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ALLE REVIEWS :: Index: 'I' :: ICED EARTH

ICED EARTH

THE GLORIOUS BURDEN (70:33 min.)

STEAMHAMMER / SPV
Wie um Himmels Willen beginnt man eine solche Kritik??? Nun ja, fangen wir einfach mal an. Auf der einen Seite haben wir Iced Earth, welche eine meiner absoluten Lieblingsbands ist (war?). Geile Alben, gute Cover, tolle Live-Shows und mit Jon Schaffer über einen Bandleader verfügt, der einer der besten Songwriter im Metalbusiness ist und gleichzeitig die Geschicke seiner Band mit eiserner Hand lenkt. Parallelen zu Iron Maiden sind da nicht ganz von der Hand zu weisen. Andererseits war meiner Meinung nach das Album "The Dark Saga" DER ultimative Höhepunkt der Bandgeschichte, so eine Art "The Number Of The Beast". Das folgende "Something Wicked This Way Comes" war zwar nicht schlechter, aber die Band begann sich selbst zu kopieren. Und der letzte Longplayer "Horrorshow" war dann eine kleine Enttäuschung. Wo waren die absolut geilen Songs geblieben? Der kreative Zenit schien überschritten. Und nun schmeisst Herr Schaffer mit Matthew Barlow auch noch den Sänger aus der Band, der die letzten Alben der Band (mit seiner Stimme) entscheidend mitgeprägt hatte. Die düstere und Melancholie verbreitende Stimme von Matt passte wie die Faust aufs Auge zur Musik von Iced Earth. Und diesem Mann wurde der Stuhl vor die Tür gesetzt? Auf der anderen Seite Tim Owens als neuer Sänger. Jener Mann, der mit seiner genialen Stimme bereits 1991 auffiel, als ich die Demos seiner damaligen Band Winters Bane vertrieb. Durch gute Kritiken der Demos in der einschlägigen Fachpresse bedingt, dauerte es nicht lange und Winter Banes Debütwerk "Heart Of A Killer" erschien auf dem deutschen Label Massacre Records. Der an Bands wie Queensryche und Iron Maiden erinnernde Sound der Ohio-Truppe wurde klar bestimmt von den hohen Vocals des Tim "Ripper" Owens. Später nutzte der Mann seine Chance und bewarb sich um die freigewordene Stelle als Sänger und Frontmann bei der Metal-Legende Judas Priest. Im folgenden differenzierten die Meinungen etwas, Fakt ist aber, das "Ripper" Owens sowohl auf den beiden Judas Priest-Alben als auch anscheinend Live (ich hab Priest leider nie live mit Tim Owens gesehen) jeweils superbe Jobs ablieferte. Im Endeffekt scheiterte diese Kombination nicht einmal an den hohen Erwartungen der Fans an den neuen Sänger (die er qualitativ voll erfüllte), sondern an dem einfach zu schlechten Songmaterial dieser Judas Priest-Phase. Und da Geld die Welt reagiert, kam es wie es kommen musste, Rob Halford kündigte -geläutert mit seinen beiden besten Solo-Alben - seine Rückkehr als Metal-God bei Priest an. Und nun also Jon Schaffer und Tim Owens zusammen? Mein erster Hördurchlauf von "The Glorious Burden" war dann auch von zaghafter Zurückhaltung und dem Verlangen nach Bewährtem gekennzeichnet. Die Songs schienen (fast) ausnahmslos gut. Das bewährte Schaffersche Songwriting, ohne sich selbst aber zu sehr zu kopieren, eine sehr guter Sound, prima Gesang, aber wo war der melancholisch-düstere Einschnitt bei den Vocals? Diese Zurückhaltung legte sich aber ab dem zweiten Hördurchlauf (und mittlerweile habe ich das Album dutzende von Malen gehört). Iced Earth mit Tim Owens, das ist vergleichbar mit Dio statt Ozzy bei Black Sabbath, Dickinson statt Di´Anno bei Maiden oder Zetro Souza statt Paul Balloff bei Exodus. Qualitativ höherwertig aber für das Gesamtbild (und in den Erinnerung der Fans) nicht unbedingt besser...einfach nur anders. Und was ist mit den Songs? Der Opener "Decleration Day" ist eine etwas treibende Power-Nummer mit melodischen Leads und einem tollen Chor-Refrain (Savatage und Co. lassen grüssen!). Der Gesang passt perfekt! Einen besseren Opener hätten die Jungs kaum wählen können. Es folgt die dem 11. September gewidmete Halbballade "When The Eagle Cries". Eine etwas pathetische Nummer, bei der Mr. Owens betont leise singt um dem Song das notwendige Feeling zu verleihen. Zusätzlich wechselt man während des Songs von Akustik- zu E-Gitarren. Auch wird beim Refrain wieder mit Chören gearbeitet. Guter Song. Nur zu Jon Schaffers extrem patriotischen Ansichten bzw. Lyrics möchte ich mich an dieser Stelle nicht äußern. "The Reckoning" ist vielleicht schon einigen von der Single-Auskopplung