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ALLE REVIEWS :: RAMMSTEIN

RAMMSTEIN

RAMMSTEIN (46:19 min.)

UNIVERSAL / SONY
Nimmt man das Artwork als Maßstab, inszenieren sich Rammstein 2019 als geistige (das Attribut "intellektuell" vermeide ich aus den unten ausgeführten Gründen) Brandstifter. In der hitzigen Kontroverse über das Video zu "Deutschland" spiegeln sich viele der brennenden, in vieler Hinsicht gar existentiellen Fragen, die unsere Gesellschaft auf Jahre hinweg dominieren und deren zukünftige Ausrichtung determinieren werden: in einer Zeit da populistische und noch schlimmere Narren rechter Couleur sich als Rattenfänger versuchen (man siehe die neuesten, höchst alarmierenden Bestrebungen Stephen Bannons), ist es überhaupt GAR nicht angesagt, mit wenig ausgeprägtem Profil aufzutreten. Zwar mag man argumentieren, dass die Botschaft gerade im Zusammenhang mit dem Video sowie dem Song "Ausländer" klar wird, aber gerade die genannten Populisten haben gezeigt, dass Sprache dehnbar und selbst im tumbsten Sinne manipulier- und verdrehbar ist. "LINKS 2-3-4", meinetwegen auch in der gesicherten Mitte, aber immerhin mit der Flagge in der richtigen Hand für "Mein Land"! Macht den Mund eindeutig auf, Rammstein, denn vor Abertausenden im Bariton "Deutschland" schreien ist heute in gewissen Kreisen sehr attraktiv und opportun... Verdammt ihr dann auch die Geister, die ihr rieft? Musikalisch erscheint "Rammstein" zunächst verheißungsvoll: "Deutschland", das Groovemonster "Radio" sowie die knüppelharte Kleruskritik "Zeig Dich" erinnern angenehm an jene Zeit, in der man zwischen 2001 und 2005 im Sauseschritt (und nicht zu Unrecht) zur größten (zumindest im internationalen Kontext) deutschen Band explodierte: hier wird auf den Punkt gerockt, mitunter gut getextet (siehe jedoch oben). Mit "Ausländer" wird es jedoch schon deutlich seichter, bevor mit "Sex" und "Puppe" (textlich ein gähnend müder Abklatsch von "Mein Teil", der sich mit "Hallomann" zu allem Überfluss auch noch spiegelt) der Höhepunkt der Einfallslosigkeit erreicht wird. Zwar erwarte ich nicht, dass Rammstein das Feuilleton bedienen; Lindemann wie schon auf seinem gleichfalls unterirdischen Soloalbum beim lyrischen Ausschwitzen seiner in der midlife crisis angesammelten Körpersäfte zuzuhören, verursacht allerdings körperliche wie eben auch intellektuelle Schmerzen. Dies zeigt auch den geistigen Verfall Rammsteins auf: "Los" setzte sich einst hintergründig mit derlei Kritik auseinander; heute bedient man genau jene Vorurteile, ohne das eigene Tun ausreichend zu durchschauen (oder durchschauen zu können?) ‒ Selbstparodie nennt man so etwas wohl. Insgesamt ein nach sehr starkem Beginn leider zutiefst eindimensionales Werk (lediglich ein "Diamant" flackert zwischendurch auf, "Weit Weg" überzeugt wenigstens mit coolen 70ies-Prog Rock Keyboards), dass die mit dem prätentiösen "Liebe ist für alle da" eingeläutete, um sich selbst kreisende kreative Ödnis weiterführt. Das ist nach zehn Jahren nicht weniger als ein echtes Armutszeugnis, welches Rammstein wohl endgültig als glücklich einen Zeitgeist bedienendes Phänomen ohne Langzeitwirkung entlarvt. In dieser Form bitte wegtreten.
5,5/10 - PM.


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