Obliveon - Metal und Gothic Webzine
 :: Suchen 

 :: Obliveon.de
· Home
· MySpace
· Links

  Info...
· FAQ
· Kontakt
· Impressum
 

 :: Magazin
· GESAMT
· News
· Interviews
· Konzert/Festivals
· Specials
· Foto Galerie

 :: Reviews
· GESAMT
· CD Reviews
· CD Import
· Eigenpressungen
· White Metal
· DVD/Video
· Bücher/Magazine

Live in Concert :: IRON MAIDEN & ....

IRON MAIDEN ‒ KILLSWITCH ENGAGE, 13.06.2018, BERLIN ‒ WALDBÜHNE


BERLIN ‒ WALDBÜHNE

13.06.2018
Wenn die auf ewig großartigste Metal-Band im Rahmen ihrer "Legacy Of The Beast"-Tour mit einer Nostalgie-Setlist lockte, musste dem Ruf selbstredend Folge geleistet werden. 2013 hatte ich wegen der Geburt unserer Tochter den Besuch des Gigs in Oberhausen abblasen dürfen, doch nun stand an jenem, nach der Hitze der letzten Wochen erfrischend kühlen, Frühsommerabend ungetrübten old school-Freuden nichts im Wege. Außer dem Verkehr auf dem Berliner Stadtring natürlich, aber auch diese Hürde wurde trotz aggressivster Hauptstädterattacken genommen.

Die an diesem Abend nicht ganz ausverkaufte, wunderhübsche Waldbühne als solche (der Begriff "altehrwürdig" geht einem aufgrund ihrer Historie nicht so recht über die Lippen) ist so etwas wie das perfekte Konzert-Location: die Tribünen des Amphitheaters wurden steil in den Hang geschnitten, sodass beste bis sehr gute Sicht von allen Plätzen gewährleistet ist. Lediglich die Sanitäranlagen (wer ganz unten steht muss, um die Notdurft verrichten zu können, nach ganz oben stapfen) sowie die Preispolitik (5,50 Euro für einen halben Liter norddeutscher Plörre sowie gepfefferte Essenspreise) lassen zu wünschen übrig. Aber auch Maiden selbst langten wieder deftig zu: 70 Euro für einen Zipper, 35 für ein Shirt, 20 für eine Flagge – erstaunlich zu sehen, wie viele Besucher sich von derlei Wucher nicht abschrecken lassen.

Ein weiterer Kritikpunkt ist für mich die Wahl des Support-Acts: nicht zu Unrecht hat Jarvis Leatherby kürzlich angemahnt, dass Harris & Co. durchaus dem Nachwuchs wie eben Night Demon als Szenepaten einmal die Möglichkeit bieten sollten, sich vor einem großen Publikum zu beweisen. Killswitch Engage sind bereits eine etablierte Größe, und ihr Sound passte nicht wirklich zu dem, was der Headliner kurz darauf auf die Bretter zauberte. Wie dem auch sei, eine schlechte Figur machten die Amerikaner nicht. Sänger Jesse Leach führte seine Mitstreiter mit modischem Iro und ebensolcher Jeanskluft durch einen kurzweiligen Gig, der naturgemäß einen Querschnitt durch die Alben der Metalcore-Vorreiter bot. Neueres Gedöns der Marke "Hate By Design" oder die Schmonzette "Always" kamen dabei bei den handverlesenen Followern ebenso gut an wie die Hits des Signature-Albums "The End Of Heartache" (von dem der Titeltrack, "A Bid Farewell" sowie "Rose Of Sharyn" zum Zuge kamen). Ich selbst bin Howard Jones-Fan und vermisse dessen im melodischen Bereich deutlich kräftigere Stimme, und tatsächlich fiel auf, dass Leachs Performance bei den Songs aus seinen beiden Bandphasen ("Life To Lifeless" und "My Last Serenade" gab es für Fans der zweiten Stunde) deutlich souveräner geriet. Adam Dutkiewicz watschelte unbeholfen-unkonventionell wie eh und je über die Bühne, Basser Mike D´Antonio poste mit seinem überdimensionalem Arbeitsgerät nach Kräften, aber so recht überspringen wollte der Funke nicht. Eine Handvoll Devotees vor der Bühne moshte derbe ab und forderte beim Mixer lautstark nach mehr sonic speed, aber nach dem Dio-Cover "Holy Diver" war man dennoch froh, dass nun die Meister ihres Fachs bald die Bühne betreten würden.
Da die Waldbühne unweit eines Wohngebiets gelegen ist, feuerten Maiden bereits um 20 Uhr nach moderater Umbaupause die ersten Salven ins halbweite Rund. Und wie! Eine vor mir stehende kleine Kolonie Südamerikaner ging bereits beim Opener "Aces High" derart steil, dass einem angst und bange werden konnte. Aufgrund der ausgeklügelten, opernhaften Bühnenshow gab es in Sachen Setlist natürlich keinerlei Überraschungen zu vermelden, aber wen stört das schon, wenn auf ewig heilig gesprochene Kulturgüter wie "Revelations", "Hallowed Be Thy Name" (für mich DER Metalsong schlechthin), "2 Minutes To Midnight" oder "The Trooper" (mit 3m-großem Eddie im Säbelgefecht mit Dickinson) von einer in sehr guter Form aufspielenden Band zum Besten gegeben werden?

