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ALLE REVIEWS :: Index: '1' :: 111 GRÜNDE, H ....

111 GRÜNDE, HEAVY METAL ZU LIEBEN

FRANK SCHÄFER

SCHWARZKOPF & SCHWARZKOPF

288 Seiten / 9,95 EUR
Wer die Metal-Szene in all’ ihren Ausprägungen verinnerlicht hat und ergeben liebt, weiß selbstredend, dass es sich um eine dynamische Kultur handelt, die seit Jahrzehnten bis heute weltweit Fans in ihren Bann zieht, allen voran aufgrund ihrer Musik, aber auch wegen ihrer Vielfältigkeit bzw. Vielgestaltigkeit, der mannigfaltigen funktionalen und thematischen Aspekte, der symbolischen Ästhetik sowie der (mitunter) extremen, mit Rebellion bzw. Provokation einher gehenden Grundhaltung. Eventuell mag die von diesem Gesamtbild ausgehende Faszination Judas Priest-Sänger Rob Halford zu dem Diktum „It makes me think that Heavy Metal will always be there“ bewogen haben. Die Teilhabe an der HM-Kultur muss jedenfalls als frei gewählte Alternative zur autonomen Entfaltung von Persönlichkeit und Individualität angesehen werden; viele Szenegänger nutzen sie - bewusst oder auch unbewusst - zu diesem Zweck. Vielmehr kann die Szene-Teilhabe aber zudem als substanzieller, Sinn initiierender Lebensstil mit Selbstverwirklichungstendenzen gelten; als solcher wird er von zahlreichen Anhängern dieser Kultur wahrgenommen. Derart bieten die signifikanten Szene-Aktivitäten dem beteiligten Individuum eine subjektiv erlebte Form von Sinn an und repräsentieren eine Konstruktionsform persönlicher Lebenswelt.

Was die werte Leserschaft soeben als Buchstabensuppe erblickt hat, ist das arg gekürzte Fazit des Obliveon-Rezensenten im Rahmen einer umfassenden Abhandlung der Metal-Szene.

Auch Frank Schäfer, seines Zeichens Dr. phil., Schriftsteller, Musik- und Literaturkritiker sowie Teil des Metal-Satire-Trios ’Read em all’, weiß dies alles mit Sicherheit ebenfalls, hat es jedoch nicht in schnöder Form zu Papier gebracht, sondern seine innige Beziehung zur Welt der harten Sounds in äußerst variabler Art und Weise veranschaulichend dargestellt.

„Hier stehen Mini-Essays, kritische Exkurse und theoretische Erörterungen neben Pastichen, Glossen, Capriccios, Kurzgeschichten und Listen. In der unordentlichen Struktur spiegelt sich also in gewisser Weise die Szene selbst“, so der Autor über „111 Gründe, Heavy Metal zu lieben“. Dabei ist der Untertitel „Ein Kniefall vor der härtesten Musik der Welt“ keinesfalls als satirische Verballhornung anzusehen, denn die Begeisterung Schäfers für die Welt des harten Rock ist in diesem kurzweilig zu lesenden Machwerk jederzeit spürbar.

Die feine Ironie und das Augenzwinkern, mit dem Schäfer die gesamte Szene, aber gerade auch seine persönliche musikalische Sozialisation aufarbeitet, machen das Buch meines Erachtens um so wertvoller, denn seien wir ehrlich: wer im Zusammenhang mit unserem geliebten HM und hinsichtlich eigener Fanatismus-Marotten nicht auch mal über sich selbst schmunzeln kann, dem ist nicht mehr zu helfen. Glücklicher Weise steigt der Autor dabei niemals auf das eher plakative Kalauer-Niveau des ’Read em all’-Kollegen Burgwächter ab (obschon auch dieser mitunter zweifellos feine (witzige) Sachen verbricht), sondern erinnert eher an die literarischen Betrachtungsweisen eines Chuck Klosterman. Ob ihr Frank Schäfers Genre-Vorlieben innerhalb des HM teilt, ist übrigens völlig unwichtig, denn „111 Gründe, Heavy Metal zu lieben“ regt auch in seiner subjektiven Betrachtungsweise dazu an die eigene Metal-Sozialisation Revue passieren zu lassen, und ein größeres Kompliment kann man dem Autor vielleicht gar nicht machen.

Mir gefällt der Schmöker jedenfalls so gut, dass man Frank Schäfer gar verzeihen sollte, dass er sich als Musikjournalist z.B. für den Rolling Stone oder die taz verdingt, deren metallischer Sachverstand erfolgreich gen Nulllinie tendiert…aber irgendwie muss ja auch ein Metaller im Geiste seine Rechnungen bezahlen. ;-)

Christoph Lücker


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