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Interview-Section :: Index: 'V' :: VELVET ACID C ....

VELVET ACID CHRIST
Verdrehte Realitäten
Die Diskrepanz zwischen der Studioarbeit auf der einen, und den Konzerten auf der anderen Seite, könnten bei Velvet Acid Christ kaum größer sein. Sind die Alben von Bryan Erickson neben den offensichtlichen EBM- und Industrialeinflüßen häufig durch technoide, zuweilen sogar tranceartige Einflüsse gekennzeichnet, ist der kreative Kopf hinter Velvet Acid Christ live nicht mehr wieder zu erkennen. Bryan Erickson gehört dabei ganz offensichtlich zu den Menschen, die Musik tief innerlich empfinden müssen, um sie wirklich zu fühlen zu können. Um diesen Zustand zu intensivieren, kann es dann schon mal passieren, daß er sich während der Bühnenshow mit Messern die Haut aufritzt oder brennende Zigaretten auf seiner Haut ausdrückt und sich dabei als wütender Berserker gebärdet, den man unter Starkstrom gesetzt hätte.
Im übrigen macht Bryan Erickson keinen sonderlich großen Hehl daraus, daß businesstechnische Zwänge und Gepflogenheiten, dazu zählen im übrigen auch Interviews, nur von dem ablenken, was sein erklärtes Anliegen ist; und das heißt Musik und die kreative Umsetzung seiner Ideen. Dabei kann es dann aus seiner Sicht durchaus vorkommen, daß langjährige Weggefährten, und hier seine ehemalige Plattenfirma Dependent genannt, der Umsetzung dieser Ziele kontraproduktiv entgegenwirken, wie Bryan nachfolgend deutlich zu machen sucht. >> Schlechte Information und schlechte Repräsentation von Seiten Dependents. Mangelnde Kommunikation und mangelndes Interesse. Mittlerweile bin ich es aber Leid, mich über Stefan (Herwig, Chef von Dependent, d.Verf.) zu unterhalten. Ich spüre aber, daß seine Mätzchen und seine fürchterliche Presseerklärung von meinem neuen Album und dem Interesse der Medien daran abgelenkt haben. Wen kümmert schon sein Label? << Eine Frage, die sich Bryan während seiner Zeit bei Dependent, die immerhin zu drei Veröffentlichungen geführt hat, nicht gestellt hat. Doch Bryan Erickson wäre wohl nicht er selbst, würde es er bei diesem verbalen Rundumschlag gegen seine alte Plattenfirma belassen. Auch die Presse, von der er sich und seine Arbeit immer wieder mißverstanden fühlt, bekam im Booklet zum "Fun With Knives"-Album ihr Fett weg, was aber eher als Kritik an der Presse in seinem Heimatland denn als Kritik an der europäischen Presse, die der Band immer recht aufgeschlossen gegenüberstand, zu werten ist. >> Das richtet sich weniger an die europäische Presse, als vielmehr an die Arschlöcher hier in Colorado, die ganzen Internet-Magazine und die Radiostationen. Von der "wirklichen" Presse bin ich sehr gut behandelt worden, doch alle anderen haben an mir gezweifelt, mir vorgeworfen, ich wäre ein Arschloch und würde es nicht allzu weit bringen. Die Leute, die mir im Weg standen und versucht haben, mich zu entmutigen. Vor allem die Typen aus dem Internet. Das war als großes "Fuck You" an all diese Typen gedacht. << So bestimmt und selbstbewußt dieses "Fuck You" auch klingen mag, wirft man einen Blick auf die Texte Bryans und sein Inneres, stellt man fest, daß alle die zur Schau gestellte Härte und die vermeintliche Arroganz Fremden gegenüber nichts weiter als den Selbstschutz eines Menschen darstellen, der mit Hilfe von Drogen aus seiner Sicht der Unsicherheit und der Einsamkeit heraus eben genau diese Unsicherheit zu kompensieren sucht. >> Die Texte handeln von davon, wie manche Dinge jemanden befremden können. In meinem Fall der Erfolg, durch den sich viele Leute von mir abgewendet haben. Von meiner Unsicherheit und der Tatsache, daß ich anderen Menschen gegenüber sehr unsicher agiere, schlecht mit anderen Menschen umgehen kann und keinem über den Weg traue. <<
