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ALLE REVIEWS :: OPETH

OPETH

IN CAUDA VENENUM (67:14 min.)

NUCLEAR BLAST / WARNER
Mikael Åkerfeldt war noch nie dafür bekannt, große Kompromisse einzugehen. Entweder ganz, oder gar nicht. So lässt er auf dem neuen Album seines kreativen Babys zunächst eine dreieinhalbminütige Klangcollage auf den Hörer wirken, die direkt aus dem Werkzeugkasten Pink Floyds zu "Dark Side Of The Moon"-Zeiten entsprungen scheint, um danach ein Progfeuerwerk zu zünden, das erst nach dann eben fünfeinhalb Minuten vermittels eines abrupten Breaks zarteren Klängen und schließlich auch Gesang Platz einräumt. Und der ist dann auf der maßgeblichen Version eben auf Schwedisch. Krasser Vogel, diese Spezies Åkerfeldtus Musicus. Die auf "Sorceress" im dominanten Gitarrensound noch vorherrschenden modernen Einflüsse werden nun zugunsten einer transparenten Klangtextur nivelliert. 70ies Prog ist hier selten riffschwer wie im rasanten "Hjärtat Vet Vad Handen Gör" (mit einigen dezenten "Blackwater Park"-Gedächtnislicks), sondern meist facettenreich instrumentiert, wobei insbesondere Keyboarder Joakim Svalberg diesmal weit im Vordergrund steht. Jedoch erscheint dieses Album aufgrund seiner schier grenzenlos anmutenden Musikalität und Experimentierfreude auf Basis des für Åkerfeldt heutzutage so prägenden 70ies Prog- und jazzbeflügelten Krautrock ("Banemannen") diesmal für alle involvierten Musiker eines besondere Herausforderung gewesen zu sein, ein Umstand, der sich auf den Hörer überträgt.

"In Cauda Venenum" trägt mannigfaltige Facetten und Stimmungen in sich, deren Entwicklung nicht immer leicht zu folgen ist. Wer aber kann sich schon einem emotionalen Klotz wie "Minnets Yta" entziehen? Und hat man solche Anhaltpunkte erst einmal fest im Griff, erschließt sich auch der Rest des Albums trotz seiner durch Sprachsamples weiter befeuerten Sperrigkeit ("Charlatan") und man entdeckt gar große Refrains wie jenen von "Kontinuerlig Drift". Das hoffnungslos nostalgische Cover mit den fünf Musikern als bedrohliche Scheinpräsenz legt zudem nahe, dass wir dem Horrorsoundtrack unserer bewegten Zeiten lauschen, die eben auch nicht leicht verständlich sind; der Death Metal ist nunmehr als durchgängig düstere Stimmungswelt getarnt ("Allting Tar Slut"). Weiter haben sich Opeth bisher noch nie aus ihrer eigenen Komfortzone gewagt, selbst mit "Heritage" nicht. Dafür gebührt ihnen besonders angesichts der weiterhin großartigen musikalischen Klasse großer Respekt – der Preis wird jedoch sein, dass die Songs dieses Albums mit Ausnahme von eventuell "Hjärtat..." (dem fantastischen "Ingen Sanning Är Allas" würde ich es zudem gönnen) live nicht zu solchen Eckpfeilern wie "Drapery Falls," "Deliverance", "Ghost Of Perdition", "Cusp Of Eternity" oder "Sorceress" werden aufschließen können. Vielmehr werden Sie ab der übernächsten Tour wohl wie wunderschöne Mauerblümchen sporadisch im Set auftauchen, denn das hier ist ein Album von Nerds für Nerds. Letztendlich, so scheint es, hat Åkerfeldt angesichts seines sich immer wieder neu erfindenden Wagemuts doch einmal Angst vor der eigenen Courage bekommen: Die englische Version dieses Albums stellt dann doch einen Kompromiss dar, dessen es eigentlich nicht bedurft hätte, da die Sprache der Musik universal ist. Großartig!
9/10 - PM.


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