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obliveon :: FISH

FISH


Zeche Bochum

30.10.2018
Jeder Hauptact braucht auch eine Vorgruppe, die das Publikum auflockert und für den Headliner präpariert. Diese Aufgabe übernimmt an diesem Abend DORIS BRENDEL, die bereits in den 90er Jahren, unter anderem auch mit MARILLION, unterwegs war. Irgendwie wurde anscheinend auch Derek auf sie aufmerksam und jetzt ist sie Besatndteil der „Weltschmerz“-Tour des ehemaligen MARILLION-Sängers.

Der erste kleine Schock an diesem etwas stürmischen Abend ist die Tatsache, dass man in der ´Zeche´ wahrscheinlich zugunsten der gewollten Bühnen- und damit Künstlernähe der Fans auf den obligatorischen Fotograben verzichtet hat. Fotos von verschiedenen Seiten der Bühne sind damit passé, denn ein sich durcharbeiten durch die Menge ist nicht möglich, da die heutige Show ausverkauft ist.

Um kurz vor Acht betritt Doris mit ihren Musikern die Bühne, die ihre Kleidung dem Steampunk angelehnt haben und damit dem Publikum auch optisch etwas bieten. Zwei neue Musiker, erfahren wir im Laufe des Auftritts, sind mit dabei, wobei der neue Keyboarder sogar ein echter Zen-Meister sein soll.
Der Folk Pop Rock mit leicht progressivem Einschlag kommt sehr unterhaltsam und fesselnd rüber, was von Doris maßgeblich unterstützt wird. Durch ihre roten Haare und als Sängerin eh im Fokus, holt sie immer wieder ihre Flöte aus dem am Mikroständer befestigten Köcher und erweitert so den Klangkosmos. Mit ihren Laserhandschuhen sorgt sie für ein besonderes Lichtspiel und verleiht dem Auftritt einen leichten Jahrmarkttouch. Zwischen den Songs spricht die Sängerin mit dem Publikum, überwiegend sogar auf Deutsch, was ihr weitere Pluspunkte einbringt. Sie mag wohl auch gerne Späße, denn das Publikum wird aufgefordert, bei einer Ansage ihres Bassisten lauthals zu gähnen. Spässle gemacht. Nach rund 45 Minuten ist der Auftritt vorbei, das Publikum spendet ehrlichen Applaus und wird dem Aufruf, nach dem Konzert den Support zu supporten, sicherlich gerne Folge leisten. Immerhin gibt es ein spezielles Angebot, denn 3 CDs sind für einen schlappen 20er zu haben. (RB)

Setlist DORIS BRENDEL:
Losing It
Latest Fantasy
Slap Me And You Die
A Little Act of Defiance
Adored
The One
FISH geht also auf „Weltschmerz“-Tournee und das dazugehörige Album ist noch lange nicht fertig, da sich im Kompositionsprozess auf einmal Ideen für ein Doppelwerk ergeben haben und die VÖ somit auf Mai 2019 verschoben worden ist. Macht aber nix, Aufhänger der Tour ist ja zudem die Komplettaufführung des Klassikers „Clutching At Straws“, dem meiner bescheidenen Meinung nach besten Marillion-Album der FISH-Ära. Eine EP namens „A Parley With Angels“ mit drei neuen Tracks wird ebenfalls parallel zur Tour ausgekoppelt und dürfte manchem Fan als Souvenir des Abends dienen. In Bochum ist die „Zeche“ bereits im Vorfeld ausverkauft, da der altehrwürdige Club aber anscheinend nicht mehr bis unters Dach vollgestopft wird, bleibt es im geschätzten dreistelligen, hohen Hunderter-Bereich. Das war mal anders (Mann, war die Bude früher schon mal übel voll...) und dank der über die Jahre erfolgten Umbauten sind Beinfreiheit und der Faktor des Durchkommens völlig ok. Apropos Jahre, ich habe die U40 zwar ebenfalls einige Jährchen hinter mir, zähle im Auditorium aber wohl eher zum jüngeren Semester. Augenscheinlich möchte die Ü50-Neoprog-Fraktion eine Platte ihrer Jugend feiern und / oder hält dem Schotten seit Jahrzehnten die Treue. Meine letzte Konzertbegegnung mit Derek William Dick datiert dagegen zurück bis in die erste Hälfte der Neunziger; will sagen: ich habe die Diskographie weiterhin verfolgt, nicht aber die Konzertreisen des hoch gewachsenen, Mikrohelden teilnehmend wahrgenommen.

