Obliveon - Metal und Gothic Webzine
 :: Suchen 

 :: Obliveon.de
· Home
· MySpace
· Links

  Info...
· FAQ
· Kontakt
· Impressum
 

 :: Magazin
· GESAMT
· News
· Interviews
· Konzert/Festivals
· Specials
· Foto Galerie

 :: Reviews
· GESAMT
· CD Reviews
· CD Import
· Eigenpressungen
· White Metal
· DVD/Video
· Bücher/Magazine

ALLE REVIEWS :: Index: 'I' :: IRON MAIDEN

IRON MAIDEN

THE BOOK OF SOULS (92:17 min.)

PARLOPHONE / WARNER
Ist die für immer beste Metalband aller Zeiten heutzutage wirklich eine lupenreine Progressive-Gruppe, wie man uns jüngst in einem großen Magazin weismachen wollte? Insgesamt drei Songs jenseits der Zehn-Minuten-Grenze und die schiere Masse an Musik auf "The Book Of Souls" scheinen eine solche Meinung zu stützen. Gehen wir der Sache also auf den Grund. Zunächst einmal überzeugt Eddie, denn das Doppelalbum gefällt optisch und wartet mit dem besten Cover-Artwork seit "Seventh Son" auf (was leider auch nicht sonderlich schwer zu bewerkstelligen war). In musikalischer Hinsicht stößt zunächst die Information sauer auf, dass einige der Kompositionen von Dickinson für sein nächstes Konzept-Soloalbum geplant waren und nun also von Harris in den Kontext eines Maiden-Werks gepresst wurden. Der so entstehende Eindruck des Uneinheitlichen, der "The Book Of Souls" an nicht wenigen Stellen umweht, kann demnach nicht verwundern.

Das den Opener "If Eternity Should Fail" (unprätentiös und dennoch stark) beendende spoken-word-Intermezzo ist ein gutes Beispiel hierfür - kann ein solch offensichtlich deplatzierter Fremdkörper nicht einfach entfernt werden, frage ich mich? Zudem hätte man sich den Refrain qua Arrangement und Produktion etwas mehr in den Vordergrund gestellt gewünscht. Überhaupt fehlt weiterhin das unbedingt Kunstfertige, Ausgefeilte der frühen Alben, auch wenn "Speed Of Light" gerade deswegen, weil es einen gefährlich unfertigen Jamvibe versprüht, einer der gelungeneren straighten Rocker der Maiden-Neuzeit ist und live gut ankommen dürfte; einige der Hauptriffs hätten allerdings einstmals nur für Breaks herhalten dürfen ("Death Or Glory", wartet dafür jedoch mit Dickinsons bester Gesangsleistung auf). Umso gieriger werden plakativ bewährte Trademarks wie der in "Rime Of The Ancient Mariner"-Länge erstrahlende und nach Livehaftigkeit dürstende Harris-Epic "The Red And The Black" aufgesaugt, in dem sich die schwer-düsteren Grooves von "Seventh Son"/"Sign Of The Cross" mit eingängigen (trotz aller Unbeholfenheit passenden) "Wicker Man-"Chören und ausladenden Instrumentalpassagen paaren. Ansonsten vermisst man die ganz großen, fesselnden Hooks. Selten waren Maiden etwa dem Hardrock näher als in "When The River Runs Deep", aber selten haben sie auch weniger Wiedererkennungswert produziert; hier wird ähnlich wie beim im Refrain nicht recht zünden wollenden "The Great Unknown" (ist jedoch ein Grower) Potenzial verschenkt, wohingegen der Titeltrack angesichts des feinen Hooks mit seinem drögen Riff nervt. "Man Of Sorrows" (kein Dickinson-Cover...) setzt nach einigen unspektakulären Songs zu Beginn der zweiten Albumhälfte nochmals Akzente und könnte gewinnbringend im Set platziert in Zukunft live gut funktionieren, bevor das vermeintliche finale furioso folgt: der von Dickinson komponierte (und somit den Bogen zum Opener spannende), mit viel Spannung erwartete, da achtzehnminütige Brocken "Empire Of The Clouds" hätte mit Einsatz des seelenlos eingeklimperten Piano-Intros deutlich straffer arrangiert werden dürfen, da gerade im Mittelteil viele der in (mitunter unbeholfene!) Breaks gegossene Gitarrenmelodien schlicht verpuffen und Dickinson zu allem Überfluss im letzten Songdrittel etwas angestrengt klingt (in den alpinen Höhen ist einer der Besten aller Zeiten heute etwas überfordert - "The Great Unknown"). Der auch instrumental zu erzählenden Geschichte kann zumindest ich so nicht folgen, was insbesondere angesichts der überragenden Gesangslinie ärgerlich ist.

Sind Maiden heute also eine Progband? Vermittels der ausladenden Kompositionen und indem typische Bandsounds von an die 70er gemahnenden Soundeffekten überlagert werden ("Shadows Of The Valley"), versucht Steve Harris zwar, uns in diesem Glauben zu bestärken. Prog bedeutet jedoch, neue Wege zu beschreiten, und dies geschieht hier sehr bedingt: diverse Vorbilder in die eigenen Songformeln einzubinden, heißt eben nicht, in neue Sphären vorzudringen. Zusammen mit (und diesem wohl eine Nasenlänge voraus) "A Matter Of Life and Death" ist "The Book Of Souls" jedoch das beste Album seit "Brave New World", und insbesondere nach dem Rohrkrepierer "The Final Frontier" freut man sich darüber. Ein wirklich überzeugendes Statement ist es aber nicht, und an Kevin Shirleys vollkommen überladene, unaufgeräumte Produktionen werde ich mich nie gewöhnen können (über Boxen funktioniert sie, unterm Kopfhörer nicht). Maiden machen hier das, was sie besonders gut können, nämlich famose SONGS schreiben, wieder etwas besser, lassen sich mitunter aber auch noch immer zu sehr treiben.
7,5/10 - PM.


[ Zurück zum Index: 'I' ]
 

[ Unsere Webseite weiterempfehlen ] [ Impressum ] [ Seitenanfang ]

© Oblivion 1998-2002 Alle Rechte vorbehalten

Haftungsausschluss/Disclaimer

technisches Konzept, Programmierung & Webdesign by M. Koschinski / C. Fessler