Obliveon - Metal und Gothic Webzine
 :: Suchen 

 :: Obliveon.de
· Home
· MySpace
· Links

  Info...
· FAQ
· Kontakt
· Impressum
 

 :: Magazin
· GESAMT
· News
· Interviews
· Konzert/Festivals
· Specials
· Foto Galerie

 :: Reviews
· GESAMT
· CD Reviews
· CD Import
· Eigenpressungen
· White Metal
· DVD/Video
· Bücher/Magazine

MAGAZIN :: METALLICA - ....

METALLICA - AND JUSTICE FOR ALL DELUXE EDITION RE-RELEASE
METALLICA
... AND JUSTICE FOR ALL DELUXE EDITION RE-RELEASE (Länge nicht messbar)
MERCURY / UNIVERSAL

... und widerfährt diesem Album, insbesondere Jason Newsted, nunmehr also Gerechtigkeit? Mit dieser Hoffnung schloss ich nämlich meine Rezension des Reissues von "Master Of Puppets". Zunächst einmal ist diese Box ein genauso dicker Brocken wie seine beiden Vorgänger, am besten schaut ihr zum Beispiel bei Amazon mal nach, was sich für Gimmicks in diesem Monster befinden. Jedenfalls bedürfte es nicht jedes drittklassigen Bootlegs (von denen es einige gibt...), interessant sind aber wie immer die Riff- und Demosammlungen, den Vogel ab schießt die mit von Hetfield mit fluffigen Softporno-Vocals unterlegte Demoversion von "Dyers Eve". Das edle Booklet in LP-Größe ist wie immer beeindruckend, auch die Doppel-Gatefold-LP des Seattle-Bootlegs weiß zu beeindrucken.

Für mich selbst war "... And Justice For All" die erste Begegnung mit Metallica, und natürlich war mir Dreizehnjährigem nicht bewusst, dass es sich um das kontroverseste ihrer 80er-Alben handeln sollte. Ich erinnere, wie ich auf einer Rockshow im Hessischen Rundfunk erstmals "One" hörte und völlig entgeistert, geradezu eingeschüchtert war ob der düsteren Brutalität des Stücks. Und tatsächlich war dies die Reaktion vor allem James Hetfields auf den traumatischen Tod Cliff Burtons: er kanalisierte seine Trauer in Frust, goss seine auch vom Alkohol beflügelten Dämonen in düstere, rohfleischige Riffs und trachtete hörbar danach, seiner Stimme erwachsenere Färbungen zu entlocken. Das typische Hetfield-Gebelle mit den oft kopierten und parodierten Phrasierungen (man höre etwa Beatallica) war geboren ‒ und somit auch am Mikro ein Alleinstellungsmerkmal.

Die Songs, allen voran der Titeltrack, waren ungewohnt vertrackt, Lars Ulrich spielte zum Clicktrack komplexe Patterns en masse, und mitunter vergaßen die beiden Sturköpfe dabei im Studio, die Songs zwingend zusammenzufügen und mussten (vom Geiste Burtons oder von wem auch immer sie sich Kritik annahmen) zur Raison gerufen werden. Der fantastische Opener "Blackened", der Titeltrack, "One", das unterbewertete "The Shortest Straw", das ungewohnt schleppende (und so "Sad But True" vorwegnehmende) "Harvester Of Sorrow", "Frayed Ends Of Sanity" und "Dyers Eve" sind Sahnestücke, jedoch finden sich mit dem drögen "Eye Of The Beholder" sowie der instrumentalen Burton-Hommage "To Live Is To Die" (in dem sich allerdings Burtons großartige Harmonien finden) auch wenig erquickende Kompositionen. Dennoch wirkt "... And Justice For All" auch dreißig Jahre nach seiner Veröffentlichung weniger homogen als seine Vorgänger, klingt es doch wie das im Studio mühsam zusammengefügte Puzzle, das es schließlich auch ist, wenn auch mit einer absolut eigentümlichen, beklemmenden Atmosphäre. Was angesichts seiner Vorgeschichte aber auch nicht verwundern darf.

Und dann wäre da noch der Sound, dieses seltsame Etwas aus rasant übersteuerten Gitarren, pupstrockenen Kickdrums, regennassem Snaresound und... einem im Hintergrund undefinierbar dröhnenden Bass. Wer "Doomsday For The Deceiver" liebt, weiß, welches Ärgernis diese schroffe Zurückweisung des Neulings Newsteds darstellt (und wie töfte sein Bass klingen könnte, hört man auf dem zweiten Track der ersten der "Riffs, Jams, Demos"-CDs nach). Und was macht die größte Metalband der Welt? Lässt das Album reMASTERN... Arjen Lucassen schafft es in zweimonatiger Kleinarbeit, "Into The Electric Castle" neu zu MISCHEN, die Herren Ulrich & Co. jedoch bringen nicht das nötige Kleingeld auf, dieses Album noch einmal auf komplett neue Füße zu stellen. Ja, der Gitarrensound ist voluminöser, aber jeder halbwegs interessierte Toningenieur macht Newsteds Bass hörbar (höre http://www.youtube.com/watch?v=N-OArgBcBRk); hier bleibt er verschollen – und kommt nur in den coolen Rough Mixes wieder zum Vorschein, die somit zumindest als echte Alternative durchgehen. Das ist insgesamt jedoch eine Schande und tut tatsächlich auch ein bisschen weh, zumal etwa das bekannte Seattle-Bootleg aus 1989 hörbar aufgepimpt wurde. Es gibt also doch keine Gerechtigkeit, nicht mal im Metal-Universum. Ware auch zu schön gewesen...

9/10 PM.


[ Zurück zum Index ]
 

[ Unsere Webseite weiterempfehlen ] [ Impressum ] [ Seitenanfang ]

© Oblivion 1998-2002 Alle Rechte vorbehalten

Haftungsausschluss/Disclaimer

technisches Konzept, Programmierung & Webdesign by M. Koschinski / C. Fessler