Vom Urteil "sehr gut" ist ein Akteur ausdrücklich auszunehmen: Bruce Dickinson. The Bruce war nämlich schlicht und ergreifend perfekt! Nicht nur, dass er sang wie ein 30jähriger auf dem Zenit seines Könnens, er war auch agil wie ein 20jähriger und brillierte als schauspielernder Entertainer in unterschiedlichen Rollen zwischen Komödie und Phantom der Oper-artigem Musical (ja, selbst das von ihm in Pestmaske intonierte und mächtig abgefeierte "Fear Of The Dark" war an diesem Abend mal wieder erträglich). Angesichts seiner gesundheitlichen Probleme in den letzten Jahren eigentlich unfassbar! Listening is believing.
Vom Heiligen Gral des Heavy Metal, den ersten sieben Studiowerken, blieben "Killers" sowie "Somewhere In Time" unberücksichtigt, dafür wurde von "Piece Of Mind" mal wieder "Where Eagles Dare" ausgepackt, und Harris hat sich offenbar breitschlagen lassen, das von ihm ungeliebte "Flight Of Icarus" endlich mal wieder zu akzeptieren ‒ als Gegenleistung dafür schafften es mit "The Clansman" (überraschender Weise ein Highlight) und "Sign Of The Cross" (nicht überraschend dito) zwei seiner Bayley-Epen in die Setlist. Die Band an sich leistete sich einige Timingschwankungen (McBrain hatte nicht seinen allerbesten Abend erwischt: "Sign Of The Cross" sowie "The Evil That Men Do"), die Dickinson jedoch souverän übersang. Nichtsdestotrotz steigerte sich die Stimmung zusehends auf Ruhrpott Derby-Niveau, nicht zuletzt aufgrund der üppigen Show, die von der Spitfire in "Aces High" über die Feuersäulen während "Sign Of The Cross" und dem überdimensionalen Ikarus bis hin zum riesigen Eddie-Medusaschädel bei "Iron Maiden" keinerlei Wünsche offen ließ, dabei aber nie vom eigentlichen Star, den Songs, ablenkte. Die Sechssaiter (naja, an Gers´ Hampeleien werde ich mich auch nie gewöhnen) leisteten sich den Luxus, bei den Soli ein wenig zu improvisieren, um die Songs für sich frisch zu gestalten – geschenkt, auch wenn der Gitarrensound gerade im Rhythmusbereich etwas transparenter hätte abgemischt werden dürfen. Und es ist spannend zu sehen, dass Harris selbst auf der Bühne immer wieder die Wangen einzieht, um (ähnlich wie im Booklet zu "A Matter Of Life And Death") jünger zu wirken. Haste immer noch nicht nötig, "Alter"! Interessant zu beobachten war noch, dass "For The Greater Good Of God", der jüngste Song in der Setlist, von vielen zum Erklimmen des Sanitärgipfels genutzt wurde, während der andere Song aus den nuller Jahren, "Wicker Man", mit die euphorischsten Reaktionen erntete (in diesem Zusammenhang: der immer derber werdenden Pitaktion selbst bei solch traditionellen Bands kann ich wenig abgewinnen).

Nach der letzten Zugabe "Run To The Hills" herrschte in der Waldbühne noch minutenlang Stadionstimmung, bevor glückliche, aber auch nicht selten um viele Penunzen erleichterte Fans sich in den kühlen Abend verabschiedeten und schnell von den Straßen Berlins verschlungen wurden. Schauen die Jungs nochmal mit ähnlicher Setlist bei uns vorbei, bin ich wieder dabei. Wer weiß schließlich, wie lange man Maiden noch in Topform erleben darf...
Patrick Müller - Pics: Patrick Müller


[ Zurück zum Index ]
 

[ Unsere Webseite weiterempfehlen ] [ Impressum ] [ Seitenanfang ]

© Oblivion 1998-2002 Alle Rechte vorbehalten

Haftungsausschluss/Disclaimer

technisches Konzept, Programmierung & Webdesign by M. Koschinski / C. Fessler