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CD-Reviews :: TOOL

TOOL

FEAR INOCULUM (86:44 min.)

SONY /
Nach einem Guns´n´Roses-artigen Wartemarathon haben die Kalifornier nun also die Kurve gekriegt und werfen der ausgehungerten Meute einen cineastischen Brocken in Spielfilmlänge zum Abendmahl vor. Schon die Multimedia-Verpackung mit wiederaufladbarem HD Screen nebst Videoinstallation (!), USB-Ladekabel und einem großformatigen Booklet setzt fraglos Maßstäbe, auch wenn der konsequente Schritt ins digitale Zeitalter buchstäblich seinen Preis hat: mit 80 Euro ist dieses Deluxe-Package etwas für Besserverdiener, während der Rest dann eben mit den Soundfiles Vorlieb nehmen muss, was viele Hörer jedoch heutzutage bekanntlich eh vorziehen. Ob der Großteil dieser Klientel jedoch über die gesamte Spielzeit am Ball bleibt, steht auf einem anderen Blatt. Die große Stärke von Keenan & Co. war spätestens seit dem Ereignis "Lateralus" das Ausloten von Extremen: extreme Introspektive will in die extrovertierten Schemata der Rockmusik überführt werden. Und diesbezüglich schießen die Kalifornier nunmehr den Vogel ab: das allgegenwärtige und so einflussreiche perkussive Element wird in streckenweise asiatisch anmutende Selbstanalyse überführt (Titeltrack), Sci Fi-artige Soundtrackparts ("Pneuma") stehen anstelle der eruptiven Passagen auf früheren Alben. Und wenn dann doch ein Stadionriff aufblitzt, wird es in ein zuckendes Rhythmusrätsel überführt ("Pneuma" und "Invincible"). Die technisch selbstredend über jedweden Zweifel erhabene Band meditiert sich bei wie immer überlebensgroßem Sound in ihre eigenen Songs hinein, fühlt sich tastend voran, erwägt scheinbar spontan Optionen bis der zurückhaltend agierende Keenan beschwörend eingreift und der Trance die Krone aufsetzt. Keiner der sechs regulären "Songs" ist kürzer als zehn Minuten und dehnt sich gerade durch Danny Careys unfassbares Drumming und Justin Chancellors unvergleichlich pumpende Bassläufe gymnastisch wie Artisten des chinesischen Nationalzirkus. Weniger massentauglich geht es kaum, aber genau dies scheint inzwischen das Geheimnis der Band: sie trifft einen Nerv, befriedigt versteckte Sehnsüchte wie dies in noch ausgeprägterem Maße, aber mit gar nicht unähnlichen Mitteln Pink Floyd in den 70ern gelang. Hier wartet eine Welt, in der echtes Zuhören noch kein Relikt der Vergangenheit ist, eine Welt die von arktischer Kälte bis schwüler Hitze (Adam Jones´ zauberhafte Gitarrenlicks in "Descending") alle Klimazonen und genauso mannigfaltige Gefühlswelten abbildet. Da passt als Paradoxon die konsequente Verweigerungshaltung der vier Käuze ins Bild, die gemeinsam als archaisches Rockmonster High-Tech-Musik kreieren, die dann ganz nebenbei auch mal so täuschend basisch tönt, dass man unbemerkt einer ganzen Symphonie lauscht ("Culling Voices"). Die Fans der extrovertierten Seite der Band kommen mit dem Viertelstünder "7empest" (genialische Soundexperimente von Jones, hier schließt er beinahe zu Brian Mays Liveversion von "Brighton Rock" auf) schließlich auch noch auf ihre Kosten. Auf so ein Wunder darf man dann auch mal 13 Jahre warten, auch wenn die Zwischenspiele nicht selten etwas nervig ausgefallen sind. Aber das scheint Teil des Spielchens zu sein...
9,5/10 - PM.


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