Fundamentalismus und der Obsession mit einer verwässerten Version des östlichen Mystizismus beweist. Damit haben wir nichts am Hut. Selbstredend gehört es unseren Zielen, das Kulturgut der Vergangenheit – oder besser gesagt des Ewigen; das heißt, derjenigen Überlieferungen, die von immerwährenden Geltung sind – erneut ins Bewußtsein des modernen Menschen zu rufen. Die höchste Priorität räumen wir aber einer geistigen Revolution in der tiefinnersten Kammer des menschlichen Herzens ein, die eine Rückbesinnung auf den eigenen urtiefen Brunnen, die Wiederverbindung der menschlichen Seelenwirklichkeit mit dem göttlichen Funken, der in der Brust jedes Einzelnen weilt, mit sich bringen würde. Aus diesem Quell speist sich die Ganzheit des Lebens, und folglich würde alles andere – wie alles Äußere – sich gesetzmäßig daraus ergeben. Etwaigerweise würde der Mensch sich selbst wiedererkennen und die Schönheit abermals zu seiner Braut küren. Er würde die Kultur wiederum ausgraben – nicht als totes Holz, sondern er würde sie anhand von ihrem Vermächtnis neu beleben und mit lebendigem Feuer erfüllen, sodaß sie den Weg in die Zukunft weisen könnte. Er würde gewahren, wie wir eine Verantwortung der Vergangenheit sowie der Zukunft gegenüber haben, und daß diese Verantwortung Gegenwart heißt. Ihm würde der endlose Kreislauf der Äonen sich nochmals enthüllen, und er würde voll Verwunderung feststellen, daß wir Glieder einer Kette sind. Er würde eingestehen, daß wir als Menschen, die in eine bestimmte Zeit geboren werden sind, immer nur fortsetzen, was andere begonnen haben, und daß dort, wo wir abbrechen, andere unsere Arbeit aufnehmen. Der einzelne Mensch mag vergehen, aber die langen Geschlechterfolgen, die die lebenden, die toten und die noch ungeborenen Generationen in sich schließen, überdauern. Darob würde der Mensch wieder im Zauber der Geschichte leben, die Selbstsucht ins Exil verbannen und sich mithin aus der Knechtschaft des Mammons befreien. An dieser Stelle möchte ich betonen, daß es hierbei nicht ins Gewicht fiele, ob man etwa als Literat oder als Kleinbrauer tätig wäre. Eigentlich könnte man sogar Argumente dafür anführen, daß ein Kleinbrauer auf dem Land dieser Einsicht viel näher als ein Gelehrte stehe. Am Ende ringt er sich schon um die Höhe seiner Kunst, führt ein seit Jahrhunderten überliefertes Brauchtum ins Morgen, versorgt die Gemeinschaft mit einem unentbehrlichen, alchemischen Zaubertrank und trägt unterdies zur Erhaltung der Verbundenheit jenes Gemeinwesens bei. Nun; vorgeblich erkennt er das alles nicht, und es wäre ihm mutmaßlich gleichgültig. Es ist mehr wert, daß es so ist, als daß man es weiß. <<

Denkst du darüber hinaus, dass es auch Leute gibt, die vor solch einer Rückführung und Rückbesinnung Angst haben, und dabei meine ich jetzt nicht in politischer Hinsicht, sondern vor allem in überlieferter Hinsicht in Bezug auf den Zusammenhalt zwischen Mensch und Natur, in Bezug auf spirituelles Wissen, Heilkräfte aus der Natur usw.

