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ALLE REVIEWS :: Index: 'I' :: IMAGO

IMAGO

Betinna Bormann

Danse Macabre

Seiten / EUR
Bettina Bormann, jene Frau, die immer ein wenig wie eine Mischung aus verklemmter Religionslehrerin und professioneller Domina aussieht - manch Einem vielleicht bekannt von ihrem Projekt „Oberer Totpunkt“, wo sie eher lyrisch orientierte Shortstories eindrucksvoll zu einer Art Dark-Ambient-Electro-Industrial-Experimentalsound vorträgt. Immer mit diesem feministischen Unterton, bei dem sich jeder Mann wahrscheinlich nur schlecht fühlt, auch ohne auf den Text zu achten - Jetzt hat sie also einen Roman geschrieben. „Imago“.
Die Geschichte ist schnell erzählt. Sabrina, die sich die Schuld am Verschwinden ihres geliebten Vaters gibt und sich gescheitert, ständig selbst bestrafend, durchs Leben als Taxifahrerin schlägt, entdeckt, dass ihr Vater gar nicht weg gegangen ist. Er ist immer noch in der Wohnung ihrer Mutter. Seit 18 Jahren tot. Aber Sabrina hat ihn und diese Liebe jetzt ganz für sich. Wenn da nicht noch ein paar andere Personen wären, die ihr Glück zerstören können. Aber auch dafür gibt es Lösungen und unerwartete Hilfe.
Ein wenig also „Nekromantik“ (Jener Skandalfilm von Jörg Buttgereit) und Ingrid Noll. So einfach der Plot, so einfach auch die Sprache. Die Personen sind klischeeüberladene, flache Figuren. Das Schwarz-Weiß-Gut-Böse Schema liegt als Schablone auf allen Seiten. Die Männer schlagen, betrügen, erpressen alle nur die Frauen. Die sind darum schwer gestört und müssen sich irgendwie im Leben behaupten. Darum gibt’s dann die alte Biolehrerin, die sich mittels Gift zur Rächerin aller gedemütigten Frauen erklärt und natürlich das Luder, das seinen Sportlehrer verführt und sich schwängern lässt, streng genommen aber ja auch nur Liebe sucht, die sie bei ihrem abwesenden Vater nicht fand. Hier beginnt man zum ersten Mal zu Gähnen. Genau hier liegt nämlich das Problem des Buches. Klischees funktionieren in Shortstories gut, da sie auf Grund der Überzeichnung, in aller Kürze, Dinge gut verdeutlichen. Bei „Imago“ hätte sich Frau Bormann einfach mehr Zeit lassen sollen. Die Geschichte wirkt seltsam belanglos, lässt einen regelrecht kalt, maximal kann man sie „nett“ finden. („nett“ im Sinne von: „Kleine Bruder von Scheiße“!) Aber sie berührt Einen nicht. Es kommt keine Atmosphäre auf. Die Geschichte hätte Potential für bedrohliche Stimmungen, Schreckmomente, psychische Spannungen und ja, selbst die wenigen „Splatter“-Elemente lassen Einen leider nur gelangweilt mit den Achseln zucken. („Nekromantik – Die Liebe zum Menschen und was davon übrig bleibt“ hieß es noch bei Jörg Buttgereit und löste seinerzeit einen Skandal aus. Bei Frau Bormann denkt man beim dritten nekrophil veranlagten Protagonisten nur noch: „Na und?“) Schnell weg gelesen sind die 180 Seiten und auch schnell vergessen. Die lyrische Einstreuung in Form von „Monologen“ (Auch noch so betitelt! Innere Monologe sind durchaus ein Stilmittel eines Romans aber muss man dem bekloppten Leser das auch noch als Überschrift aufs Butterbrot schmieren?) und gar einem „Gedicht“, das am Ende das dem letzten Twist erzeugen soll, wirken hier auch nur noch bemüht. Wenn ich Lyrik lesen will, hole ich mir einen Gedichtband. Bei einem Roman erwarte ich eine funktionierende Geschichte, fesselnde Atmosphäre (selbst in Alltagsbeschreibungen) und glaubwürdige Protagonisten als Identifikationsfiguren.
Es scheint, als hätte sich Frau Bormann bei „Imago“ allzusehr auf das verlassen, was bei „Oberer Totpunkt“ durchaus funktioniert. Musik erzeugt nämlich sehr gut und direkt Emotionen und Atmosphäre, kann also das, was die Worte nicht sagen mit transportieren, verstärken oder überhaupt erst herbei zaubern. Beim geschriebenen Wort, funktioniert das nunmal nicht. Da muss man sich dann doch öfter mal hinsetzen und überlegen, was will man eigentlich und vor allem wie, will man es erzählen. (Allein das Mietshaus mit seinen eigentlich „seltsamen“ Bewohnern hätte mit wenigen Beschreibungen und Metaphern ein Muster an bedrohlich, gepflegten Grusel sein können.) Der knappe, ausschließlich erzählende Tonfall wirkt irgendwie dahin geschludert.
Da hilft es auch nicht, dass man als Käufer des Produktes die Wahl hat, zwischen Selberlesen oder Zuhören. Unbestritten, liest Bettina Bormann auf der beiliegenden MP3 CD ihre Sache gut. An der trivialen, schnell abgehakten Geschichte ändert dies leider nichts. Vielleicht, wenn sie mit Hilfe ihrer Musiker, aus dem ganzen eine Art Musiktheaterhörspielkonzept entwickeln würde...
Irgendwer hat das Buch mal wegen seiner einfachen Sprache mit Dirk Bernemann verglichen. Nun, Dirk Bernemann schreibt auch kurze Sätze, keine ellenlangen Schachtelspielereien. Das allein ist aber kein Kriterium für „einfache Sprache“! Dirk Bernemann schafft in seinen Texten Wortspielereien und Metaphern, die Emotionen erzeugen. Die oft genug wehtun und irgendwie immer sehr poetisch sind. Frau Bormann schafft dies leider nicht.


AvG


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