Leider kann mich die Show nicht vollends überzeugen, so viel vorweg. „Clutching At Straws“ wird komplett, aber nicht chronologisch gespielt und von „Weltschmerz“-Tracks flankiert, was ich persönlich erst mal für eine gute Idee halte. Die neuen Songs sind ok, aber nicht auf Anhieb überzeugend, schon gar nicht mitreißend, weil zum Teil einfach deutlich zu lang bzw. langatmig arrangiert. Die Tracklänge scheint nicht unerheblich durch den Text vorgegeben und da hat FISH als Singer//Songwriter mitunter einiges zu erzählen, wenngleich ich mich tatsächlich nicht des Eindrucks erwehren kann, dass die Lyrik mittlerweile eine bedeutsamere Rolle spielt als die Musik. Zugeschnitten sind die Kompositionen auf den mittlerweile doch deutlich limitierten Stimmumfang des Barden. Klingt manchmal eher nach Rezitieren und Sprechgesang. Der reduzierte Stimmumfang, tonal wie emotional, macht es mir vor allem aber nicht leicht die „Clutching At Straws“-Klassiker vollends zu genießen. Ich erwarte ja keine Reproduktion, aber das klingt mir dann doch alles zu gequält. Die Platte verursacht auch nach vielen Jahren bei jedem weiteren Hördurchgang Gänsehautmomente, diese Live-Performance schafft das zu keiner Zeit. Der Großteil der Fans scheint dies allerdings deutlich anders zu sehen, ob aus Nostalgiegründen, beinhartem Fan-Dasein oder weil die gesangliche Leistung FISHs dem entspricht, was auch die letzten Tourneen zu bieten hatten und somit weniger Überraschungsmomente vorhanden sind als beim Rezensenten, vermag ich nicht zu beurteilen. Das Auftreten FISHs dagegen schon: es pendelt zwischen den Polen tapsig-sympathisch bis hin zu einigen wenigen negativ konnotierten Momenten. Die Aversion gegen Handyfilmer spricht mir noch aus der Seele, warum einzelne Zwischenrufe, nix Wildes („Play music“ oder spezifische Songforderungen), zu Mittelfinger und ’Whanker’-Beschimpfung führen, erschließt sich mir dagegen nicht. Bühnenerfahrung und Alter führen anscheinend nicht zu Gelassenheit... hätte jedenfalls deutlich souveräner gelöst werden können.

Der Sound ist gut, klang beim Support aber tatsächlich druckvoller und ausgewogener, im ersten Teil des Sets ist die Gitarre zum Teil leider - zumindest auf der linken Seite - zu leise, was der Mischer erst nach einer guten Dreiviertelstunde ausgleicht. Die Band ist zweifellos versiert, technisch sauber und agiert auf dem Niveau einer guten Cover-Truppe, die Melodieführung bzw. der Ton eines Steve Rothery bleibt aber selbstredend unerreicht. Dies soll jetzt alles nicht zu negativ klingen, mehr als ok war die Show aber wahrlich nicht. (CL)
Setlist FISH:
01. Slain The Mhath
02. Man With A Stick
03. Medley
3.01 Hotel Hobbies
3.02 Warm Wet Circles
3.03 That Time Of The Night
04. Little Man What Now
05. Torch Song
06. White Russian
07. Just For The Record
08. C Song
09. Going Under
10. Sugar Mice
11. Waerley Steps
12. Last Straw

Encore:
13. Tux On
14. Incommunicado
Christoph Lücker (CL) / Robert Buder (RB) - Pics: Robert Buder


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