Obliveon - Metal und Gothic Webzine
 :: Suchen 

 :: Obliveon.de
· Home
· MySpace
· Links

  Info...
· FAQ
· Kontakt
· Impressum
 

 :: Magazin
· GESAMT
· News
· Interviews
· Konzert/Festivals
· Specials
· Foto Galerie

 :: Reviews
· GESAMT
· CD Reviews
· CD Import
· Eigenpressungen
· White Metal
· DVD/Video
· Bücher/Magazine

obliveon :: RAY WILSON, 0 ....

RAY WILSON, 01.12.2017, BOCHUM - CHRISTUSKIRCHE
Liest man sich die Biografie von Ray Wilson durch und legt man dabei den Fokus auf sein kurzes Intermezzo bei GENESIS, kann man sich eigentlich nicht vorstellen, dass er immer noch eine besondere Beziehung zu den Songs hat. Auch wenn die Zeit bei GENESIS kurz und das Ende überraschend und sogar Jahre später noch durch unschöne Atmosphäre gekennzeichnet war, hat Ray die Kraft der Songs und die Wirkung auf die Fans erkannt, was er in den Folgejahren für sich zu nutzen wusste. Auch der heutige Abend steht zum Teil wieder einmal im Zeichen von GENESIS, aber nicht nur. Natürlich wird auch seine Solokarriere angemessen gewürdigt, wobei auch STILTSKIN, wie Kenner wissen, nicht unerwähnt bleiben werden.


BOCHUM - CHRISTUSKIRCHE

01.12.2017
Ein Blick durch den Hör-Raum offenbart, dass die Veranstaltung ausverkauft sein dürfte. Die 854 Plätze sind gefüllt und das Publikum, eine Mischung aus Jung und Alt, blickt erwartungsfroh dem Konzertbeginn entgegen. Pünktlich um 20 Uhr wird die Band angekündigt, die unter großem Applaus die verhältnismäßig große Bühne entert. Ray Wilson hat sechs Musiker dabei, wobei mit seinem Bruder Steve Wilson an der Gitarre, Kool Lyczek an den Keyboards, Marcin Kajper am Saxofon und Flöte, Ali Ferguson an der Gitarre und Mario Koszel an den Drums alte Bekannte auf der Bühne stehen oder sitzen. Lediglich den Bass-Part übernimmt Marcin diesmal nicht, wobei ich zu dem Musiker auch keinen Namen ausfindig machen kann.

