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Specials :: Lyrics in Met ....

Lyrics in Metal & Rock: ROGER WATERS
Musik ist Konsum. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sie nicht den Intellekt anzusprechen vermochte. Jenseits komplizierter Rhythmen und notenschwangerer Soli delektieren sich seit Jahrzehnten Legionen Fans an einem nichtsdestotrotz oft vernachlässigten Aspekt populärer Musik: den Songtexten ihrer Favoriten. Nicht selten sind es gerade diese, die aus Sympathie Enthusiasmus werden lassen. Daher widmen sich die Redakteure des obliveon in unserer Kolumne "Lyrics in Metal & Rock" ihren Lieblingstextern. Vorhang auf für...ROGER WATERS!

Er ist soeben 75 Jahre alt geworden, hat 2017 endlich mal wieder ein neues Album namens „Is This The Life We Really Want?“ herausgebracht und gibt sich auch auf diesem ’Spätwerk’, nach vielen Jahren ohne neue Kompositionen, einmal mehr als streitbarer, angriffslustiger, hochpolitischer, anklagender Geist. ROGER WATERS, das kreative, konzeptionelle Songwriting-Genie, zeichnet für Großtaten wie „The Wall“, „Wish You Were Here“, „Animals“ oder „The Final Cut“ hauptsächlich verantwortlich, womit ich mit dieser Aufzählung tatsächlich meine vier persönlichen Pink Floyd-Meisterwerke angeführt habe. In meiner Top5 wäre dann wahrscheinlich noch „Meddle“ zu finden (wegen „Echoes“ und „One Of These Days“) und - ich gebe es gerne zu - ich stehe tatsächlich nicht allzu sehr auf „Dark Side Of The Moon“. Kann ja auch mal nebenbei erwähnt werden. WATERS war bei Pink Floyd der Songwriter mit der Sicht für das große Ganze, der Visionär mit dem Blick für das übergreifende Konzept, der Mann mit den entscheidenden vier Akkorden und der großartigen Hookline sowie - nicht zuletzt - der Schreiber mit dem Gespür für die richtigen Worte. Für mich besteht seine große Kunst darin mit einfachen Worten Episches, Elementares, Tiefgreifendes auszudrücken und dabei niemals die Grenze zum Kitsch zu überschreiten, wenngleich Pathos ein stetiger Begleiter seiner Liedtexte war.

Sein Drang sich mitzuteilen und auszudrücken, seine Ideen und Konzepte nährten sich dabei zumeist von den immer gleichen Quellen und thematisierten in unterschiedlicher Form Erfahrungen, Gefühle und Themen, die sein Leben prägten: der frühe Verlust des Vaters im 2.Weltkrieg, Machtmissbrauch, Entfremdung und Isolation, das Infragestellen von Autoritäten und politischen Systemen. Zu den großen Widersprüchen seiner Persönlichkeit zählt allerdings auch, dass er sich, zeitlebens gegen Kontrolle, Überwachung und Autoritäten auflehnend, in seiner eigenen Band über Jahre hinweg als richtungsweisende Instanz erhebt und seine Visionen ohne Rücksicht auf das Bandgefüge beinahe diktatorisch vorantreibt. Hierdurch sind meines Erachtens zwar einige der größten Rock-Werke aller Zeiten (s.o.) entstanden, aber der Clash der Egos führte ebenso unweigerlich zur Zersplitterung der Band und vor allem ihrer beiden hauptsächlichen Protagonisten Waters und Gilmour.

Lyrisch ist WATERS für mich schlichtweg ein Genie. Kompositorisch ebenfalls, aber schließlich ist das hier eine Lyrik-Kolumne. Neben seiner eigenen Erfahrungswelt ließ sich ROGER WATERS häufig von Literatur beeinflussen. Kein Künstler schafft im luftleeren Raum und wer „Animals“ für eine bahnbrechende konzeptionelle Neuschöpfung hält, hat wahrscheinlich niemals George Orwell gelesen. Auch im späteren Verlauf seiner Karriere machte WATERS keinen Hehl aus zugrundeliegender Inspiration, sein gutklassiges Solowerk „Amused To Death“ aus dem Jahre 1992 bezieht sich nicht nur im Titel eindeutig auf das bekannteste Werk des Kommunikationswisschenschaftlers Neil Postman („Amusing Ourselves To Death“) .

>> “Hey you, out there on your own, sitting naked by the phone, would you touch me? Hey you, with you ear against the wall, waiting for someone to call out, would you touch me? Hey you, would you help me to carry the stone? Open your heart, I´m coming home. But it was only fantasy. The wall was too high, as you can see. No matter how he tried, he could not break free. And the worms ate into his brain.” << Zum Abschluss also mal ans Eingemachte, an lyrische Zeilen, die das Genie WATERS’ widerspiegeln, sein untrügliches Gespür Überlebensgroßes in kleinen Zeilen und simplen Worten mitzuteilen. >> „Do you remember me? How we used to be? Do you think we should be closer?” << Wo sich andere auf der Suche nach eindringlichen Worten verzetteln trifft Waters mit einfachen Schlüsselzeilen direkt ins Herz. Mit Akustikgitarre, wenigen Akkorden und grandiosen Passagen wie >> “Tell me true, tell me why was Jesus crucified, is it for this that Daddy died? Was it for you? Was it me? Did I watch too much T.V.? Is that a hint of accusation in your eyes?” << weiß der grandiose Komponist auch heute noch Schauer über (meinen) Rücken zu jagen. Man braucht keine umfassenden Englischkenntnisse, um den Großteil seiner verwendeten Worte auch als Nicht-Muttersprachler unmittelbar greifen zu können. Dieser Autor muss sich nicht hinter komplizierten Luftschlössern ohne Inhalt verstecken, er trifft Dich direkt in Herz, Kopf, Verstand, Magengrube und Seele. >> „You know that I care what happens to You, and I know that You care for me. So I don´t feel alone, or the weight of the stone. Now that I´ve found somewhere safe to bury my bone. And any fool knows a dog needs a home, a shelter from pigs on the wing.” <<

So könnte ich seitenweise weiter machen, die Reihen füllen mit Zeilen, Strophen, Aphorismen, die bewegen, berühren und für mich (und viele andere) wie selbstverständlich zu Lebensbegleitern geworden sind. Ohne die genialen Konzepte und die grandiose Lyrik, bei der man sich als Hörer / Leser sicherlich nicht für Tränenfluss schämen muss (muss man sowieso nicht...), wäre nämlich gar eine Koryphäen-Band wie Pink Floyd nur die Hälfte wert. Und manches ist eh größer als die Summer der verschiedenen Teile.

PS: Von welchem Planeten stammt WATERS eigentlich?
Christoph Lücker


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