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obliveon :: METALLICA / G ....

METALLICA / GHOST / BOKASSA, 18.08.2019, Prag - Airport Letnany


Prag - Airport Letnany

18.08.2019
Prag ist immer wieder eine Reise wert. Wer eine der ohne Frage schönsten und geschichtsträchtigsten Städte Europas noch nicht für sich entdeckt hat, sollte dies möglichst bald ändern. An diesem heißen Spätsommernachmittag hatte ich jedoch wenig Sinn für die Kulturgüter der tschechischen Hauptstadt, sondern freute mich auf den Besuch der mit Abstand größten Metalband der Welt. Steht man nach relativ problemloser Anfahrt (auch wenn die Parksituation rund ums Gelände äußerst suboptimal ist) jedoch einmal im Menschenmeer vor der Bühne, kann einem die Freude schnell vergehen: zu spät gekommene bestrafte das Gelände mit einer gefühlten Distanz von einem halben Kilometer zur gigantischen Bühne, und selbst der Genuss tschechischen Bieres kann angesichts schnöder Plastikbecher (für deren Befüllung man zudem 20 Minuten anstehen musste) nicht für den Mangel an Aussicht entschädigen.

Nun denn, Augen aufgerissen und durch. Ghost bei 32 Grad in der Spätnachmittagssonne sind ein zweischneidiges Schwert. Der zum Kardinal degradierte Papst machte das Beste aus der Situation und feuerte einen unbedingt hitlastigen Set in die Menge, der von einem mächtig posenden Gefolgschaft auf der Bühne mitgetragen wurde. Diese "Band" will fühlbar noch viel höher hinaus, und wenn man bedenkt, dass ich die Schweden noch vor nicht ganz neun Jahren in Würzburg ihren ersten Gig vor vielleicht 150 Nasen absolvieren sah, kann man nur von einer beeindruckenden Entwicklung sprechen. Denn mit Songs wie "Rats", "Cirice", "From The Pinnacle To The Pit", "Mummy Dust" oder dem ollen Feger "Ritual" kann man zumindest theoretisch vor einer solch gigantischen Crowd bestehen, auch wenn die Reaktionen des zahlreich erschienenen Eventpublikums (diese verschissenen Handyfilmchen...) eher verhalten ausfielen, nicht zuletzt weil der Sound auf dem in der Nähe eines Wohngebietes gelegenen Geländes zwar klar aber auch recht leise ausfiel. Der Kardinal lies sich nicht beirren und hielt seine bösartige Messe souverän ab, animierte den Mob immer wieder, sodass nach dem Hit "Square Hammer" die Arme artig gen Himmel gestreckt wurden.

Punkt acht Uhr ging die Sonne hinter den Hochhäusern Prags unter und Ennio Morricones altbekanntes Intro sorgte auf dem Flugplatz für gespannte Erwartung. Als "Hardwired" schließlich rasant aus den Boxen schlug, war die Ernüchterung erst einmal groß: Der Sound klang wie aus der Stereoanlage meines ollen Corsa, sodass man sich problemlos hätte unterhalten können. Grotesk. Die Band klang für ihre Verhältnisse dennoch gut eingespielt und sorgte mit dem anschließenden "Memory Remains" erstmals für echte Reaktionen im Publikum, auch wenn der noch immer leise Sound echte Jubelstürme im Keim erstickte. Die Show war jedoch schlicht gigantisch. Auf der wohl 60 Meter breiten Bühne wurde das Geschehen auf gigantischen Leinwänden mit Videoclips untermalt, immer wieder flammten Pyros auf oder zuckten Lichteffekte ins Dunkel. Beeindruckend.

Auffällig war sofort, dass insbesondere die Songs des Schwarzen Albums ("The Unforgiven"!) als auch des letzten Langdrehers ("Here Comes Revenge" war überraschender Weise ein Höhepunkt, ebenso "Moth Into Flame") enthusiastisch begrüßt wurden, während Klassiker des Kalibers "Ride The Lightning" eher Höflichkeitsapplaus ernteten. Gerade Menschen aus dem ehemaligen Ostblock scheinen mit dem unmittelbar nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs erschienen Black Album wohlige Erinnerungen zu verbinden. Das bereits erwähnte Eventpublikum kennt eh nur diese Nummern... Statt "The God That Failed" kam in Prag "Harvester Of Sorrow" zum Einsatz, ich selbst hätte ersteren Song gerne anstelle von "The Day That Never Comes" gehört, das eh nur einen Abklatsch des selbstredend ebenfalls zum Einsatz gekommenen "One" darstellt. Das unsägliche "St Anger" sollte man endgültig ad acta legen, denn "Frantic" wurde zum ultimativen Downer des Abends.

Metallica agierten über die gesamte Spielzeit agil, aber von echter Tightness konnte nicht die Rede sein. Hetfield sang ok, war aber stimmlich leicht angeschlagen, Hammett hatte mit den cleanen Parts von "The Unforgiven" hörbar Probleme, seine Soli saßen jedoch im großen und ganzen. Trujillo pumpte souverän, aber der Umstand, dass er eher selten auf der Leinwand auftauchte zeigt, dass auch er nur das fünfte Rad am Wagen ist. Ulrich tut sich bei schnelleren Kalibern wie "Creeping Death" eh schwer, und tatsächlich pulverisierte man dessen Arrangement im Mittelteil auch kakophonisch (auch wenn die Gitarren endlich viehisch sägten). Das inzwischen bekannte Zwischenspiel Trujillos und Hammets, bei dem man sich landestypische Preziosen vornimmt und das Publikum zum Mitsingen animiert, muss man mögen... Für Tschechen evtl. ein Highlight. Mit zunehmender Spieldauer wurde der Sound lauter, aber von einem differenzierten Klangbild kann nicht die Rede sein, denn dafür war insbesondere die Kickdrum deutlich zu laut.

Mit der Zugabe "Spit Out The Bone" wurde es nochmal heftig, bevor die obligatorischen "Nothing Else Matters" sowie "Enter Sandman" die nach Hits dürstende Meute in einem knallbunten Feuerwerk nach knapp 2 1/2 Stunden vom Flughafen spuckten. Als Fazit bleibt hier, dass Gigs dieser Größenordnung nur dann Sinn machen, wenn der Frontmann sich in ständige Interaktion mit dem Publikum begibt, und gerade in dieser Hinsicht war Hetfield an diesem Abend etwas mundfaul. Dennoch bleibt unterm Strich ein guter Gesamteindruck zurück, gerade auch, weil der Eintrittspreis hier mit 60 Euro vergleichsweise moderat ausfiel. Jedoch: Maiden würde ich mir mit einer ähnlich ausgewogenen Setlist jederzeit erneut anschauen, bei Metallica würde ich arg ins Grübeln geraten...
Patrick Müller - Pics: Patrick Müller


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