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MAGAZIN :: DISILLUSION / ....

DISILLUSION / MOLLLUST, 07.09.2019, Leipzig - Werk 2


Leipzig - Werk 2

07.09.2019
An diesem noch recht lauwarmen Spätsommerabend im wunderschönen Leipzig galt es im Nachgang zu einem Familientag im Zoo trotz aller Anstrengung (two kids, you know...) dringend einer der besten deutschen Metalplatten der letzten fünf Jahre zu huldigen, und zwar in Form der Record Release-Show für "The Liberation". Das Werk 2 im Stadtteil Connewitz ist eine großzügig angelegte, geschmackvolle Konzertlocation, die, wie sich schnell herausstellen sollte, über eine sehr gute Akustik sowie zwar wenig spektakuläre, dafür von Könnern umso effektiver einsetzbare Lichttraversen verfügt. Die Lokalmatadoren Disillusion klotzten an diesem Abend bei moderaten Eintrittspreisen von knapp über 20 Euro mit einer gut zweistündigen Setlist, aber leider auch bei den Merchpreisen: 20 Euro für ein Shirt, 40 für einen Zipper – recht happig, was die anwesenden Hundertschaften (die Halle D dürfte knapp nicht ausverkauft gewesen sein) jedoch nicht bremste.

Zunächst galt es jedoch der Chronistenpflicht Genüge zu tun und Molllust, ebenfalls aus der achtgrößten Stadt des Landes, über sich ergehen zu lassen. Wie sich beim Plausch nach dem Konzert herausstellte, war ich nicht der Einzige, der mit dem holprigen, Wacken-gestählten (ähem...) Opern Metal des Septetts herzlich wenig anfangen konnte. So sei es mir, mit Verlaub, gestattet zu bemerken, dass Liedgut wie jenes aus Funk und Fernsehen bekannte Liedlein "Voices Of The Dead" ohne jene dem modernen Zeitalter innewohnenden Fortschritt, welchen wir dem modernen Technicum zuschreiben, zaghaft hölzern und des Esprit ermangelnd dargeboten wurde. Mannigfaltig theatralisches Elementum gemahnte der zotenhaften Operette, auch wenn zumindest Dero Gnaden Janika eine gewisse Meisterschaft an ihrem vibrierenden Instrumentum zu bescheinigen sei. Das Secretum, warum derlei krude Mixtur aus Nachtwunsch, Innerhalb der Versuchung, Verwaistem Lande und Akopalützica auftreten durfte, ward wenig später barfüßig gelüftet: Gitarrist Frank zupft bei Disillusion den Bass... Itzo sei auch genug der Polemik.

Zudem war so ein echter Quantensprung garantiert. Kaum enterten die Mannen um Andy Schmidt (dessen Familie das Geschehen in dritter Reihe recht argwöhnisch beäugte) kurz nach halb neun zu den Klängen des monumentalen "Wintertide" die Bühne, als auch schon ein veritabler Jubelsturm losbrach. Dieser wollte in den folgenden 120 Minuten nicht mehr recht abebben, auch wenn "The Liberation" den meisten wohl noch nicht recht geläufig war, das Album jedoch selbstredend in voller Pracht dargeboten wurde. Dabei schossen "A Shimmer In The Darkest Sea" (mit Tablaklängen untermalt) sowie das im besten Sinne eingängige "Time To Let Go" vordergründig den Vogel ab, was jedoch nicht bedeutet, dass die Longtracks Durchhänger gewesen wären. Im Gegenteil: hier genoss das Publikum die Musikalität der Band, die bis auf einige Textaussetzer von Schmidt und einige Timingschwankungen zünftig aufspielte, in voller Pracht. Dabei fand man im Klangbild eine wirklich gute Balance zwischen zupackender (drei Gitarren-)Power und deren Transparenz mit den ausladenden symphonischen Elementen. Besonders steil ging der Mob jedoch trotzdem zu den Klassikern von "Back To Times Of Splendor" ‒ angefangen von den waltzschen Riffkaskaden in "Alone I Stand In Fires" über die wahnwitzigen Melechesh-Skalenläufe von "... And The Mirror Cracked" hin zu den träumerischen Violinenklängen des Titeltracks herrschte hier Ekstase. Dabei gilt jedoch zu konstatieren, dass der direkte Vergleich rein objektiv gesehen dann doch zugunsten des neuen Materials ausfallen muss, denn hier sind die mannigfaltigen Elemente aus Schmidts Klangkosmos besser verzahnt. Aber Emotion ist eben auch ein wichtiger Aspekt beim Genuss von Musik, wie auch der mächtige Haarwirbel beim einzigen Track des Avantgarde-Experiments "Gloria", "Don´t Go Any Further", bewies. Für eine Record Release-Show hätte ich mir noch zwei, drei Überraschungen in der Setlist gewünscht ("The Porter" oder "Three Neuron Kings" oder "Fall" etwa); nichtsdestotrotz war das hier auch dank einiger emotionaler Ansagen Schmidts (auch wenn der Gute nicht mehr zum Vorzeigeentertainer mutieren wird, muss er aber auch nicht, ist souverän genug) ein echtes Erlebnis, das ich nicht missen möchte. Und gerade die absolute Sonderklasse von "The Liberation" und "Alea" erstrahlte an jenem denkwürdigen Abend tatsächlich noch einmal in besonders hellem Lichte, denn keine heimische Band bewerkstelligt den Spagat zwischen zupackender Metal-Attitüde, kühlem Anspruch und emotionaler Ansprache momentan so überzeugend wie die Leipziger. Zu der Bewertung unter meinem Review darf man ruhig noch einmal einen halben Punkt addieren... Gerne mehr davon.
Patrick Müller - Pics: Patrick Müller


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