Ray Wilson, leger gekleidet und mit löchriger, verwaschener Jeans unterwegs, macht so gar nicht den Eindruck eines Rockstars, wirkt eher geerdet und verkörpert den Musiker, der Spaß an seiner Leidenschaft hat und gerne und ohne großes Brimborium auf der Bühne steht. Im ersten Teil des Sets bleibt er bei seiner Akustikgitarre, mit der er ´Another Day´ von seinem 2003er Album „Change“ anstimmt und den Konzertabend eröffnet. Weiter geht es mit ´Follow You´ und das Publikum applaudiert auch hier ganz artig. So richtig ist noch nicht erkennbar, wohin die Reise an diesem Abend geht, auch ´Follow You´ und ´Change´, der Titelsong des oben genannten Albums, werden sehr gut aufgenommen. Ray, bisher eher zurückhaltend in Sachen Ansagen, vermittelt dem Publikum die Bedeutung des Songs ´Change´ und man meint fast, dass uns Ray ein kleines bisschen an seiner Gefühlswelt teilhaben lässt. Doch erst der nächste Song ´Solsbury Hill´ ist so etwas wie ein Dosenöffner, denn das Publikum fängt bei den ersten Klängen direkt an zu klatschen und kaum klatscht auch Ray, steht die Christuskirche klatschend auf und der Knoten scheint geplatzt. Ab da hat Ray das Publikum in der Tasche und jeder weitere Song wird gierig aufgesogen. Die beiden Tracks ´Entangeld´ und ´Not About Us´ haben wohl nachhaltig auf Ray gewirkt, als er mal mit einer Akustik-Session mit GENESIS unterwegs war. Einige Musiker nutzen die ruhigen Minuten, um die Bühne zu verlassen und Ray nebst zwei Mitstreitern das Rampenlicht zu schenken. So gut alles läuft, kleine Fehler passieren auch den eingespielten Profis. Dass Mario ´Propaganda Man´ zu früh finalisiert, wird ihm schnell klar und er bringt flugs sein Becken zum Schweigen und setzt erneut an. Nach einer guten Stunde geht die Combo von der Bühne und eine ausreichende Pause wird genutzt, um ein frisches Bier zu genießen und angeregte Gespräche über Ray, GENESIS und Prog-Festivals zu führen. Übrigens ist das Bier extrem lecker und perfekt gekühlt.
Zum zweiten Teil wechselt Ray die Gitarre, um auch mal etwas härter in die Saiten zu greifen. Das Publikum, mittlerweile angefixt vom ersten Teil und beseelt durch das eine oder andere geistige Getränk, feiert nun jeden Song ab. Egal ob ´First Day Of Change´, besonders bestechend durch das lange Intro und Outro, ´Home By The Sea´ oder ´Carpet Crawler´, das Publikum geht steil und man hört deutlich, dass es sich besonders auf die GENESIS-Klassiker freut, die fast frenetisch gefeiert werden. Bei ´Alone´ legt Ray so viel Pathos in den Song, wie es mir nur selten untergekommen ist. Eines der Konzerthighlights ist dann sicherlich ´Land Of Confusion´, nicht nur weil Marcin sein Saxofon förmlich zur Ekstase bläst. Erstaunlich ist nur, wie cool und nahezu unbeeindruckt Ali seine Gitarre bearbeitet. Seine Souveränität darf dabei natürlich nicht unerwähnt bleiben, auch wenn sein Gesicht eher gelangweilte Ausdruckslosigkeit vermittelt. Mit ´In The Air Tonight´ wird noch mal so richtig Gas gegeben und der STILTSKI-Hit ´Inside´, bei dem die ganze Kirche mitzusingen scheint, beschließt ein Konzert quasi auf dem Höhepunkt und für mich etwas unvermittelt.

Meine Irritation rührt daher, weil gerade im zweiten Teil die Setlist etwas durcheinander gewirbelt wurde. ´Mama´, auf das ich mich echt gefreut hätte, ist wahrscheinlich für ´In The Air Tonight´ ausgefallen, aber auch einige andere Songs haben es nicht geschafft gespielt zu werden. Um viertel vor Elf endet das Konzert also, weil auch das Parkhaus bereits um 23:30 Uhr seine Pforten schließt – wohlgemerkt mit einer extra langen Öffnungszeit nur für dieses Event – und Ray natürlich noch für Autogramme und Fotos zur Verfügung steht. Irgendwie scheint Wilson auch etwas genervt zu sein, wobei ich nicht rausbekommen konnte, woran es eigentlich liegt. Dennoch hat er mir noch schnell zwei Fragen beantwortet. Kurz zur Location befragt teilt er mir mit, dass die Kirche eine fantastische Konzertstätte sei, mit einer wirklich tollen Akustik und es ihm riesigen Spaß bereittet hätte, hier zu spielen. Zu Deutschland befragt war seine Antwort wie erwartet, dass er gerne bei uns spielt und auch gerne in Deutschland ist. Sprach es und verschwand endlich in seinen verdienten Feierabend. Die Besucher haben die Christuskirche mit einem glücklichen Lächeln verlassen, manche sogar mit unterschriebenen CD-Artworks und Fotos. Und weil es so schön war, soll es im nächsten Jahr eine weitere Auflage geben. Ray und die Christuskirche, irgendwie wie ein Abo.
Robert Buder - Pics: Robert Buder


[ Zurück zum Index ]
 

[ Unsere Webseite weiterempfehlen ] [ Impressum ] [ Seitenanfang ]

© Oblivion 1998-2002 Alle Rechte vorbehalten

Haftungsausschluss/Disclaimer

technisches Konzept, Programmierung & Webdesign by M. Koschinski / C. Fessler