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MAGAZIN :: NEVERMORE ....

NEVERMORE: THE COMPLETE COLLECTION (BOX)
NEVERMORE
THE COMPLETE COLLECTION
CENTURY MEDIA / SONY

Ein G´schmäckle bleibt bei einer solchen Box selbstredend: der begnadete Warrel Dane geht Ende letzten Jahres von uns, ein Vierteljahr später steht eine Werkschau in den Läden. Ja, handnummeriert, auf 2.000 Exemplare limitiert, aber da dürfte angesichts der Aufmachung (stabile Pappbox, Nevermore Fahne, Booklet mit Kurzinfos zu allen Alben und Lyrics, die Alben jedoch lediglich in stabilen Cardsleeves) dennoch der eine oder andere Euro hängen bleiben. Jedoch ist der Preis mit ca. 50 Euro sehr fair kalkuliert. Und sowieso muss die Welt natürlich der besten Metalband der 90er und 00er Jahre huldigen, da gibbet nix. Zusätzlich zu den regulären Alben gibt es: zum Debüt noch jene Demosongs aus 1992, die es nicht auf´s reguläre Album schafften; zur "In Memory" EP die Demos, aus denen schließlich "Politics of Ecstasy" hervorging"; die remixte Version von "Enemies Of Reality"; eine CDs mit Raritäten und Demos.

Und ansonsten? Großartige, stilprägende Mucke bis zum Abwinken. Natürlich hatten Dane und Sheppard bereits mit den beiden Sanctuary-Alben Klassiker erschaffen, aber wie nahtlos das Debut an diese Klasse anknüpft, ist schon beängstigend. Die Mörderriffs von "Garden of Gray" und gerade auch balladeske Großartigkeiten wie "The Sanity Assassin" und "The Hurting Words" zeugten bereist vom gigantischen Potenzial Nevermores, das sich auf dem fantastischen "In Memory" manifestierte: Jeder einzelne Song ist hier ein Kunstwerk, die Symbiose aus 80er Herrlichkeit und modernstem Riffing inklusive der intelligenten Lyrics Danes zündet ein Feuerwerk der Kreativität.

"The Politics of Ecstasy" zeigt dann neben all dieser Klasse auch die Stacheln Nevermores:
hier wird auf höchstem Niveau musiziert, jedoch sind Brocken wie "Next In Line" oder "Seven Tongues Of God" ebenso sperrig wie eingängig, arbeiten mit Thrash-Versatzstücken und zeigen so, dass man sich Nevermore als Fan würde hart erarbeiten müssen. Und mit "The Learning" bietet das Album auch das diesbezügliche Gesellenstück (diese Gesangslinie, diese Riffs im Mittelteil - unfassbar!). "Dreaming Neon Black" ist für viele, und für Dane selbst, das Meisterstück der Band: gewittriger Thrash, dezente Gothic-Einflüsse (der Titeltrack oder das unglaublich intensive "The Lotus Eaters") sowie der nunmehr deutlich erkennbare Signature-Sound der Ostküstler verschmelzen zu einem erneut extrem sperrigen Werk, das mit "Deconstruction", "Beyond Within" oder "No More Will" weitere Meisterstücke enthält.

Dennoch: meines Erachtens begannen erst jetzt die ganz großen Jahre der Band, die auch aus Jeff Loomis einen weltweit anerkannten Gitarrengroßmeister machen sollten. "How did it come to this?" Mit Andy Sneap wurde auch der Sound endlich aufgeräumter (ein ewiges Liveproblem Nevermores), und die mit etwas Modern Metal der Fear Factory- Sorte aufgepeppte Hitdichte auf "Dead Heart In A Dead World" ist schlicht legendär. If I were to choose: "Narcosynthesis", "Inside Four Walls", "The River Dragon Has Come", " ‒ aber egal, wo die Nadel oder der Laserstrahl aufschlagen: großartiges Kino! "Enemies Of Reality" ist für mich das vergessene Kleinod in der Diskographie Nevermores; dass der ursprüngliche komplett in die Buxe ging: geschenkt – dafür haben wir ja den Remix, und der ist superb. Aber die Songs? Grandios! Nunmehr mit einer brutaleren, beinahe Tech Death Metal-artigen Kante ("Seed Awakening"!) ausgestattet knallen die Hooks des Titeltracks (einer der drei besten Nevermore-Tracks), des völlig unterbewerteten "Ambivalent" oder "I Voyager" derartig, dass der Luzie der Saft ausgeht. Und "Tomorrow Turned Into Yesterday" ist geiler als "Believe In Nothing"! Super Album!!

Jetzt mach ich mich mal zum Horst. Alle Welt schreit, "This Godless Endeavour" sei das Meisterwerk Nevermores. Nö. Den besten Sound, ja. Jedoch lassen sich meines Erachtens viele vom großartigen Eröffnungs-Triple "Born"/"Final Product"/"My Final Words" blenden. Danach kann man das Niveau von "Dead Heart In A Dead World" jedoch nicht ganz halten, einiges wirkt schablonenhaft ("Sell My Heart For Stones"). Dennoch ein ganz starkes Album. Das folgende, in Bochum aufgenommene Livealbum "Year Of The Voyager" ist eine absolute Demonstration der Stärke. Beinahe alle Hits werden tight wie die zwei Nummern zu kleine Unnerbüx runtergezockt, alle Bandmitglieder brillieren. Besser geht sowas nicht.

Was man von "The Obsidian Conspiracy" nicht behaupten kann. Jedoch ist das Album auch nicht so schlecht, wie es mitunter gemacht wird. "Moonrise" bildet mit "The Maiden Spoke", dem "Enemies Of Reality"-Verschnitt "Termination Proclamation" und dem Hit "Emptiness Unobstructed" das Herzstück des Albums, auf dem aber natürlich auch Durchschnitt der Sorte "The Blue Marble And The New Soul" oder "Your Poison Throne" zu finden ist. Ein interessantes Album, ja, aber eines, das auch nach vielen Durchläufen nicht zu begeistern weiß. Und daher auch zum Schwanengesang einer der besten und vielleicht auch selbstzerstörerischsten Metalbands aller Zeiten wurde.

Wer sämtliche Tonträger Nevermores mit diversen Bonustracks etc. bereits im Schrank stehen hat, muss hier nicht unbedingt zuschlagen, wird es aber wahrscheinlich trotzdem tun. Für Einsteiger ist diese Box eine fantastische Möglichkeit, für einen fairen Preis in die Welt dieser begnadeten Musiker und Songwriter einzutauchen. R.I.P. Warrel.
PM.


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