>> Da der reine Stadtmensch allzu oft einem technokratisch-primitiven Automaten, einem urbanen Höhlenbewohner ähnelt, der nicht fähig ist, hinter den Schleier der dinglichen Welt zu schauen, versteht das sich von selbst. Immerhin wäre es nach meinem Empfinden beinahe engstirnig, diese Problematik bloß der zerbröckelnden Verbindung zwischen dem Menschen und der Natur zuzuschreiben. Wiewohl diese Trennung grundlegend ist, würde das bedeuten, diese Schwierigkeit aus der Froschperspektive zu betrachten. Der wahrhaft pantheistische respektive panentheistische Geist sucht das Göttliche in allen Dingen und spürt es solcherart in den Schöpfungen der Menschheit – gleichviel ob in der Musik, der Literatur, der Architektur, der Malerei oder der Bildhauerei – und vor allem in sich selbst zusätzlich zu der Natur. Die Divinität wohnt diesen Sachen ebenso inne, denn sie sind allemsamt von ihr beseelt. Hoffentlich hat meine Antwort auf die vorherige Frage das klargemacht. <<

Gibt es für den modernen Menschen der westlichen Welt, der weltweit vernetzt ist, der fraglos die Errungenschaften der Moderne gerne für sich in Anspruch nimmt, überhaupt eine reale Möglichkeit Natur als wahrhafte Natur zu erfahren, unter Umständen ihr in all ihrer Kraft ohnmächtig gegenüber zu stehen?

>> Stelle diese Frage mal jemandem, der mit seinem Auto im Schnee stecken geblieben ist! <<
Auf der anderen Seite frage ich mich, ob durch das gewachsene Interesse bsp. am Mittelalter hier nicht auch verklärend die damalige Realität des täglichen Lebens verdeckt wird und auch hier der Kommerz Einzug gehalten hat?

>> Sicherlich sieht manch ein Mitmensch das Mittelalter durch eine rosarote Brille, deren Farbton wenigstens partiell ein Zerrbild der Realien des damaligen Alltages wiedergibt. Außerdem läßt sich nicht verneinen, daß der Kommerzialismus sich auch in diesen Bereich langsam einschleicht, wie einige kraß geworbene Mittelaltermärkte, die jüngst auf den fahrenden Zug aufgesprungen sind, erweisen. Handkehrum sind nach meinem Dafürhalten der Großteil der Leute, die sich an dieser Sparte beteiligen, total ehrlich, aufrichtig und engagiert in ihrem Anliegen. Zudem sind die meisten sich der Realität ehemals sehr wohl bewußt. Eine Freundin von mir, die sich mit dieser Historie befaßt und Mitglied eines kleinen Grüppchens ist, das bei mittelalterlichen Spektakeln auftritt, meinte einmal, daß das, was uns heute romantisch anmutet, damals ein harter Kampf war. Offen gestanden ist meine Beziehung zum Mittelalter höchstwahrscheinlich etwas zu romantisch und ästhetisch geprägt. Jedenfalls kann ich selbst bei nüchterner Beobachtung der Romantik der mittelalterlichen Architektur und Kunst, der Lieder und Reichstheologie, oder der Kaisermystik und der höfischen Epen nicht widerstehen. Als ich das jener Freundin erzählte, erwiderte sie, daß man sich für eine romantische Auffassung des Mittelalters nicht schämen müßte. Diese zweiseitige Sicht beurteile ich als äußerst ausgewogen. Wenn die steigende Neugier in Bezug auf das Mittelalter obendrein das Wiedererwachen eines Interesses an dem Lebendigen im Vergangenen, an der Geschichte und Kultur beinhaltet – insbesondere unter Jugendlichen –, kann ich sie nur begrüßen. Selbst wenn das alles eher Schein als Sein und in erster Linie lediglich eine Mode ist, mache ich keinen Hehl daraus, daß ich Symbole wie Kreuz und Runen, die verständlicherweise des Öfteren in dieser „Mittelalterszene“ auftauchen, tausendmal ansprechender als das Dollarzeichen, das wurezellose Heiligtum des Nichts, die Verkörperung der platten Entseeltheit der Unpersönlichkeit und der Untiefe, finde. Schon das öffentliche Tragen von Symbolen, in den Ewigkeit und Göttlichkeit, in denen Tiefgründigkeit liegt, muß eine positive Wirkung haben. <<

Ich war zu Beltane bei den Externsteinen und war entsetzt darüber hinaus, wie wenig Respekt diesem magischen und spirituellen Ort entgegengebracht wurde und wie wenige sich versucht haben der Bedeutung dieses Ortes ge- und angemessen zu verhalten. Sind dies die Zeichen der Zeit, unserer heutigen Welt, sich mythischen und kultischen Orten gegenüber respektlos zu verhalten?

>> Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit. <<

Wenn ich richtig informiert bin, lebst du mittlerweile – zumindest zeitweilig – in Deutschland. Wo siehst du im Hinblick auf die vorhergehenden Fragen die Unterschiede zwischen Deutschland und England? Gibt es überhaupt Unterschiede?

>> Ich vertrete seit langem den Standpunkt, daß dem Nachkriegsengland wie dem Nachkriegsdeutschland ein gewisser „Nationalmythos“ zugrunde liegt. Die selbst ernannte tonangebende Oberschicht (etwa die Regierung) füttert und verstärkt nach wie vor diese Legende, damit das Fundament, auf dem die jeweiligen Länder erbaut sind, nicht erschüttert wird. Dieses Merkmal ist England und Deutschland gemeinsam. Der Unterschied besteht darin, daß der eine Nationalmythos „positiv“ und der andere „negativ“ ist. Das englische Selbstbild verhält sich so: Die Engländer eretteten den Globus vor der angeblich größten Gefahr aller Zeiten, nämlich dem Nationalsozialmus (korrekterweise: vor dem Hitlerismus). Darum wird jede Untat vergessen. Man könnte sogar so weit gehen, zu sagen, daß England in den Augen der Mehrheit seiner Bevölkerung nie ein einziges Verbrechen begangen hat. Die Unterjochung von zwei Dritteilen der Erde, der Sklavenhandel, zahllose Belege des Verrates und der Verheerung zählen nicht, denn England hatte ja die Welt gerettet, und letzten Endes ist der englische Lebensstil samt seiner zugehörigen Ideologie sowieso jedem anderen wesenhaft überlegen. Die deutsche Perzeption des eigenen Volkes und der eigenen Heimat leidet an derselben Krankheit, jedoch umgekehrt. Wegen zwölf Jahren Hitler müssen die Deutschen scheinbar bis das jüngste Gericht büßen. Aufgrund einer Periode, die zeitlich mit der Regierungszeit Thatchers auf der Insel vergleichbar ist (wobei ich die scheußlichen Missetaten des NS-Regimes keineswegs herunterspielen will), wird die gesamte deutsche Kultur und Geschichte verdorben und durch den Dreck gezogen. Heinrich II., Friedrich Barbarossa, der Alter Fritz; Hildegard von Bingen, Martin Luther, Angelus Silesius; Riemenschneider, Cranach, Klinger; Mozart (ein Salzburger – und seinerzeit dadurch ein Bayer; darüber hat der österreichische Staat offenbar Gedächtnisschwund), Beethoven, Wagner; Kant, Hegel, Nietzsche; Novalis, Hölderlin, Schiller, um nur einige zu nennen. Diese Großen und ihre Errungenschaften werden durch einen deutschen Masochismus von Innen sowie eine seelische Unterdrückung von Außen, wonach die Deutschen nur Unheil über die Welt gebracht haben, zunichte gemacht. Diese beiden Mythen sind im gleichen Maße zerstörerisch, und beide führen zu einer verfälschten Anschauung der eigenen Geschichte. Sie sind psychologisch ungesund, und beide Nationen bedürfen einer ausgeglichenen, vernünftigen Geschichtsschreibung, die frei von jeglicher Fälschung oder Einseitigkeit ist. Dann würden die Engländer so eine zwielichtige Gestalt wie „Bomber“ Harris nicht mehr als Held der Nation feiern. Stell Dir vor: Dieser Mann machte die steinernen und hölzernen Zeugnisse der deutschen Kultur und Geschichte dem Erdboden gleich nicht einfach, weil Fachwerkhäuser schneller verbrennen und die daraus resultierenden Feuerstürme damit mehr Zivilisten töten würden, sondern auch um den Fortbestand seiner Abteilung „Bomber Command“ selbst nach der nahezu vollständigen Zerstörung der industriellen Fähigkeiten Deutschlands zu rechtfertigen. Des Weiteren wollte er das Land nach dem Kriege nach angelsächsischem Vorbild optisch modernisieren und westernisieren, damit die Deutschen den Glanz des Mittelalters, des Barocks und so fort nicht mehr auf Schritt und Tritt erleben konnten. Nichtsdestotrotz steht um die Ecke von meiner ehemaligen Universität eine Statue von ihm, die in den achtziger Jahren errichtet worden war. Und konträr dazu dürfen die Deutschen den Vertriebenen kein Denkmal setzen! Tja, seis drum... .
Trotz allem sollte man die Situation in Deutschland nicht zu schwarz malen. In deutschen Landen lebt beispielsweise die Spur eines Gemeinschaftsgefühls, das England mindestens seit etwa 400 Jahren – oder möglicherweise von alters her – fehlt. Nach eigener Aussage steht der Mangel an Zusammengehörigkeit unter den Engländern als der größte Kulturschock, den eine in Großbritannien ansässige deutsche Freundin von mir jemals erlebt hat. Ein weiteres Bespiel: In England werden schöpferische Geister, Künstler und Akademiker verpönt und ausgelacht; in Deutschland werden solche Kulturschaffenden noch heute mehr oder weniger als wertvolle Glieder der Gesellschaft angesehen. Diese Einzelheiten mögen belanglos wirken, aber das Leben besteht ja aus angehäuften Kleinigkeiten!
