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MAGAZIN :: Neue Kolumne& ....

Neue Kolumne: Lyrics in Metal & Rock - MATTIAS IA EKLUNDH (FREAK KITCHEN)
Musik ist Konsum. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sie nicht den Intellekt anzusprechen vermochte. Jenseits komplizierter Rhythmen und notenschwangerer Soli delektieren sich seit Jahrzehnten Legionen Fans an einem nichtsdestotrotz oft vernachlässigten Aspekt populärer Musik: den Songtexten ihrer Favoriten. Nicht selten sind es gerade diese, die aus Sympathie Enthusiasmus werden lassen. Daher widmen sich die Redakteure des obliveon in unserer neuen Kolumne ihren Lieblingstextern. Vorhang auf für...
Mattias IA Eklundh - Freak Kitchen

Ich liebe Satire. Der weltweit angesehene Gitarrenhexer Mattias IA Eklundh ist der bei weitem begnadetste (yes, I mean it...) Satiriker, den der "Heavy" Rock, Metal, Jazz, Blues etc. pp. jemals hervorgebracht hat. Ergo: it`s a love match. Gerade die eben angedeutete stilistische Offenheit, die eben auch den geistigen Horizont definiert, mag diesen Umstand erklären. Mit seiner Band Freak Kitchen nimmt der Schwede dabei mitunter jene Attitüde auf die Schippe, die er selbst mit seiner "Jugendsünde" Fate, einer AOR-Hair Metal Mischpoke, teilweise vorgelebt hatte: das tumbe Klischee von Sex, Drugs & Rock `n` Roll – nicht zuletzt, da seine eigenen Träume von Superstardom bald jäh zerplatzten (ein Umstand, der sich wohl in "Vaseline Bizniz" oder "The Rights To You" widerspiegelt). Jedoch gehen Eklundhs Texte schon bald weit darüber hinaus, sprühen vor sprachlicher Genialität, die sich ohne jede Anstrengung an die musikalisch höchst anspruchsvollen Kompositionen anschmiegt. Im Regelfall wird Virtuosität auf die instrumentalen Fähigkeiten der Musiker reduziert. Eklundh ist lyrisch jedoch beinahe ebenso bewandert wie an der Sechssaitigen sowie als Songwriter und Arrangeur.

Dabei zelebriert er in virtuoser Manier eben jenen Spagat zwischen schamloser Selbstgerechtigkeit und informierter, hintergründiger Aggressivität, der grandiose Satire eben ausmacht. Jenes Genre widmet sich dem Angriff, ist schamlos antagonistisch, positioniert sich politisch wie auch persönlich. Mit alledem hat Eklundh keinerlei Problem. Warum sollte das musikalische Genie den lyrischen Wahnsinn auch scheuen? Die perfide Kunst liegt darin, die Gegensätze greifbar zu machen: häufig, beispielweise in dem Gesellenstück "Super Model Baby", überführt er grantig-bitterböse Strophen in schwülstig-garstige Refrains ("I wanna be a supermodel / I wanna look like I am dead / I wanna be somebody´s product / I´m beautiful and give good head" - Heidi Klum anyone?). Natürlich sollen solche Zeilen provozieren, aber Eklundh umschifft solcherlei Fährnisse mit wahrhaft komischem Talent, das nichtsdestotrotz die darunter liegende persönliche Tragödie freilegt ("I´m so thin you will not spot me sideways"). Dabei widmet er sich wie angedeutet sowohl zutiefst persönlichen ("Seven Days In June") wie auch höchst politischen Themen ("Logo" - "tiny fingers from afar, born to sow your push up bra"). Das die beiden letztgenannten Songs vom Freak Kitchen-Meisterwerk "Move" stammen, ist dabei kein Zufall. Nicht zuletzt lyrisch hat Eklundh hier den Gipfel erklommen. Die rhymes sitzen, die beats grooven. Das ist fast schon Rap gone Metal, ohne das man es nur ansatzweise merkte.

Hauptziel der Tiraden sind dabei moderne Zivilisationskrankheiten, die geradezu chirurgisch seziert werden. Dies macht Eklundhs Schaffen auch so relevant, denn wenn Kunst uns hilft, vielleicht gar persönliche Defizite zu erkennen, wird sie geradezu erschreckend wichtig. Und damit legt der Künstler den Finger in Wunden, die in uns allen schwelen, deren Geschwüre wir aber schlicht nicht sehen wollen: Hauptthemen seines Schaffens sind der Missbrauch moderner Medien inkl. emotionaler Vereinsamung ("Dead Soul Man" oder "Sloppy") sowie insbesondere die daraus, um mit Fish zu sprechen, erwachsende "Incommunicado" ("Nobody´s Laughing") und Aufmerksamkeitsbesessenheit ("Freak Of The Week") sowie das allzu fassbare Gespenst des tumben, populistisch verbrämten Rassismus ("Mussolini Mind" und "God Save The Spleen" bzw. "Honey, You`re A Nazi"). Wunderbar ist auch zu beobachten, wie Eklundh unfassbar genialisch und polyrhythmisch das Erscheinen der Mohammed-Karikaturen in Dänemark mit deren Auswirkungen auf einen persönlichen Besuch Indiens verbindet, um ein in Stein gemeißeltes musikalisches Manifest für Meinungsfreiheit zu erschaffen ("Tandoori stains, and teargas jazz / No, we´re not Danes...!").

Sprache ist ohne Inhalt kaum denkbar. Dabei bedient sich Eklundh gerade als Live-Entertainer gar bei solcherlei Strömungen, die diese These ad absurdum führen wollen. Man höre etwa seine dem Dadaismus nicht abgeneigten "Goody Goody"-Exkurse oder aber die auf CD gegossene, realistisch-absurde Gesellschaftskritik von "Porno Daddy". Ansonsten ist man als anspruchsvoller Freund von auf die Glocke gehender, aber auch um die Ecke GEDACHTER Musik, bei ihm so gut aufgehoben wie bei sonst niemandem. Die Verzahnung zwischen Musik und Lyrics kann kaum zwingender umgesetzt werden. Eklundhs freier Geist lehrt uns, in dunklen Zeiten voller Freude in den Sonnenuntergang zu reiten; jedoch sollten wir dabei gefälligst unseren Verstand einschalten. Irgendwie klingt das nach selbstkritisch-hedonistischer Neo-Aufklärung... Thanks for the gift of conversation, Mattias!

TOP 10 der lyrischen Geniestreiche Eklundhs (in no particular order):

We´ve Heard It All Before
Humiliation Song
Saving Up For An Anal Bleach
Super Model Baby
Gun God
Vaseline Bizniz
Propaganda Pie
Teargas Jazz
Logo
Mussolini Mind
Patrick Müller


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