bekannt. Ein typischer Iced Earth-Song, dargeboten mit (fast) der gesamten Spannbreite des Owensschen Stimmvolumens. Und wieder ein mehrstimmiger Chorus. Ebenfalls ein guter Song, bei dem sich nachvollziehen lässt warum er als Single-Track veröffentlicht wurde. Auch wenn es mit Sicherheit nicht der beste Song der Platte ist. Danach folgt das melodische "Attila", welches - insbesondere bei dem mitreissenden Refrain - Erinnerungen an Iron Maiden aufkommen lässt. Meines Erachtens (noch) besser als "The Reckoning". "Red Baron/Blue Max" ist der einzige Song zu dem Tim die Lyrics geschrieben hat. Gesangstechnisch lässt er hier im wahrsten Sinne des Wortes die Sau raus. Teilweise treibt er seine Stimme mit spitzen Schreien in neue Höchstlagen, weshalb der Track auch irgendwie an Judas Priest erinnert. Ich bin nicht sicher, ob es an den extremen Screams liegt oder am Song selbst, aber dies ist in meinen Augen eigentlich der schwächste Song der Scheibe, der auch nicht wirklich zum restlichen Songmaterial passt. Um die stimmlichen Möglichkeiten eines Tim Owens aufzuzeigen ist er aber allemal gut. "Hollow Man" ist eine etwas ruhigere Angelegenheit und erinnert stellenweise an Maiden sowie einige ältere US-Metal-Bands. Anscheinend lässt Herr Schaffer hier seine musikalischen Wurzeln durchscheinen. An der Gesangsleistung gibt es nichts zu mäkeln. Herr Owens zeigt auch hier wieder neue Aspekte seines Könnens. "Waterloo" ist einer meiner Favoriten auf dem Album. Ein wunderschöner Midtempo-Song mit erneut gelungenem Chor-Arrangement im Refrain. "Valley Forge" legt dann - nach dem akustischen Beginn - wieder eine Schüppe drauf und lässt sicherlich keinen Power Metal-Fan unberührt. Ja, und wo andere Bands dann das Album enden lassen würden, da fängt Mr. Schaffer erst an. Die folgenden drei Songs "The Devil To Pay", "Hold At All Costs" sowie "High Water Mark" bilden eine Trilogie des musikalischen Exzesses. Mit Unterstützung des Prager Symphonieorchesters hat Jon eine musikalische Umsetzung der Schlacht bei Gettysburg (dem amerikanischen Bruderkampf, Nord- gegen Südstaaten) geschaffen, die musikalisch und kompositorisch eines neues Highlight im Power Metal-Bereich setzt. Sicherlich ist diese Idee nicht komplett neu (vgl. die David De´Feis´schen Musical-Meisterwerke, die parallel zu den Theater-Aufführungen als Band-Interpretationen auf den Virgin Steele-Epen verewigt werden), aber die Einbeziehung des Orchesters über die gesamten drei Stücke und die - liebevolle ist wohl treffend - Umsetzung ist schlichtweg genial. Ganz kurz also noch zu diesen Songs: Zum besseren musikalischen Ausdruck der verschiedenen Fronten (Nord-und Südstaaten-Armee) wurden u.a. Marsch-Trommeln, Kanonendonner, die amerikanische National-Hymne sowie verschiedene nord- bzw. süd-typische Melodien (z.B. Dixie) eingeflochten, die die jeweilige Seite repräsentieren. Thematisch werden pro Song immer einzelne Personen bzw. Handlungen herausgestellt, die den Verlauf dieser Schlacht entscheidend prägten. Der Eröffnungstrack "The Devil To Pay" dieser vertonten dreitägigen Schlacht ist ein melodischer Midtempo-Hammer mit Ohrwurm-Refrain. Mit "Hold At All Costs" folgt eine etwas ruhigere Fortsetzung, die sich im Folgenden aber stetig steigert. Mit dabei immer die (dezente) Orchester-Begleitung. Im abschließenden "High Water Mark" kocht das Ganze dann - wie im wirklichen Verlaufe der Schlacht - über. Ein wirklich fesselndes und echtes Heavy-Stück. Phänomenal! Um die verschiedenen Charaktere dieses Songs abzugrenzen (Owens intoniert den Südstaaten-General Lee) singt Jon selbst übrigens zu Beginn drei Textzeilen eines engen Vertrauten General Lees. Auch ihm muß man eine gute gesangliche Leistung bescheinigen. Nachlesen könnt ihr die einzelnen Sequenzen übrigens in dem gut ausgestatteten Booklet, in welchem Mr. Schaffer die Umsetzungen mehr oder minder kommentiert. Und selbst wenn nun einer der Hörer den einen oder anderen Song als Total-Ausfall abstempeln sollte, so bleibt doch die Spielzeit von über 70 Minuten. Andere Bands bringen es nur auf die Hälfte und weniger pro Output. Für diese Scheibe kann es nur 10 Punkte geben. Ohne Wenn und Aber. (Anmerkung:.... puh ich dachte das Ding wär nie zu ende ....hihi Sven)
10/10 - SBr


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