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ALLE REVIEWS :: ANACRUSIS

ANACRUSIS

SUFFERING HOUR (RE-RELEASE) (75:11 min.)

METAL BLADE / SONY
2010 hatte Frontmann Kenn Nardi das hier zu besprechende Album bereits remastert, demnach konnten Metal Blade hier bedenkenlos und ohne Mehrkosten zugreifen. Im Underground waren Anacrusis im Jahre 1988 keine Unbekannten mehr, hatte man doch im Vorjahr mit der Neueinspielung des „Annihilation Complete“-Demos den Jahrespoll des Fanzines Metal Forces gewonnen. Und „Suffering Hour“ rechtfertigte sämtliche Vorschusslorbeeren – zwar krankt das Album etwas an einem dem Minibudget geschuldeten holprigen Sound, jedoch darf man nicht vergessen, dass es in einer Woche eingespielt und schließlich innerhalb zweier Tage abgemischt werden musste. Metallica spielten in dieser Zeit gerade mal „Garage Days“ ein… Wie so viele Debuts jener Zeit (nicht selten werden Erinnerungen an „The Ultra-Violence,“ „Eternal Nightmare“ oder auch „Ignorance“ wach) ist „Suffering Hour“ ein ungestümes, authentisches Stück Musikgeschichte: wüste Thrash-Riffs („Present Tense“) paaren sich mit Trouble geschuldeten Doom-Einflüssen („Imprisoned“ oder „Frigid Bitch“ – letzterer Song schlägt jedoch alsbald in eine räudige Kreator-Hommage um) sowie mit den für die damalige Zeit genreuntypischen, hochmelodischen Vocal-Parts des ehemaligen Heaven’s Flame-Fronters Nardi („World To Gain“), die bei Puristen für gerümpfte Nasen sorgten. Die neue Version des Albums auf der „Hindsight“-Doppel-CD (in einem sehr schick aufgemachten Digipack mit fettem Booklet) wartet im Vergleich zur usprünglichen (Vinyl-)Version mit den Bonustracks „Apocalypse“ und „Injustice“ auf (beide ursprünglich auf dem zweiten „Annihilation Complete“-Demo, letzterer Song dann eigentlich erst auf der europäischen Version von „Reason“ zu hören) – schnell wird klar, dass Anacrusis die den Stücken zugrunde liegenden kompositorische Klasse behutsam zu Tage fördern, und zwar ohne dabei ein zahnloses Altherren-Thrashalbum abzuliefern. Im Gegenteil: hier rockt’s frisch, fromm, fröhlich, frei an allen Ecken und Enden! Auch anno 2010 überfrachtet man die Songs nicht mit produktionstechnischen Gimmicks (dafür stand sicher auch nicht das Budget bereit), aber Prachtsongs wie „Present Tense“ oder „Fighting Evil“ erstrahlen angesichts der deutlich gesteigerten spieltechnischen Klasse und differenzierterer Arrangements in neuem Licht (hört Euch allein mal die verschiedenen Versionen von „Annihilation Complete“ an…) – und Kenns spitze Schreie sind noch immer state of the art: absolut göttlich! So steht unterm Strich ein Album, das zwar deutlich in der damals in voller Blüte stehenden Thrash-Bewegung anzusiedeln ist, gleichzeitig aber bereits dezente eigene Duftmarken zu setzen weiß, denn schon hier schimmern jene unorthodoxen Skalen und Riffs („R.O.T.“) sowie der von markerschütternden Schreien durchbrochene melodische Facettenreichtum der Stimme Nardis ("Butcher’s Block“) durch, die später zu den Markenzeichen der Band werden sollten. Auch die textliche Andersartigkeit von Anacrusis zeichnete sich bereits zart ab, widmete man sich doch, ähnlich wie Sacred Reich oder Megadeth, vorrangig, wenn auch mitunter noch reichlich unbeholfen und in drastischer Bildsprache, politischen Themen wie unterdrückter Meinungsfreiheit oder Kriegstreiberei. Genügend gute Gründe also, dieses Album entweder gänzlich neu oder nochmals für sich zu entdecken. Als Extras gibt es Stücke von den Demos aus 1986 und 1987, die einst auf der Website zur Gänze als Downloads zur Verfügung standen, sowie eine rasante Version des Sabbath-Evergreens „N.I.B.“ – den schmissigen „Munster’s Theme“ hat man sich leider geknickt. Ein Zeitdokument, auf dem sich die Klasse der beiden Überalben "Manic Impressions" und "Screams And Whispers" streckenweise bereits erahnen lässt.
8/10 - PM.


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