Darüber hinaus nehme ich vorweg in der Sphäre des Kulturellen Verschiedenheiten wahr. Ich bin felsenfest davon überzeugt, daß die deutsche Kultur einen unvergleichbaren und einzigartigen Diskurs mit dem Metaphysischen führt – oder zumindest einst führte. In der heutigen Zeit greift die angloamerikanische Vergötzung des Geldes in allen Herren Ländern eisern um sich, und dabei bildet Deutschland keine Ausnahme. Die Vermählung des englischen Händlergeistes, der wiederum zum Nützlichkeitsdenken und der Apotheose der Wirtschaft führte, mit dem französischen Konzept des sekulär-zentralisierten Nationalstaates einschließlich der Revolution von 1789, die in jakobinische Blutgier mündete, zeugte den Amerikanismus, in dem die entgeistigte Leere des englischen Geldmarinismus und des Egoismus der französischen Atomisierung ihren Endausdruck finden. Dieser Zeitgeist, der Wirtschaft und Wissenschaft vergöttlicht, beherrscht jetzt den ganzen Erdball. Demgemäß erscheint mir der Löwenanteil der anglophonen Kultur und Historie vornehmlich von einem seelenlosen, lebensverneinenden Rationalismus und der Vorherrschaft des Mammons geprägt zu sein. Dies stimmt namentlich in Hinblick auf die Ära, die seit der Gründung des Empires aufgewachsen ist. Ich kann für die Doktrinen von Theoretikern wie Jeremy Bentham, John Stuart Mill oder Adam Smith, die in unserer Epoche um ein Beträchtliches den Ton angeben, keinen Enthusiasmus aufbringen. Wenngleich es derweilen ein paar edle Ausnahmen gegeben hat, hat die englischsprachige Welt nach meinem Dafürhalten die metaphysische Immanenz des Seins weitgehend ignoriert oder abgelehnt. Anstelle der Seelenhaftigkeit bevorzugt sie eine flache Vergötterung der Stofflichkeit (d. h.: Materialismus) und die kalte, rechnerische Überrationalisierung des Lebens.
Im Kontrast dazu stehen die deutsche Romantik, der Idealismus, die Lebensphilosophie und die Innerlichkeit mit meiner seelischen Veranlagung und meinen Prioritäten in harmonischem Einklang. Aus den quasi-pantheistischen Predigten Meister Eckeharts und den Fugen Bachs; aus den Holzschnitten Albrecht Dürers wie dem goetheschen Glauben ans Leben als organische Einheit spricht ein Geist, der das Übersinnliche hochachtet und die Göttlichkeit in aller Kreatur, in der Totalität der Erde sucht. Der Autor Friedrich Hielscher postuliert, daß die „deutsche“ Seele Gott in allen Dingen findet. Für ihn ist die „Deutschheit“ doch keine Nationalität, sondern ein metaphsysisches Lebensgefühl und Wirklichkeitsauffassung. Dieses Suchen nach dem Ewigen, das Streben nach dem Erhabenen, ist – so Hielscher – das, was das „Deutsche“ ausmacht. Da es sich somit um eine spezifische Betrachtungsweise handelt, sei ein Finanzier, der die Dinge bloß nach den Kriterien von Gewinn und Verlust einsehen kann, kein wahrer „Deutscher“, wiewohl er in Deutschland geboren worden wäre und seine deutsche Abstammung sich bis in die Ferne zurückfolgen ließe. Ähnlicherweise können die tiefen, metaphysischen Werte der „Deutschheit“ in einem „Engländer“ wie Shakespeare zutage treten, obgleich eine derartige Erscheinung laut Hielscher selten sei. Fürwahr, im Vergleich zu der Anerkennung des Spirituellen und dem Bekenntnis zum Göttlichen sind Hielscher geographische oder sonstige hylische Bindungen unbedeutend. Als ich mich über diese Thematik einem leicht älteren Kameraden gegenüber äußerte, teilte er mir mit, daß sein Großvater genauso dachte. „Das war das typisch deutsche Denken“, behauptete er. „Mein Opa hätte diese Salzstangen zur Hand genommen und Dir gesagt, was von dem Metaphysischen, was von Gott drin sei“. Ob im Religiösen, in der Dichtung, in der bildenden Kunst, der Bau- oder Tonkunst, scheint die deutsche Kultur in ihrer Gesamtheit dem Elementaren, dem Magischen und dem Göttlichen die ihnen angemessene Beachtung zu schenken. Um diese Überlegungen in einem Satz zusammenzufassen, nehme ich mir die Freiheit, einen Zeitgenosse Hielschers, Edgar J. Jung, der am 30. Juni 1934 ermordet wurde, zu zitieren: „Die Besonderheit des Deutschtums liegt in der außerordentlichen Stärke der übersinnlichen Quellen“. <<


