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ALLE REVIEWS :: ANACRUSIS

ANACRUSIS

SCREAMS AND WHISPERS (74:48 min.)

METAL BLADE / SONY
"Manic Impressions" kann man nicht toppen? Oh doch, Anacrusis konnten… Und WIE sie es konnten. Jedesmal, wenn ich das Intro von “Sound The Alarm“ nur höre, weiß ich nicht, ob ich lachen, weinen, oder einfach nur in die Hose machen soll – der Song ist Atmosphäre und Emotion pur, in 5 ½ Minuten gegossene Genialität, und so was schreit bekanntlich nach Körperflüssigkeiten: Schweiß, Blut, Tränen. Herr Freud, übernehmen sie… „Screams And Whispers“ kann man auch heute, 26 (!!!) Jahre nach seinem Erscheinen jedem, der das Album nicht kennt, problemlos als alles was momentan so kreucht und fleucht in die Tasche steckende, topmoderne und relevante Neuerscheinung vorstellen könnte: so einzigartig, frisch, professionell und gleichsam unverbraucht klingt es vom ersten Moment an, und zwar diesmal auch endlich in Sachen Produktion. Jene gereicht nämlich Attributen wie „transparent“, „druckvoll“ oder auch „differenziert“ allemal zu Ehren (auch wenn Perfektionist Kenn Nardi selbst hier zahlreiche Haare in der Suppe findet). Und erst diese Songs: jeder ein Juwel, nein, eine Offenbarung. Schon mal zu den (nunmehr von Paul Miles eingetrommelten) Monstergrooves der Nardi-Gabe „Sense Of Will“ getanzt? Nein? Selbst Schuld! Ausprobieren!! Schon mal die orchestralen Arrangements und um 37 Ecken gedachten Riffs von „Too Many Prophets“ oder „Tools Of Separation“ genossen? Herrje, nehmt einen Glendronach dazu, wenn’s denn sein muss – Liedgut und Gesöff sind unter ihresgleichen. Mit „Release“ öffnete man zudem potenziell die Tür zu den Charts, ohne dabei jedoch auch nur ansatzweise seine Roots zu vergessen. Im Gegenteil, der Song steht stellvertretend für die im Albumtitel angedeutete perfekte Symbiose aus in sich gekehrter Stille und auf Krawall gebürsteter Kraft, die diesen Spagat zwischen in den 80ern verwurzeltem extremem (Thrash-)Metal und Moderne so einzigartig macht. Und warum „Grateful“ bis heute nicht von den Belanglosigkeiten wie „Fear Of The Dark“ oder „The Bard’s Song“ in Endlosschleife wiederkäuenden Metal-DJs entdeckt wurde, erschließt sich mir ob deren als Traditionstreue getarnter Trendreiterei leider nur zu gut. Und genau in diese Krux der Metalszene stieß „Screams And Whispers“ 1993 hinein: man erkannte nicht die sinnstiftende Funktion eines Albums, dass genau jene Pole vereinte, die die Szene dereinst wie heute trenn(t)en. Mensch, jeden einzelnen Song würde ich deswegen an dieser Stelle liebend gerne sezieren, Euch erzählen, wie unfassbar genial „Brotherhood?“ (ein Wert, der von den selbsternannten Wächtern dieser Metalwelt immer gerne beschworen und von Anacrusis in einem anderen Zusammenhang subtil hinterfragt wird – verräterisch) arrangiert ist, wie FETT „Driven“ jedes Neo Thrash-Lüftchen von dieser Welt rifft. Atonale Riffexperimente und abseits eingefahrener Songstrukturen kreative Vielfalt zelebrierende Wundertüten wie „My Soul’s Affliction“ standen jedoch in der damaligen Atmosphäre leider bloß als zarte Pflänzchen im Sturm. Paradoxa blühen zu Zeiten widerstreitender Wertesysteme, und somit ist dieses Album DAS Paradoxon der Metalszene der 90er: ein Manifest eines zeitgleich sterbenden und wieder auferstehenden Phänomens, ein „Screaming Breath.“ Von den Boni ist der Remix von "Release" bekannt, für Fans interessant sind das Demo von "Sound The Alarm" sowie die frühe Keyboard-Version von Brotherhood. Der fragmentarische "Lost Song" aus den 92er-Sessions wurde hier "Forsaken" genannt und für Komplettisten soundtechnisch aufgepeppt. Haben muss man dieses Album aber in irgendeiner Form, basta!
10/10 - PM.


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