Mit entwaffnender Offenheit zeichnet diese Antwort ein ehrliches und ungeschminktes Bild des Protagonisten, der von vielen nur aufgrund seiner musikalischen Arbeit und seiner Performance beurteilt wird und der sich durchaus Gedanken über die Motivation seiner selbstzerstörerischen Handlungen auf der Bühne macht und nach Erklärungen hierfür sucht. >> Manchmal habe ich diesen Drang verspürt weil ich glaubte, den Leuten in den Arsch kriechen zu müssen. Mich verrückt zu machen, um ein intensiveres Gespür für die Musik zu bekommen. Sicherlich ist das hart, zumal ich nicht immer so verrückt drauf bin, aber Velvet Acid Christ sind so agressiv und es fällt unglaublich schwer zwanzig Shows hintereinander zu spielen, wenn man Nacht für Nacht nur am Trinken ist. Manchmal muß ich einfach nur fühlen, ob ich überhaupt noch am Leben bin. Ich kann mich an das Tourleben einfach nicht gewöhnen. Ich mache nicht mit Groupies rum, dabei ist es aber nicht so, als ob es nicht genug Frauen gäbe, die mich interessieren würden. Selbst das interessiert mich nicht. Ich will das aber nicht auf die Frauen zurückführen, ich bin einfach ein schlechter Fick. Selbst wenn die Mädchen auf mich anspringen und gerne mit mir ficken würden, würde ich sie wegschicken, da ich nicht auf oberflächliche Bezieungen stehe und auch keine Leute um mich herum haben möchte, die mich nur deshalb mögen, weil ich Musiker bin. << Eine nachvollziehbare Einstellung, wimmelt es in diesem Geschäft doch von vermeintlichen Freunden, die einem bei Erfolgen vehement auf die Schulter klopfen und sich im Ruhme "ihres" Stars sonnen, sich aber bei Mißerfolgen schnell und deutlich distanzieren. Musikalisch dokumentiert das neue Album "Twisted Thought Generator" die konsequente Weiterführung des Sounds, den man bei Velvet Acid Christ durch die vorherigen Veröffentlichungen gewohnt war, wobei der Unterschied, zumindest im musikalischen Bereich, eher marginal ist und im verwendeten Equipment zu suchen ist. >> Ich habe vollkommen neues Equipment, neue Synths und neue Mischer benutzt. Das ist sicherlich der größte Unterschied. Hinzu kommt, daß ich während der Aufnahmen ziemlich am Ende war. Außerdem habe ich diesmal nicht den Zorn in mir verspürt, den ich noch bei "Fun With Knives" verspürt habe. Es war diesmal mehr wie eine dumpfe Drone. Meine Energie war weg, meine Liebe, nichts, auf das ich Rücksicht nehmen mußte, nichts, das von Bedeutung war. Ich war einfach ausgebrannt, als ich dieses Album schrieb. << Was dem Album jedoch zu keiner Zeit anzuhören ist. Ganz im Gegenteil, "Twisted Thought Generator" vermittelt zu keiner Zeit den Eindruck, es hier mit dem Produkt eines Musikers zu tun zu haben, der ausgebrannt und ideenlos wirkt. "Twisted Thought Generator" besticht durch die intensive und tiefgreifende Identifikation Bryan Ericksons mit seiner Musik, deren emotionelle Tiefe es vorurteilsfrei und bar jeder Vorbehalte ob der zuweilen einseitig negativen Berichterstattung über die Band zu entdecken gilt.
http://www.velvetacidchrist.com
Michael Kuhlen


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