Ihr habt in den letzten Jahren viel mit Werkraum zusammen gearbeitet. Was habt ihr aus dieser Zusammenarbeit für Lady Morphia mitnehmen können?

>> Aus der Zusammenarbeit mit Werkraum habe ich einige wunderschöne, unvergeßliche Erinnerungen, eine Handvoll von unübertrefflichen Nummern und vor allen Dingen eine noch verfestigte Freundschaft mitnehmen können. Auf meine Teilnahme an Veröffentlichungen wie „Unsere Feuer brennen!“ und „Kristalle“ bin ich unermeßlich stolz. <<

Welche weiteren Pläne werdet ihr mit Lady Morphia verfolgen? Wird es bsp. Konzerte geben, ein neues Album, weitere Kollaborationen mit anderen Künstlern?

>> Im Grunde ist das nächste Lady Morphia-Album seit einer Weile geschrieben, wenn auch exklusiv in meinem Kopf. Das zu verwirklichen, wird aber noch einige Jahre dauern, denn erfahrungsgemäß sind die Geburtswehen eines derartigen Werkes üblicherweise von ansehnlicher Länge. Andernfalls halte ich zig neuen Kompositionen bereit, und wir müssen uns einstweilen auf unsere Beteiligung an dem bevorstehenden Werkraum-Langspieler orientieren. Um Konzerte zu ermöglichen, müßten wir voraussichtlich andere Musiker aufspüren, diese dann die Lieder belehren, Backing-Tapes zusammenbasteln und so weiter. Erst dann könnten wir proben. Weiters muß ich zugeben, daß ich Auftritte normalerweise ungeheuer stressig finde, und ich müßte mir selbst überlegen, ob ich überhaupt spielen wollte. Für mich kommt so etwas immer einer riesengroßen Selbstüberwindung nahe. Wenn die Umstände richtig und die Vorzeichen günstig wären, und nicht zuletzt wenn wir genügend Vorwarnung hätten, sähe ich doch keinen unüberwindbaren Hinderungsgrund für eine Darbietung des Albums auf der Bühne. <<
http://www.gla.ac.uk/~dc4w/lmorphia/
Michael Kuhlen


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